Symbolbild

Im Wald wieder bei sich ankommen

Neben den Einzelbegleitungen bietet Brigitte Hube auch Waldbaden für die DIAPP-Klient:innen an. Es ist ein Angebot voll Ruhe und Achtsamkeit - und gerade deshalb für einige Klient:innen herausfordernd.

Der Wald ist friedlich still. Nur das Rascheln der Blätter unter den Füßen und vereinzeltes Vogelzwitschern begleiten die kleine Gruppe auf ihrem Weg. Gespräche gibt es zunächst keine. Schweigend gehen die Teilnehmenden nebeneinander her und richten ihre Aufmerksamkeit auf ihre Umgebung. Das ist für sie keine Selbstverständlichkeit. Für die Klient:innen der DIAPP, des diakonischen ambulanten psychiatrischen Pflegedienstes der Diakoniestationen Harz-Heide, kann bereits dieser stille Spaziergang eine Herausforderung sein.

Das Bild zeigt eine Gruppe der DIAPP beim Waldbaden.

Die DIAPP unterstützt Menschen mit seelischen Erkrankungen dabei, psychische Krisen zu überwinden und ihren Alltag wieder selbstständiger zu gestalten. Gemeinsam mit den Klient:innen bauen die Mitarbeitenden ein stabiles Gerüst auf, das Halt gibt und neue Perspektiven eröffnet. Im vertrauten Umfeld werden individuelle Fähigkeiten entdeckt, gestärkt und weiterentwickelt. Ziel ist es, Ressourcen sichtbar zu machen und die eigene Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen.

Ein neueres Gruppenangebot ist das Waldbaden, das DIAPP-Mitarbeiterin Brigitte Hube regelmäßig begleitet. Dabei geht es nicht um lange Wanderungen oder irgendeine Leistung. Im Mittelpunkt stehen Achtsamkeit, Wahrnehmung und das bewusste Erleben der Natur.

Nach dem gemeinsamen Spaziergang kommt die Gruppe ins Gespräch. Anschließend folgen Atem- und Achtsamkeitsübungen. Die Teilnehmenden richten ihre Aufmerksamkeit gezielt auf ihre Sinne: Was rieche ich? Was höre ich? Was fühle ich? Kleine Aufgaben unterstützen dabei, die Natur bewusst wahrzunehmen. Manchmal geht es darum, die unterschiedlichen Strukturen von Baumrinden zu ertasten, ein anderes Mal darum, barfuß über weiches Laub zu laufen oder einen Gegenstand in der Umgebung genauer zu betrachten.

Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Jede Wahrnehmung ist willkommen. Nach den Übungen tauscht sich die Gruppe über ihre Erfahrungen aus, bevor es gemeinsam zurückgeht.

Das Bild zeigt Pflanzen im Wald.

So friedlich es zunächst wirkt: Für manche Klient:innen ist das Angebot herausfordernd. Je nach Krankheitsbild können Konzentrationsschwierigkeiten oder eine veränderte Wahrnehmung das Einlassen auf die Übungen erschweren. Auch unangenehme Gefühle können während der Achtsamkeitsübungen auftauchen. Doch genau darin liegt ein wichtiger Teil des Angebots. Es geht nicht darum, ausschließlich positive Empfindungen zu erleben, sondern die eigenen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und anzuerkennen.

„Es geht um Achtsamkeit und Wahrnehmung“, sagt Brigitte Hube. Wer lernt, sich selbst und seine Umgebung bewusst wahrzunehmen, kann oftmals auch im Alltag besser zur Ruhe kommen mit belastenden Situationen umgehen. Der Wald bietet dafür einen geschützten Rahmen: fern von Ablenkungen, ruhig und zugleich voller Eindrücke.

So wird das Waldbaden für viele Teilnehmende zu einer Gelegenheit, für einen Moment innezuhalten, den Blick nach innen zu richten und wieder ein Stück näher zu sich selbst zu finden.

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