Wohngruppen-Mitarbeiterin Marie Gruß sitzt mit einer Bürgerin im Zimmer, etwas wühlt sie auf und das muss raus. Sie unterhalten sich in Ruhe, Marie geht auf sie ein und nach und nach lockert sich die Anspannung. Die nächsten Schritte können angegangen werden und sie verabreden sich für ein weiteres Gespräch. Im Kastanienweg, ihrer aktuellen Wohngruppe, gibt es immer mal wieder Redebedarf, müssen Situationen und Erlebtes besprochen und verarbeitet werden

Marie Gruß unterstützt die Bürger:innen dabei. „Es gibt in den Wohngruppen ganz unterschiedliche psychiatrische Anforderungen – zum Beispiel Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Traumafolgestörungen. Und es ist so, dass statistisch gesehen Menschen mit Behinderung eine höhere Tendenz für psychische Erkrankungen haben“, erklärt Marie Gruß.
Seit 2013 arbeitet sie in der Eingliederungshilfe, hat zunächst eine Ausbildung in der Fachschule für Heilerziehungspflege in Neuerkerode absolviert und ist seitdem in der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen (WuB) tätig. Ihren Start hat sie in den Intensiv-Wohngruppen gemacht, in denen psychische Erkrankungen eine größere Rolle spielen. Das Thema hat sie stets begleitet und ist ihr wichtig: Deshalb studiert sie mittlerweile mit Unterstützung ihrer Führungskräfte sowie der Wohnen und Betreuen psychiatrische Pflege. „Da erhalte ich viel Rückhalt und Zuspruch – das freut mich sehr“, berichtet Marie Gruß.
Mentale Gesundheit ist ein wichtiger Pfeiler
Zurück im Kastanienweg: In der Wohngruppe, in der vornehmlich Frauen leben, hat sich bereits eingespielt, die Dinge anzusprechen und – sofern möglich – untereinander Lösungen zu finden. „Die Bürgerinnen sind sehr aufmerksam, unterstützen sich und klären Vieles untereinander – das finde ich klasse“, so Gruß. Und wenn weitergehende Hilfe benötigt wird, ist sie da. „Ich merke, dass die Regelwohngruppen ebenfalls Bedarfe im Bereich “Mentale Gesundheit” und psychiatrische Pflege haben. Hier im Kastanienweg sind die Arbeitsanforderungen allerdings so, dass ich diesem Thema noch einmal mit einem anderen Fokus begegnen kann.“ Als Fachkraft mit organisatorischer Verantwortung sei es ihr daher auch wichtig, dieses Thema bei den Kostenträgern anzubringen sowie Netzwerkarbeit zu leisten. Vieles besprechen sie gemeinsam im Team, um das Wohlbefinden der Bürgerinnen zu steigern. “Alle sind total engagiert und wir sind uns immer schnell einig, wie das weitere Vorgehen sein soll”, gebt sie hervor.
Und bei allen Herausforderungen des Alltags gibt es eben auch diese Tage, an denen sie in der Wohngruppe gemeinsam entspannen und das Wohlbefinden fördern. „Dann sitzen wir zusammen im Wohnzimmer und jeder macht etwas für sich. Die einen malen, die anderen schreiben eine Einkaufsliste und wieder andere singen darauf los und vergessen die Zeit und Probleme – das sorgt für Entspannung und ist einfach schön“, erzählt Marie Gruß.


“Mein Arbeitgeber hat mich sehr dabei unterstützt, dass ich psychiatrische Pflege studieren kann. Für mein Vorhaben habe ich zudem viel Rückhalt und Zuspruch von meinen Führungskräften erhalten – das freut mich sehr”
Marie Gruß, Wohngruppenmitarbeiterin im Kastanienweg im inklusiven Dorf Neuerkerode
