Symbolbild

Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende: Raum für Erinnerung und Trauer

Am 21. Juli erinnert der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende an Menschen, die infolge ihres Drogenkonsums verstorben sind. Auch im Tagestreff Café Clara in Wolfenbüttel, einer Einrichtung der Lukas-Werk Gesundheitsdienste, steht dieser Tag im Zeichen der Trauer und des Erinnerns: Nicht an die Suchterkrankung, sondern an die Menschen dahinter.

Für viele Besucher:innen des Tagestreffs Café Clara hat dieser Tag eine besonderer Bedeutung. „Vielen unserer Klientinnen und Klienten geht dieser Tag sehr nahe, weil nahezu alle von ihnen Menschen verloren haben, die sie über Jahre begleitet haben – Freunde, Partner oder Weggefährten. Manche mussten solche Verluste schon mehrfach erleben", erzählt Elmar Grüneich, Sozialarbeiter im Café Clara. Im oft herausfordernden Alltag bleibe dafür nur selten Raum.

“Der Gedenktag gibt ihnen die Möglichkeit, sich bewusst an diese Menschen zu erinnern, und zwar nicht an ihre Suchterkrankung, sondern an den Menschen dahinter”


Elmar Grüneich

Trauer braucht Raum

Trauer ist ein Teil des Lebens, unabhängig davon, ob jemand eine Suchterkrankung hat oder nicht. Dennoch erleben viele Menschen mit einer Suchterkrankung, dass mit ihrer Trauer anders umgegangen wird.

„Viele unserer Klientinnen und Klienten erleben, dass ihre Trauer kaum wahr- oder ernst genommen wird. Deshalb ist es wichtig, Orte zu schaffen, an denen sie ihre Gefühle zeigen können, ohne bewertet zu werden. Trauer braucht Zeit, braucht Menschen, die zuhören, und einen würdigen Rahmen. Das kann helfen, Verluste zu verarbeiten, und gibt einem das Gefühl, nicht allein damit zu sein“, sagt Grüneich.

Ein Zeichen gegen Stigmatisierung

Das diesjährige Motto „VERÄNDERN, UM LEBEN ZU RETTEN!“ unterstreicht, dass Erinnerung allein nicht ausreicht. Es braucht Veränderungen, damit Menschen mit einer Suchterkrankung frühzeitig Unterstützung erhalten und Vorurteile abgebaut werden.

Für Elmar Grüneich macht der Gedenktag vor allem eines deutlich: Hinter jedem Drogentodesfall steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit persönlichen Erfahrungen, Beziehungen und Lebenswegen. „Viel zu oft werden Menschen mit einer Suchterkrankung auf ihren Konsum reduziert. Der Gedenktag erinnert daran, dass sie genauso Würde tragen und Mitgefühl verdienen wie jeder andere Mensch auch“.

Für die Zukunft wünscht sich Grüneich vor allem einen offeneren gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Sucht und dass Menschen mit einer Suchterkrankung frühzeitig Unterstützung erhalten.„Niemand entscheidet sich bewusst für eine Suchterkrankung. Umso wichtiger ist es, dass Hilfsangebote leicht erreichbar sind und Betroffene ohne Vorurteile aufgenommen werden. 
Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft offener über Sucht sprechen – weniger mit erhobenem Zeigefinger und mehr mit Verständnis. Das hilft nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen und letztlich uns allen.“

 

Gemeinsam erinnern

Anlässlich des Gedenktags finden auch in diesem Jahr in unseren Tagestreffs gemeinsame Gedenkveranstaltungen statt.

Im Café Clara in Wolfenbüttel findet ab 10 Uhr ein gemeinsames Gedenken mit einem Gottesdienst, Musik, Andacht, Kerzen und einem symbolischen Erinnerungsritual statt. Der Weg zur Kirche wird mit Kreide-Schmetterlingen gestaltet. Der Schmetterling ist das Symbol des Gedenktags und steht für Erinnerung und die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen. Im Anschluss gibt es beim gemeinsamen Grillen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen zu teilen und den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Auch im Kontaktcafé Ankerpunkt in Peine wird gemeinsam an verstorbene Freundinnen und Freunde, Bekannte und Familienangehörige erinnert. Gemeinsam mit der jes-Peine sind verschiedene Aktionen der Erinnerung sowie die Installation einer „Gedenkstelle“ im Hof geplant. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr.

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