Gemeinsam mehr erreichen

– Brücken schlagen –

In der esn (Evangelische Stiftung Neuerkerode) arbeiten über 3.700 Mitarbeitende an über 75 Standorten in mehr als 45 Berufsfeldern – und doch gibt es eine Sache, die eher selten vorkommt: dass ein Mitarbeitender in mehreren Gesellschaften gleichzeitig angestellt ist. Einer von ihnen ist Jakob Richter – bei der Wohnen und Betreuen hat er die Gesamtleitung Gesundheit und Pflege inne, für das Krankenhaus Marienstift ist er Abteilungsleiter des Integrierten Gesundheitsdienstes Neuerkerode. Zwei Arbeitgeber mit unterschiedlichen Strukturen – zerreibt es ihn da nicht manchmal? Ganz im Gegenteil! Denn beide Gesellschaften profitieren von der Zusammenarbeit – nicht zuletzt dank ihm.

Jakob Richter lacht in die Kamera. Er steht in einem Türrahmen

Mit gerade einmal Anfang 30...

hat Richter schon einige Stationen hinter sich: 2016 absolviert er die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am Bildungszentrum des Marienstifts in Braunschweig, wechselt dann als Pflegefachkraft in die Wohnen und Betreuen nach Neuerkrode. Bald wird er Fachkraft mit organisatorischer Verantwortung, bevor er schon mit 23 Jahren Wohnbereichsleiter wird. Außerdem macht er nebenbei einen Bachelor in Angewandte Pflegewissenschaften sowie einen Master im Sozialmanagement und nimmt am Stipendiatenprogramm der esn teil. Seit 2022 hat er die Gesamtleitung Pflege und Gesundheit der Wohnen und Betreuen inne, 2024 kommt die Abteilungsleitung des Integrierten Gesundheitsdienstes Neuerkerode des Marienstifts hinzu.

Netzwerker mit Herz und Niere

„Sozialisiert wurde ich im Krankenhaus Marienstift, beruflich erwachsen geworden bin ich in der Wohnen und Betreuen“, sagt Richter. „Das hilft mir, die Belange und Arbeitsweisen beider Seiten zu verstehen.“ Denn Krankenhaus und Eingliederungshilfe arbeiten mit und in unterschiedlichen Strukturen – und sie haben unterschiedliche Vorgesetzte, die verschiedene Prioritäten setzen. Steht Jakob Richter da nicht immer wieder zwischen den Stühlen? „Überhaupt nicht. Ich bin eher das Bindeglied zwischen beiden Gesellschaften“, sagt Richter. „Auch wenn die Sichtweisen unterschiedlich sind, haben wir bisher immer praxisorientierte Lösungen gefunden. Am Ende wollen wir ja dasselbe: die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Bürger:innen Neuerkerodes und unserer anderen Standorte sicherstellen.“ 

Damit all das funktioniert, sei gute Kommunikation entscheidend. „Ich bin wirklich Netzwerker mit Herz und Verstand. Ohne das wäre es schwierig“, erzählt er. Sein Büro befindet sich im zweiten Stock des alten Krankenhauses in Neuerkerode. Aus seinem Fenster hat er einen Blick über das inklusive Dorf, hat immer direkt vor Augen, für wen er das eigentlich macht. Neben den Besprechungen mit dem Team des Integrierten Gesundheitsdienstes Neuerkerode, in dessen Räumen er sitzt, fährt er mehrmals in der Woche ins Marienstift, ist in stetigem Austausch mit Chefärzt:innen und dem Team des Medizinischen Behandlungszentrums für Erwachsene mit Behinderung (MZEB).

Jakob Richter im Gespräch

Alle gewinnen

Eine Innovation, auf die Richter besonders stolz ist, sind die Gesundheitsnavigator:innen. „Sie arbeiten präventiv und gehen direkt in die Wohngruppen“, erzählt Richter. „Das ist nicht nur eine Entlastung für Bewohnende und Mitarbeitende, sondern stellt auch sicher, dass veränderte Bedarfe frühzeitig erkannt werden – und nicht erst ein Arzt hinzugezogen wird, wenn es eigentlich schon zu spät ist.“

Die enge Partnerschaft der Gesellschaften führe auch dazu, dass Menschen mit sehr hohem pflegerischem und medizinischem Bedarf mit einer hohen Lebensqualität in Neuerkerode leben können. „Durch die Zusammenarbeit haben wir in Neuerkerode eine gesundheitliche Versorgungsstruktur, die weit über den Durchschnitt anderer Einrichtungen hinausgeht“, sagt Richter. „Und die inklusive Medizin ist andererseits ein Alleinstellungsmerkmal des Krankenhauses Marienstift in unserer Region.“ 

Am Ende ist es eine Situation, von der alle Beteiligten profitieren – die Wohnen und Betreuen, das Krankenhaus Marienstift und die Neuerkeröder:innen und Patient:innen mit Behinderung im Krankenhaus Marienstift. Damit alles reibungslos abläuft, braucht es jemanden wie Jakob Richter, der in beiden Gesellschaften zuhause ist, für den Netzwerken keine lästige Pflicht, sondern Leidenschaft ist. „Ich bin davon überzeugt, dass das Mehrarbeitgebermodell nur Vorteile schafft“, sagt Richter. „Es hebt das Gemeinsame hervor. Und davon kann es nie genug geben.“

Jakob Richter hält buntes Konfetti in die Händen

Jakob Richter hat zuletzt gefeiert

dass das Praxissoftwaresystem im MZEB umgestellt wurde. Er sagt: „Das war eine große Herausforderung für alle Beteiligten – aber wir haben es gemeinsam geschafft.“

Text: Lukas Dörfler // Fotos: Andreas Rodemann

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