Neben den Einzelbegleitungen bietet Brigitte Hube auch Entspannungs- und Yoga-Kurse für die DIAPP-Klient:innen an. So kann sie ihre persönlichen Interessen und Fähigkeiten kreativ einbringen.
Frühlingssonne fällt durch die Fenster der Brunsviga auf die Leute, die auf Yogamatten verteilt auf dem Boden liegen. „Spannt eure Arme mit dem Einatmen an, und lasst sie mit dem Ausatmen wieder locker auf den Boden sinken“, leitet Brigitte Hube die Teilnehmenden des Yoga-Kurses an. Alle sind ganz bei sich, entspannt und gleichzeitig fokussiert. Dieser Zustand ist keine Selbstverständlichkeit für sie. Normalerweise erdrücken ihre Gedanken sie, Ängste, Zwänge und psychische Belastungen lassen sie selten zur Ruhe kommen. Bei den Kursteilnehmenden handelt es sich um Klient:innen der DIAPP, des diakonischen ambulanten psychiatrischen Pflegedienstes, die Teil der Diakoniestationen Harz-Heide und somit der esn (Evangelische Stiftung Neuerkerode) ist.

Wenn die Seele aus eigener Kraft nicht mehr aus einem Tief herausfindet, braucht es Menschen, die da sind, zuhören und begleiten. Genau hier setzt die Arbeit der DIAPP an. Mitarbeitende wie Brigitte Hube unterstützen Menschen mit seelischen Erkrankungen dabei, Schritt für Schritt wieder mehr Stabilität in ihren Alltag zu bringen. Ziel der Begleitung ist es, gemeinsam mit den Klient:innen ein solides Gerüst aufzubauen – eines, das auch in Krisenzeiten trägt. Im vertrauten Umfeld entdecken und stärken sie Fähigkeiten, die helfen, psychisch belastende Phasen zu überwinden und den Alltag wieder selbstständiger zu bewältigen. „Es geht darum, Ressourcen sichtbar zu machen und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zurückzugewinnen“, beschreibt Hube ihre Arbeit.
Neben der individuellen Begleitung der Klient:innen hat sie vor rund vier Jahren ein zusätzliches Angebot ins Leben gerufen: eine wöchentliche Entspannungsgruppe. Damit ist sie direkt auf die Bedarfe der Klient:innen eingegangen: Viele kommen gerade aus Kliniken, in denen Entspannungsangebote selbstverständlich zum Alltag gehören. Mit der Entlassung fallen diese dann plötzlich weg – obwohl sie ihnen guttun und Halt geben. Hube sagt:
„Diese Lücke fülle ich.“
Jede Einheit der Entspannungsrunde beginnt mit einer Atemübung. Danach ist das Programm bewusst abwechslungsreich: Elemente aus dem Qigong, progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Übungen mit Bällen haben im Wechsel ihren Platz. „Ich schaue immer, was die Gruppe gerade braucht“, erklärt sie. Entspannung soll hier nicht starr sein, sondern sich am aktuellen Befinden der Teilnehmenden orientieren.
Mittlerweile ergänzt ein wöchentliches Yogaangebot das Programm. Auch hier spielen Atem und sanfte Entspannung eine zentrale Rolle. Brigitte Hube bringt eine Fortbildung im Bereich der körperorientierten Traumaarbeit mit, in der viel mit Yoga gearbeitet wurde. Die Übungen wählt sie gezielt aus – angepasst an unterschiedliche Krankheitsbilder. Für Menschen mit Depressionen eignen sich beispielsweise Bodenübungen oder wechselnd Anspannen und Entspannen der Muskeln. Dies helfe dabei, loszulassen und zur Ruhe zu kommen. Sie erklärt:
„Viele haben Schwierigkeiten, sich selbst und ihren Körper zu spüren. Yoga kann dabei helfen, wieder in Kontakt mit sich zu kommen.“
Dass diese Angebote nachhaltig wirken, hat sich ihr erst vor Kurzem noch einmal gezeigt. „Ich bin zufällig einem ehemaligen Klienten über den Weg gelaufen. Er hat mir erzählt, dass er auch Jahre nach der Teilnahme noch regelmäßig die Wechselatmung praktiziert – einfach, weil sie ihm hilft, runterzukommen.“ Momente wie diese bestärken Brigitte Hube in ihrer Arbeit.
Neben der körperlichen und geistigen Entspannung spielt auch der soziale Aspekt eine große Rolle. In den Gruppen erleben die Teilnehmenden Gemeinschaft, knüpfen Kontakte und merken: Ich bin nicht allein. Die Kurse finden in den hellen, freundlichen Räumen der Brunsviga statt – ein Ort, der Ruhe und Offenheit ausstrahlt.
Kürzlich hat Hube ihr Angebot um einen Programmpunkt erweitert: Hinzugekommen ist das Waldbaden, das alle zwei bis drei Wochen angeboten wird. In kleinen Gruppen geht es zunächst schweigend durch den Wald, gefolgt von Atemübungen im Grünen. Kleine Kärtchen mit Achtsamkeitsaufgaben laden dazu ein, wahrzunehmen, zuzuhören, zu fühlen. Anschließend werden die Eindrücke gemeinsam geteilt – ganz ohne Druck. Sie sagt:
„Es geht um Achtsamkeit und Wahrnehmung. Und darum, wieder bei sich anzukommen.“
Dass sie Menschen mit ihrer Arbeit für die DIAPP bei ihrem Weg helfen kann, erfüllt Brigitte Hube. Ob in den Einzelterminen oder in ihren Gruppen: Dass sie Menschen mit ihrer Arbeit für die DIAPP bei ihrem Weg helfen kann, erfüllt Brigitte Hube. Sie sagt: „Meine persönlichen Fähigkeiten und Interessen beruflich einzubringen, empfinge ich als Privileg. Ich liebe einfach, was ich mache.“
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