Monika Wichmanns und Alfred Schlatters Gesichter stahlen, wenn sie durch das Album ihrer Hochzeit am 7. Juni 2024 blättern. „Ich muss jetzt mal die Hand von meinem Mann halten“, sagt Wichmann ganz berührt und drückt seine Hand.
Hände, die von ihren Eheringen geschmückt werden. „Die Ringe habe ich ausgesucht und extra für sie gespart“, berichtet Schlatter stolz. Auf einem Foto stehen sie auf der Treppe vor der Neuerkeröder Kirche, als sei sie eine Bühne: er im Anzug mit roter Fliege – ganz Gentleman –, sie in weißer Bluse mit dunkler Weste, dunklem Rock und einem Hut schräg auf dem Kopf, die Hand mit dem Blumenstrauß in die Luft gestreckt – wie ein Rockstar, der sich bejubeln lässt.
Beide lernen sich auf dem Neuerkeröder Sommerfest kennen. Aus ihrer Freundschaft wird eine Beziehung. An seinen Antrag erinnert Wichmann sich noch gut: „Alfred ist in die Knie gegangen und hat um meine Hand angehalten. Ich musste gar nicht überlegen und habe direkt Ja gesagt.“
Die Botschaft ist in Neuerkerode umso deutlicher
Wenn in Neuerkerode geheiratet wird, ist es Pfarrerin Marita Bleich, die den Segen gibt. Ungefähr zwei Hochzeiten gibt es hier im Jahr, mal sind es mehr, mal weniger. „Bei der Gestaltung des Gottesdienstes mache ich keinen Unterschied zu anderen Hochzeiten. Ich schaue mit dem Paar, was es sich wünscht“, sagt Bleich. Wenn möglich, formuliert sie die Traufrage mit den Paaren gemeinsam. Und statt Ringe werden sich auch mal Ketten getauscht, wenn ein Ringtausch motorisch nicht möglich ist.
Und doch sieht Marita Bleich klare Unterschiede zu Hochzeiten an anderen Orten. Dort seien sie heute oft riesige Events, mit mehreren Fotograf:innen, von Drohnen gefilmt und für Social Media aufbereitet, immer größer und größer. „Der Rahmen ist in Neuerkerode einfacher, aber die Botschaft umso deutlicher: Es geht um zwei Menschen, die zusammen ihr Leben gestalten wollen“, sagt Bleich. „Das finde ich ehrlicher als die Überlagerung durch andere Dinge.“
In Neuerkerode bedeutet eine gemeinsame Lebensgestaltung nicht unbedingt gemeinsames Wohnen. Je nach Bedürfnissen leben Ehepartner:innen auch in verschiedenen Wohngruppen – und sind sich trotzdem nah. So auch Monika Wichmann und Alfred Schlatter: Wichmann wohnte im Kastanienhof, ist nun aber in Sarona eingezogen. Im gleichen Gebäude lebt auch Schlatter – aber in einer anderen Wohngruppe. „Trotzdem sehen wir uns regelmäßig. Wir gehen zum Beispiel gerne Kaffee trinken“, erzählt Monika Wichmann. Auch wenn sie etwas getrennt machen, denken sie aneinander. „Er hat mir letztens ein Kuscheltier aus der Stadt mitgebracht und ich ihm ein Herz vom Weihnachtsmarkt“, erzählt sie. „Und als ich vor Kurzem krank war, hat Alfred mir eine Bratwurst und eine Cola vorbeigebracht.“ Außerdem hat Schlatter für Wichmann, die Asthma hat, mit dem Rauchen aufgehört. „Wir kümmern uns gut umeinander“, erzählt Schlatter.
Während Monika Wichmann und Alfred Schlatter in getrennten Wohngruppen leben, haben Kristina Huse und Erik Grothstück einen anderen Weg für sich gefunden: Sie haben ihre eigene Wohnung über einer Wohngruppe, in der Grothstück sein eigenes Zimmer hat, falls beide mal Zeit für sich brauchen. Das Paar hat sich im Neuerkeröder Ü30-Club kennengelernt. „Zuerst hatte ich zwei andere Favoriten als Partner und habe eine Pro-und-Contra-Liste gemacht, wer besser zu mir passt“, erzählt Huse. „Doch bei Erik habe ich keine Liste gebraucht. Da wusste ich: Der ist es!“ Den Antrag macht sie ihm in der Disco im Dorf. Sie erzählt: „Als wir dann auf einer Familienfeier unsere Verlobung verkündet haben, hatten alle Tränen in den Augen.“
„Der Tag war allererste Sahnebombe!“
Die Hochzeit findet im April 2024 statt. „Es waren so viele Leute da, über 60“, erinnert sich Erik Grothstück. „Und auf der Feier gab es einen großen Kuchen mit unseren Namen darauf.“ Und Kristina Huse fügt hinzu: „Der ganze Tag war allererste Sahnebombe!“ Sie verbringen viel Zeit miteinander, doch manchmal kommt es zu Streitigkeiten. Eifersucht, unterschiedliche Tagesabläufe, externe Einflüsse. Doch jede Unstimmigkeit ließ sich bisher klären, auch mithilfe des Teams Bildung und Beratung in Neuerkerode oder ihren Bezugsbetreuer:innen. „Auf und Abs gehören eben auch mal dazu“, weiß Huse. „Und am Ende können wir uns immer aufeinander verlassen. Das ist das Wichtigste.“
Eine Wertschätzung ihrer Beziehung
Für beide Paare ist ihre Hochzeit ein Tag, den sie in wunderschöner Erinnerung behalten, an den sie oft und gerne denken. Aber vor allem ist sie eine Wertschätzung ihrer Beziehung in einem offiziellen Rahmen – und der Beginn des Lebens als Ehepaar. „Wir haben uns das Versprechen gegeben, für immer zusammenzubleiben“, sagt Monika Wichmann strahlend. „Und ich bin mir sicher: Das werden wir.“
Text: Lukas Dörfler // Fotos: Andreas Rodemann und Unternehmenskommunikation esn

