Als das Gewinnerhaus verkündet wird, bricht Jubel unter den Bewohnenden des St. Vinzenz in Braunschweig aus. „Alle waren überglücklich“, sagt Alena Güthoff, Leitung des Begleitenden und Sozialen Dienstes des Braunschweiger Senioren- und Pflegezentrums. Gewonnen haben sie mit ihrem Gedicht „Ein eigentümlicher Tag“, das sie im Rahmen der Woche der Herausforderung gedichtet haben.
Lieb gewonnene Tradition
Diese ist mittlerweile eine lieb gewonnene Tradition in den Senioren- und Pflegezentren der esn: Einmal im Jahr treten sie gegeneinander an. Ob im Senioren- und Pflegezentrum Bethanien oder St. Vinzenz in Braunschweig, dem Theresienhof in Goslar, dem St. Vitus in Seesen oder dem Haus der helfenden Hände im Rittergut Beienrode – mit Kreativität, Teamgeist und viel Engagement widmen sich die Bewohnenden einer Aufgabe. Dabei geht es um den Spaß und die Vernetzung der Häuser untereinander. Und auch um einen Gewinn, den ein Haus am Ende für sich entscheiden kann.
Die Idee zu der gemeinsamen Aktion hatten die Leitungen der Begleitenden und Sozialen Dienste (BuSD) der Häuser. In der ersten Woche der Herausforderung hatten die Senior:innen die Aufgabe, eine Strophe der Vogelhochzeit darzustellen – ein Haus beispielsweise zeichnerisch, eines mit Instrumenten, ein anderes pantomimisch. In der zweiten Runde mussten die Häuser Masken erstellen.
Gemeinsam dichten
In diesem Jahr wurde es poetisch. Jede Einrichtung packte acht Gegenstände in eine Box. Diese wurden untereinander getauscht. Aus den Gegenständen in der zugeteilten Box mussten Gedichte erstellt werden. Gar nicht so leicht, Begriffe wie etwa Dino, Nuss und Schnurrbart oder Vase, Wäscheklammer und Engel in einem Gedicht unterzubringen.
Die Herangehensweisen waren unterschiedlich. „Wir waren eine große Gruppe mit über 20 Bewohnenden. Zunächst gab schon Zweifel, ob das überhaupt möglich ist. Nachdem die ersten Reime gefunden waren, ging es aber ganz schnell“, erzählt Anke Rosemann, Leitung des BuSD in Bethanien. Eine Bewohnerin fügt hinzu: „Es hat uns richtig Spaß gemacht und das Gedicht ist toll geworden.“ Auch Annette Wilczewski, Leitung des BuSD im St. Vitus, berichtet Ähnliches: „Es kam sogar die Idee auf, öfter gemeinsam Gedichte zu erstellen.“
Im Theresienhof ist das Gedicht in einer Einzelbetreuung entstanden. „Der Bewohner war begeistert dabei und wir hatten eine intensive Zeit zusammen“, erzählt Sarah Zimmer, Leitung des BuSD im Theresienhof. Im Rittergut Beienrode wurde erst mit einer großen Gruppe gestartet. „Das war etwas holprig“, erzählt Mette Knudsen-Huber, Leitung des BuSD im Haus der helfenden Hände. „Als wir dann kleinere Gruppen zusammengestellt haben, hat es gut funktioniert.“ Auch im St. Vinzenz hat es einen Moment gedauert. „Doch nach anfänglicher Skepsis haben die Bewohnenden ein wunderbares Gedicht gezaubert – ganz ohne Hilfe“, sagt Alena Güthoff, Leitung des BuSD im St. Vinzenz. „Alle waren so stolz und glücklich über das gemeinsam erschaffene Werk.“
Herzenswünsche sponsert den Gewinn
Die Gedichte wurden als Social-Media-Videos veröffentlicht. Je nach Menge der Likes wurden den Häusern Punkte zugewiesen. Außerdem hat Michael Bonsack, Leiter des esn-Projekts Herzenswünsche, das eine Karaokemaschine für das Gewinnerhaus sponsert, Punkte vergeben. „Das Schreiben von Gedichten unter besonderen Vorgaben ist eine echte Herausforderung. Ich habe großen Respekt vor der Leistung“, sagt Bonsack.
Mit dem Gewinnergedicht ging die Karaokemaschine schließlich in das St. Vinzenz. „Wir haben auch schon gebührend gefeiert und die Karaokemaschine eingeweiht. Es war ein Abschluss voller Freude und Gemeinschaft.“ Nicht nur diese Woche der Herausforderung wird im St. Vinzenz nachhallen. Die Mitarbeitenden planen gerade eine „Hall of Fame“. Hier sollen auch die letzten Herausforderungen ausgestellt werden. „Die Bewohnenden haben dieses Jahr richtig mitgefiebert und immer wieder nach dem Stand gefragt“, so Güthoff. „Wir können die nächste Herausforderung gar nicht erwarten.“
Ein eigentümlicher Tag
Morgens steht der Dino auf
und der Tag nimmt seinen Lauf.
Frühstück ist für ihn ein Muss.
O je - er hat nur noch 'ne Nuss!
Jetzt zum Supermarkt schnell
laufen,
Müsli, Milch und Bonbons
kaufen.
Pult ein Goldstück aus dem
Schwein
und richtet sich den
Schnurrbart fein.
Kurz darauf wieder daheim
schaltet er den Fernseher ein.
Die Fernbedienung
klebt am Tisch,
weil Uhu ausgelaufen ist.
Ihm raucht der Kopf vor
„Stinkewut“.
Und nun kommt auch
noch Tochter Ruth!
Papas Laune stört sie sehr...
Es müssen Seifenblasen her!
Beide fangen an zu pusten
und vor Lachen gar zu husten.
Und die Moral von der
Geschicht':
„Schlechte Stimmung
lohnt sich nicht.“
Die beiden Bewohnerinnen des Senioren- und Pflegezentrums Bethanien feiern ihr Gedicht
„Unser Gedicht ist wirklich gut geworden“, erzählt Frau Ehlers. „Da waren wir richtig stolz.“
Text Lukas Dörfler // Foto: Andreas Rodemann
