Besondere Momente prägen unseren Alltag – Augenblicke, die berühren, bewegen und lange in Erinnerung bleiben. In diesem Artikel erzählen Mitarbeitende aus unserem Unternehmensverbund esn von kleinen und großen Geschichten, die sie nicht vergessen werden: von bewegenden Begegnungen, überraschenden Erlebnissen und Augenblicken, die zeigen, was die Arbeit in unseren Hilfefeldern so besonders macht. Eine Sammlung persönlicher Erinnerungen, die verbindet und einen Blick auf die Menschen hinter den Aufgaben und Herausforderungen eröffnet.
Ein Brief, der bleibt
Katja Watzl | Schulleiterin Bildungszentrum Marienstift, wo jedes Jahr rund 50 Pflegefachkräfte ihr Examen machen. „Im vergangenen Jahr hat uns im Bildungszentrum Marienstift ein handgeschriebener Brief erreicht, der uns sehr bewegt hat. Er stammt von einer ehemaligen Auszubildenden, die inzwischen examinierte Pflegefachfrau ist – und die uns noch einmal von Herzen danken wollte. Sie schreibt, dass sie zu Beginn ihrer Ausbildung nicht wusste, ob sie hier mehr finden würde als eine solide Ausbildung. Heute sagt sie: Das Marienstift sei für sie ein Geschenk gewesen. Nicht nur ein Ort des Lernens, sondern ein Ort des Wachsens, des Reifens und der Begegnung. Pflege habe sie hier nicht nur als Wissen und Technik kennengelernt, sondern als Berufung – mit Liebe zum Menschen und Verantwortung für andere. Diese Worte haben uns als Schulleitung und Team tief berührt. Zu lesen, dass Geduld, Unterstützung und Vertrauen für sie über die Ausbildung hinaus Bedeutung haben, erfüllt uns mit großer Dankbarkeit. Besonders bewegt hat uns ihr Gedanke, das, was sie hier erfahren hat, selbst weitertragen zu wollen – als etwas Wertvolles, das ihr geschenkt wurde. Solch ein Brief ist nicht alltäglich, sondern für uns ein besonderer Moment. Er hat uns daran erinnert, warum wir ausbilden, begleiten und ermutigen. Und daran, dass das, was wir weitergeben, manchmal erst später sichtbar wird – dann aber umso nachhaltiger wirkt.

Lernen, ohne es zu merken
Lutz Müller | als Bildungsbegleiter in der Wohnen und Betreuen, ist unter anderem am und auf dem Braunschweiger Südsee im Einsatz, damit Menschen mit Behinderung Segeln lernen und erleben können. „Die Idee zu meinem großen Segel-Memory hatte ich schon vor einigen Jahren. Beim Segeln sind klare Kommandos und eindeutige Bezeichnungen lebenswichtig – aber viele unserer Beschäftigten können sich Fachwissen nicht einfach aus Lehrbüchern aneignen. Also brauchte es eine andere Art zu lernen. Eine spielerische. Denn im Spiel begreift man oft, ohne es zu merken. Ich habe beim Segeln schon vieles mit Modellen und kleinen Figuren erklärt – Kurse, Manöver, sogar Windrichtungen, manchmal mit einem Ventilator als Windquelle. Die Beschäftigten lernen dabei, ohne dass es nach Lernen aussieht. Und irgendwann dachte ich: Warum nicht ein Memory daraus machen? Also habe ich angefangen, alles abzufotografieren, was beim Segeln wichtig ist: Knoten, Bootsteile, Werkzeuge, Hilfsmittel, sogar Wasservögel am Südsee. Aus alten Memoryspielen habe ich neue Sets gebaut, zugeschnitten, aufgeklebt, sortiert. Ein erstes Spiel mit 28 Paaren. Dann ein Zweites. Das Neueste hat 36 – und ist wirklich nichts für schwache Nerven. Was dabei passiert, ist unglaublich wertvoll: Beim Spielen erkenne ich Fähigkeiten, Stimmungen, Motivation – und auch ganz viel Stolz. Manche überraschen sich selbst mit Gedächtnisleistungen und Konzentration, die ihnen vorher niemand zugetraut hätte. Und manchmal ist es einfach ein schöner Moment, wenn jemand strahlt, weil er sich ein schweres Paar gemerkt hat – und es tatsächlich noch da liegt, wenn er an der Reihe ist. Diese Spielfreude, die kleinen Erfolge, das wachsende Selbstbewusstsein: Das sind die besonderen Momente. Genau dafür mache ich diesen Job.“

Modelliere blind mit Ton!
Carina Dahlke | arbeitet als Kunsttherapeutin in der Reha-Fachklinik Erlengrund im Lukas-Werk. „Ich hatte einmal einen Patienten, einen ganz jungen Kerl, der eigentlich in der IT gearbeitet hat. Von Anfang an war er total negativ eingestellt und wollte bei mir in der Kunsttherapie gar nicht richtig mitmachen. An dem Tag hatte ich den Patient:innen die Aufgabe gestellt, blind mit Ton zu arbeiten – und er war so richtig dagegen. Er wollte wissen, warum wir das machen und was das Ganze überhaupt bringen soll. Trotzdem hat er am Ende mitgemacht. Erst widerwillig, dann immer ruhiger. Und plötzlich konnte er richtig gut beschreiben, was er gefühlt und was diese Aufgabe in ihm ausgelöst hat. Das war ein richtiger emotionaler Ausbruch, der mich wirklich überrascht hat. Ganz zum Ende seines Aufenthalts bei uns in der Fachklinik sagte er mir dann, dass er seinen IT-Job etwas reduzieren möchte, um mehr in die Kunst zu gehen. Er war auch sehr talentiert – und es hatte ihm am Ende richtig Spaß bereitet. Dieser Moment hat in mir pure Freude ausgelöst. Zu sehen, dass ich im Leben eines Menschen diese Wandlung bewirken und dass ich ihn in eine so positive Richtung bringen konnte – das war etwas ganz Besonderes… das bleibt.“

