Birgit Fuhrmann, Leitung der Tagespflege Goslar, denkt gemeinsam mit ihren Gästen über Zuversicht nach.
Zuversicht ist etwas, von dem wir uns alle mehr wünschen würden. Doch was genau ist eigentlich Zuversicht? Und wie bleiben wir, auch in schwierigen Zeiten, zuversichtlich? Und wie können wir sie verbreiten? Birgit Fuhrmann, Leitung der Tagespflege Goslar, Teil der Diakoniestationen Harz-Heide und somit der esn (Evangelische Stiftung Neuerkerode), wurde von der Kirchengemeinde Oker gebeten, sich zu dem Thema Gedanken zu machen. Dazu hat sie sich mit Gästen aus der Tagespflege zusammengesetzt und sich über Zuversicht ausgetauscht. Aus diesem Gespräch ist dieser Text entstanden.

„Was bedeutet es eigentlich, Zuversicht zu haben? Und wie können wir anderen Menschen Mut machen, wenn das Leben nicht immer leicht ist? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in meiner Arbeit als Leitungskraft in der Tagespflege der Diakoniestation Nordharz in der Rammelsberger Straße in Goslar. Hier begegnen sich erwachsene Menschen, die ganz unterschiedliche Lebensgeschichten mitbringen. Manche sind im Alter auf Unterstützung angewiesen, andere leben mit einer Krankheit oder erleben Einsamkeit. Jeder hat seine Sorgen, Erinnerungen und Wünsche.
Und doch gibt es in unserem Alltag immer wieder diese besonderen Momente, die uns zeigen, wieviel Freude und Zuversicht selbst in kleinen Dingen stecken können. Ein gemeinsames Frühstück, ein herzliches Lachen, ein vertrautes Lied oder ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee. Manchmal ist es ein Ausflug, das gemeinsame Gefühl, dazu zu gehören.
Es sind oft die unscheinbaren Augenblicke, die den Tag heller machen.
Ich wollte auch wissen, was unseren Gästen persönlich Freude bereitet, was ihnen Kraft gibt und was sie einem Menschen sagen würden, der gerade traurig ist. Die Antworten auf die Fragen sind einfach und zugleich wertvoll. Mal erinnert man sich an einen Menschen, der einem in einer schwierigen Zeit beigestanden hat. Es ist die Familie, der Glaube, die Natur oder die Freude an einer schönen Begegnung, die Kraft schenkt. Und manchmal ist es einfach der Wunsch, nicht allein zu sein und einen Menschen zu haben, der einem zugewandt ist.
Dabei wird mir immer wieder bewusst: Zuversicht bedeutet nicht, dass alles gut ist. Wer krank ist, einen geliebten Menschen verloren hat oder sich einsam fühlt, weiß, dass das Leben auch schwere Seiten hat. Zuversicht heißt nicht, Sorgen zu verdrängen oder immer fröhlich sein zu müssen. Es kann viel mehr bedeuten, trotz aller Schwierigkeiten noch etwas Schönes entdecken zu können. Einen neuen Morgen, ein freundliches Wort oder einen Menschen, der sich Zeit nimmt.

Gerade in unserer Tagespflege erleben wir, wie wichtig Gemeinschaft ist. Menschen, die sich zunächst fremd waren, kommen ins Gespräch. Sie lachen gemeinsam, helfen einander oder hören einfach nur zu. Manchmal tröstet man sich, manchmal genügt ein Scherz am Tisch, um die Stimmung positiv zu verändern. Und ein freundlicher Satz wie: ,Schön, dass Sie da sind. Sie sind herzlich willkommen‘ kann schon viel bewirken sagt mehr als viele Worte.
Es sind nicht nur die Mitarbeitenden, die unseren Gästen Zuversicht schenken. Auch die Gäste der Tagespflege geben viel an Zuversicht zurück. Mit ihrer Lebenserfahrung, ihrem Humor, ihrer Offenheit und ihrer ganz eigenen Sichtweise auf Dinge, bereichern sie unseren Alltag und zeigen uns, dass jeder Mensch etwas zu geben hat – unabhängig davon, wieviel Unterstützung er selbst benötigt.
Was kann ich heute tun, damit es einem anderen Menschen etwas besser geht?
Es muss nichts Großes sein. Ein aufmerksames Zuhören, ein ehrliches Lächeln, ein Anruf bei einem Menschen, der allein lebt. Wir müssen nicht immer die richtigen Worte finden. Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Für mich gehört dieser Gedanke auch zum christlichen Verständnis von Nächstenliebe. Einander wahrzunehmen, füreinander da zu sein und jedem Menschen mit Würde und Respekt zu begegnen. Vielleicht beginnt Zuversicht genau dort: wo Menschen einander begegnen, wo einer dem anderen etwas zutraut, wo gemeinsam gelacht wird und wo auch gemeinsam geschwiegen werden darf.
Wir können nicht jeden Tag für andere Menschen leicht machen. Aber wir können versuchen, ihn ein wenig heller werden zu lassen. Manchmal ist man selbst ein Stück Zuversicht für einen anderen Menschen, ohne es überhaupt zu bemerken!“
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