Sommerfest für alle

– Sommerfest –

Noch ist das Gelände, auf dem gleich das Neuerkeröder Sommerfest stattfindet, verhältnisweise ruhig. Aussteller:innen bestücken ihre Stände, letzte Vorbereitungen werden getroffen. Auch bei Gerd Mielke geht es gleich los. Sein Outfit trägt er schon: Ein buntes Hemd, eine dunkle Weste und eine Schiebermütze machen aus Gerd Mielke Gerd den Gaukler. Gerade belädt er seinen alten Holzwagen mit allem, was er heute so braucht: zwei volle Koffer, Besen, Jonglierkegel, ein goldenes Metallmegafon und vieles mehr. Nachdem alles verstaut und befestigt ist, macht er sich auf den Weg zu seinem ersten Auftritt.

Gerd der Gaukler auf dem Sommerfest der esn

Auftritt in Wohngruppen

Doch anstatt sich in Richtung Dorfplatz oder Kastanienhof aufzumachen, wo gerade die ersten Gäste eintreffen, geht er zielstrebig in die entgegengesetzte Richtung. Er ist auf dem Weg in den Lindenplatz. Denn von seinen vier Auftritten ist heute nur einer auf dem Festgelände, die anderen drei finden in Wohngruppen statt.

Mielke studiert ursprünglich Diplom-Pädagogik. „Durch einen Zufall bin ich aber in den 80ern mit Jonglage in Berührung gekommen – und war sofort fasziniert“, erzählt er. Er übt verschiedene Nummern ein und tritt auf privaten Feiern auf. Sein erster Solo-Straßenauftritt ist 1984 im Münsterland. Als er auf einem Gauklerfestival im Finale auf der Bühne steht, bekommt er von den Profis viel Zuspruch. „Sie haben mir gesagt, ich jongliere zwar nicht wie ein junger Gott, sei aber charmant – und solle unbedingt dranbleiben.“ Diesen Rat befolgt er gerne: Er geht nach Brüssel, besucht hier jeweils ein Jahr eine Theater- und eine Zirkusschule. Aus Gerd Mielke wird immer öfter Gerd der Gaukler. 

Mielke lebt mittlerweile in der Nähe von Kassel. Über die Jahre hat er sein Programm immer wieder weiterentwickelt und verändert. Auch neue Charaktere hat er in sein Repertoire aufgenommen. So tritt er beispielsweise gemeinsam mit seiner Frau als Kluntje und Matjes in Senioreneinrichtungen und auf Kinderstationen von Kliniken auf. Doch neben all den Auftritten in Einrichtungen oder auf Festen sticht Neuerkerode für ihn immer besonders hervor. 

„Ich trete seit 1999 – abgesehen von Unterbrechungen durch Corona oder einmal wegen des Wetters – hier auf. Deshalb verbinde ich sehr viel mit diesem Ort“, erzählt Mielke. „Viele Leute treffe ich immer wieder, und das schon seit über 20 Jahren.“

Gerd der Gaukler auf dem Sommerfest der esn

„Dich kenne ich doch!“

Die Wohngruppen besucht Gerd der Gaukler erst seit einigen Jahren. Das Projekt wird unter dem Motto „Ein Stück Sommerfest für alle“ durch die von der Bürgerstiftung verwaltete Stiftung Monika Perschmann gesponsert. Es soll die Atmosphäre des Festes auch dahin bringen, wo nicht alle in der Lage sind, das Fest selbst zu besuchen. Mielke sagt: „Ich freue mich sehr darüber. Die Menschen in den Wohngruppen sind sehr unbefangen und geben oft alles. Manchmal brauchen sie aber auch einen Moment, um aufzutauen.“ 

An diesem Morgen führt ihn sein erster Auftritt in einen Innenhof, den sich mehrere Wohngruppen teilen. Während Gerd der Gaukler alles vorbereitet, suchen sich die ersten Bewohnenden schon die besten Plätze. „Dich kenne ich doch!“, ruft eine Bürgerin freudestrahlend, als sie ihn sieht. Dann geht es los: Gerd zeigt verschiedene Tricks mit Diabolo, Jonglage und einem „fliegenden Besen“. Die Bewohnenden feiern jeden Trick. „Wow! Einfach wow!“, jubelt eine der Jüngeren.

Dann können alle, die Lust haben, selbst mitmachen: Gerd der Gaukler balanciert drehende Teller auf Stäben und lässt sie auf Stäbe wandern, die die Bewohnenden halten. Manche halten sie alleine, andere bekommen Unterstützung – aber stolz sind sie alle. „Sebastian hat sich erst nicht getraut, den Teller zu balancieren“, berichtet Gerd. „Als es dann geklappt hat, hat er sich gefreut wie ein Schneekönig. Das sind Momente, die mir lange in Erinnerung bleiben.“ Immer, wenn Gerd der Gaukler fragt, ob noch ein Trick aufgeführt werden soll, ist ein lautes „Ja!“ zu hören. Aus seinem eigentlich für 30 Minuten angesetzten Auftritt wird fast eine Stunde – dann muss er weiter zu seinem Auftritt auf dem Kastanienhof. 

Eine Bürgerin hat die ganze Show im Lindenplatz mitgefilmt. „Das schicke ich meiner Mama!“, sagt sie strahlend. Der Auftritt wird ihr wohl lange in Erinnerung bleiben. Und Gerd dem Gaukler auch.

Gerd der Gaukler auf dem Sommerfest der esn wirft buntes Konfetti

"Ich feiere,

… so lange schon Teil des Neuerkeröder Sommerfestes zu sein. Das ist meine längste Serie an Auftritten und das finde ich ganz großartig."

Das Projekt wird unter dem Motto „Ein Stück Sommerfest für alle“ durch die von der Bürgerstiftung verwaltete Stiftung Monika Perschmann gesponsert.

Logo der Bürgerstiftung

Text: Lukas Dörfler // Fotos: Andreas Rodemann

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