Wenn Stille verbindet
Sarah Maria Reichard | Praxiskoordinatorin im Krankenhaus Marienstift, begleitet Menschen während ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann.
„In meiner Arbeit in der Praxiskoordination am Krankenhaus Marienstift unterstütze ich Auszubildende über drei Jahre hinweg auf ihrem Weg zum Examen. Manche kommen direkt aus der Schule, andere haben bereits einen ganz eigenen Lebens- oder Berufsweg hinter sich. In den letzten Jahren sind unsere Gruppen deutlich vielfältiger geworden: Menschen mit einer zweiten Ausbildung, Kolleg:innen aus anderen Ländern oder solche, die lange in der Pflegeassistenz gearbeitet haben und sich nun weiterqualifizieren möchten.
Ein Thema liegt mir dabei besonders am Herzen: der Umgang mit Tod und Sterben. Aus meiner früheren Arbeit in der Palliativversorgung weiß ich, wie wichtig ein offener und angstfreier Zugang dazu ist – und wie selten darüber wirklich gesprochen wird. Deshalb gehört dieses Thema fest zu meiner Arbeit mit den Auszubildenden.
Wenn das Seminar beginnt, ist es oft ganz still. Man spürt das Unbehagen im Raum. Dann lade ich dazu ein, eigene Erfahrungen zu teilen – jede und jeder so, wie es sich richtig anfühlt. Nach und nach erzählen die Auszubildenden von Trauer, Abschied, Ritualen und Traditionen aus ihren Familien, Kulturen und Religionen.
Dabei fließen nicht selten Tränen, weil Geschichten so berührend sind. Und manchmal wird auch gelacht, wenn Unterschiede sichtbar werden, die zunächst fremd wirken, aber neugierig machen. Am Ende dieser gemeinsamen Zeit steht immer ein ähnliches Fazit: Wir können viel voneinander lernen – und diese Vielfalt macht uns empathischer. Für mich ist das jedes Mal ein besonderer Moment. Einer, der zeigt, wie sehr Pflege von Menschlichkeit lebt.“

Miteinander montagsmalen
Sabine Sammann und Anne Schachtschneider | arbeiten als Betreuungskräfte in der Tagespflege Gamsen, die Teil der Diakoniestation Gifhorn ist. In der Tagespflege geht es nicht nur um individuelle pflegerische Unterstützung und professionelle Betreuung, sondern vor allem auch darum, Gemeinschaft zu erleben.
„Unser Vormittagsprogramm findet meistens im Wohnzimmer unserer Tagespflege statt – so auch an diesem Tag. Von dort aus gibt es ein großes Fenster zum Begegnungsraum der Tagespflege und zu einem Kindergarten. Und genau dieses Fenster wurde an diesem Vormittag zur Brücke zwischen Jung und Alt.
Während wir mit unseren Gästen das Spiel Montagsmaler spielten, verfolgten die Kinder vom Kindergarten das Geschehen mit großer Begeisterung durch die Scheibe. Sie rieten eifrig mit und unterstützten uns auf ganz kreative Weise: Ein Kind lief sogar immer wieder hin und her, holte den gesuchten Gegenstand aus dem Kindergarten – zum Beispiel einen Rucksack – und hielt ihn stolz ans Fenster.
Schließlich kamen sechs der Kinder zu uns in den Raum, setzten sich mitten in unseren Stuhlkreis und spielten einfach mit. Seniorinnen und Senioren, Kinder und Mitarbeitende hatten gemeinsam riesigen Spaß und viel zu lachen. Zwei Gäste und Mitarbeitende wechselten sich beim Malen der Begriffe am Flipchart ab – und allein die entstandenen Zeichnungen waren schon ein Grund zum Schmunzeln.
Es wurde geraten, gelacht und und man kam miteinander ins Gespräch. Für uns war das ein wunderschöner Moment, der gezeigt hat, wie lebendig und verbindend Begegnungen sein können – ganz unabhängig vom Alter.“

Mit kleinen Dingen Großes bewirken
Ella Alpers | Auszubildende Fachschule Heilerziehungspflege Neuerkerode, Jahrgang HEP 50, erzählt von einer besonderen Begegnung.
„Ein besonderer Moment für mich war, als eine Mitschülerin die Idee für einen Kleidertausch an unserer Schule hatte und ich ihn gemeinsam mit ihr organisieren durfte. Es war ein sehr schönes Gefühl, aus einer einfachen Idee etwas zu machen, das so gut bei anderen angekommen ist.
Besonders bewegt mich bis heute, wenn ich jemanden sehe, der ein Kleidungsstück von mir trägt. Dinge, die bei mir lange nur im Schrank lagen und keine Bedeutung mehr hatten, bekommen so ein neues Leben. Zu sehen, dass genau diese Kleidung jetzt jemand anderem Freude bereitet, macht mich glücklich.
Dieser Moment ist mir im Kopf geblieben, weil er mir gezeigt hat, wie viel man mit etwas Kleinem bewirken kann. Aus Kleidung, die für mich keinen Platz mehr hatte, wurde für jemand anderen etwas Wertvolles. Dieses Gefühl von Teilen, Weitergeben und anderen eine Freude zu machen, ist für mich etwas ganz Besonderes.“

Illustrationen: Claudia L. Hoffmann
