Die Arbeit in der Heilpädagogischen Intensivbetreuung (HPI) ist manchmal wie der Seegang am Meer. Es gibt Tage, die laufen glatt und ruhig, andere Tage schlagen ein paar Wellen und flauen wieder ab und in seltenen Fällen sind die leichten Wellen Vorboten eines größeren Sturms. Bei all dem ist Daniel Boeken, der dort als Hilfskraft tätig ist, so etwas wie der Fels in der Brandung.
In schwierigen Situationen bietet er den Bürger:innen Sicherheit und strahlt die Ruhe aus, die notwendig ist, um den eigenen oder den Sturm der Mitbewohner:innen zu überstehen. Und selbst im Orkan bringt er die notwendige Standfestigkeit mit, um die Krise zu überwinden. „Unsere Wohngruppe ist intensiv – im wahrsten Sinne. Viele haben traumatische Erfahrungen hinter sich. Hier geht’s erst mal darum, Sicherheit zu geben. Stabilität. Ein Umfeld, in dem jemand wieder Vertrauen fassen kann”, erklärt er. Ganz wichtig sei es für ihn und seine Kolleg:innen daher, den Menschen mit viel Herz, Mitgefühl und Respekt zu begegnen. Neben Statur hat Daniel Boeken noch eins - Stimme. Die zeichnet sich durch ihren sonoren, beruhigenden Klang aus. In dem Setting der HPI, in der die Kommunikation auf vielen Ebenen stattfindet, unterstützt das die Verständigung ungemein.
Für die Arbeit braucht man: Herz!
Seit zwei Jahren ist er nun ein Teil des sehr eng zusammenarbeitenden Teams der Heilpädagogischen Intensivwohngruppe. Ein wichtiger Aspekt, weil Verlässlichkeit und Vertrauen hier eine notwendige Basis sind. Insbesondere die Übergaben müssen sehr sorgfältig erfolgen, jeder muss entsprechend informiert sein. Das helfe Stimmungen der Bürger:innen besser einzuordnen oder in bestimmten Situationen die richtige Ansprache zu finden. Dennoch seien die Verhaltensweisen manchmal schwer zu verstehen. „Da hilft uns die psychoanalytische Sichtweise: Warum reagiert jemand so? Was steckt dahinter?” Wenn man das im Kopf behalte, kann man die Menschen viel besser begleiten. Und wenn mal ein Sturm aufzieht, dann brauche es auch Standfestigkeit. „In Krisen muss ich stabil bleiben. Nicht laut werden, nicht hektisch. Ruhe ausstrahlen. Und es braucht eben einen weichen Kern für den Job hier und ein hohes Maß an Sensibilität.”


Die Erlebnisse und Eindrücke seien intensiv, weil die stetige Zusammenarbeit zwar Zeit benötige, aber selbst kleine Erfolge einen ungeheuren Effekt auf den Menschen und die Beziehungsarbeit haben. Wie am Meer nähern sich die Wellen stetig dem Festland an und können nach und nach auch mal einen gestandenen Fels ins Wanken bringen. „Was ich an der HPI liebe? Diese kleinen, echten Momente. Wenn jemand, der sonst kaum Nähe zulässt, dir plötzlich vertraut. Wenn du merkst, da passiert was. Da heilt was. Das ist was ganz Besonderes.”
„Diese kleinen, echten Momente. Wenn jemand, der sonst kaum Nähe zulässt, dir plötzlich vertraut. Wenn du merkst, da passiert was. Da heilt was. Das ist was ganz Besonderes.”
Daniel Boeken, Hilfskraft in der HPI der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen
