Ich weiß, wie es weitergeht

– Ausbildungsverbund –

Rund 30 Minuten pendelt Anna Kuntze ins Krankenhaus Marienstift. Zeit zum Ankommen, bevor ihr Dienst beginnt. An diesem Tag startet sie um 7:45 Uhr. Frühdienst in der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie. Für sie ist das nicht nur ein neuer Arbeitstag, sondern ein weiterer Schritt in Richtung ihres Ziels: Hausärztin zu werden. Dabei hat sie sich bewusst für ein neues Angebot in der Region Braunschweig entschieden und absolviert ihre Facharztweiterbildung im Rahmen des seit Anfang 2026 bestehenden Ausbildungsverbunds zwischen dem Krankenhaus Marienstift und der Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Wenden.

Anna Kuntze arbeitet im Marienstift

Ein klarer Weg in die Allgemeinmedizin

Dieses Modell gibt ihr vor allem Struktur und Sicherheit. Denn der Weg in die Allgemeinmedizin ist in der Regel mit viel Organisation verbunden. Die Weiterbildung umfasst mehrere vorgesehene Stationen, für die passende Stellen gefunden werden müssen. Ansprechpartner:innen wechseln und freie Plätze stehen nicht immer rechtzeitig zur Verfügung, was die Weiterbildungszeit im Einzelfall sogar verlängern kann. Für Kuntze ist das dank des Ausbildungsverbunds anders. Er verbindet den klinischen und ambulanten Teil zu einem durchgängigen Weiterbildungsweg. Rotationen und Ansprechpartner sind von Beginn an festgelegt. „Ich weiß genau, wie es weitergeht und wer mich auf den einzelnen Stationen begleitet“, betont sie. Diese Verlässlichkeit ist für sie der größte Vorteil, besonders in einer Zeit, in der noch vieles neu ist.

Die nächsten Schritte

Aktuell ist sie im ersten Jahr und absolviert den klinischen Teil ihrer fünfjährigen Facharztweiterbildung im Marienstift. Viele relevante Fachbereiche sind hier unter einem Dach gebündelt. So erhält sie einen breiten medizinischen Überblick, den sie später als Hausärztin braucht. Ihre erste Station ist die Innere Medizin, insgesamt für zwölf Monate. 

Im Flur steht sie neben einem mobilen Visitenwagen. Gemeinsam mit Chefarzt Dr. Stefan Sürig geht sie Patientendaten durch. Sie sammelt täglich neue Erfahrungen, genau das gefällt ihr: der erste Nachtdienst oder ein Röntgenbefund, den sie bisher noch nicht gesehen hat. Was sie besonders mag, ist die familiäre Atmosphäre. „Man kennt sich hier“, erzählt sie. „Wenn Kollegen anrufen, hat man sofort ein Gesicht vor Augen.“ In ihrem Arbeitsalltag stehen für sie vor allem körperliche Untersuchungen sowie Gespräche mit Patient:innen und Angehörigen im Mittelpunkt. „Mir ist wichtig, auf Augenhöhe mit ihnen zu kommunizieren, damit sie wirklich verstehen, worum es geht.“

Ärztin macht sich Notizen

Gut aufeinander abgestimmt

Nach ihrem Einsatz in der Inneren Medizin wird Kuntze weitere Stationen im Marienstift durchlaufen, etwa in der Chirurgie. Im vierten und fünften Jahr absolviert sie dann den ambulanten Teil ihrer Weiterbildung in der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Wenden, die sie bereits aus ihrem Praktischen Jahr des Medizinstudiums kennt. Dass Klinik- und Praxiszeit im Ausbildungsverbund gut aufeinander abgestimmt sind, hilft ihr beim Wechsel und schafft zugleich ein frühes Netzwerk, auf das sie später zurückgreifen kann.

Als Hausärztin wird sie für ihre Patient:innen erste Ansprechpartnerin sein und sie über längere Zeit begleiten – oft über Jahre. Genau das reizt sie. „Ich finde es schön, eine Vertrauensperson für meine Patienten zu werden.“ Wenn man Menschen über längere Zeit kennt, fallen Veränderungen früher auf und Symptome lassen sich besser einordnen. Neben Laborwerten und körperlicher Untersuchung spielen deshalb auch Erfahrung und Gespür eine Rolle. „Es ist ein bisschen wie bei Sherlock Holmes – man sucht überall nach Hinweisen“, vergleicht sie. Dabei muss man auf vieles vorbereitet sein und flexibel reagieren. „Man weiß nie, wer als Nächstes durch die Tür kommt“, sagt sie. „Das kann jemand mit einer leichten Erkältung sein oder auch ein versteckter Herzinfarkt – erst einmal ist alles möglich.“ Bis es so weit ist, weiß sie, wie es weitergeht.

 

“In vielen Regionen ist die hausärztliche Versorgung bereits heute angespannt. Mit dem neuen Angebot wollen wir dem entgegenwirken, indem wir die Facharztweiterbildung attraktiver gestalten und durch das entstehende Netzwerk auch dazu beitragen, dass junge Ärzte in der Region bleiben.”
 
Dr. Stefan Sürig, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und verantwortlich für den klinischen Teil der Weiterbildung

Anna Kuntze pustet buntes Konfetti aus den Händen in die Luft und lacht

Konfetti für:

“Jeden Tag erlebe ich etwas, worauf ich stolz bin, es gelernt zu haben. Ich feiere die vielen kleinen Meilensteine, die ich während meiner Ausbildung erreiche.”

Text: Sara Uhde // Fotos: Andreas Rodemann

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