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Mit Virtual Reality die Lebensqualität steigern

In Bethanien in Braunschweig tauchen Senior:innen in neue Welten ein – und fördern dabei ganz nebenbei Körper und Geist. Das Projekt zeigt, wie digitale Spiele die Lebensqualität im Alter nachhaltig verbessern könnten.

Mit über 80 Jahren wieder Federball spielen, Objekte mit einem Schwert zerschlagen und kurz darauf im Meer Fische fotografieren – und all das innerhalb weniger Minuten, ohne die gewohnte Umgebung zu verlassen? Kein Problem – zumindest nicht, wenn man digital unterwegs ist. Für Brigitte Wirth und Regina Hermudt aus dem Braunschweiger Senioren- und Pflegezentrum Bethanien ist es das erste Mal, dass sie mit VR-Brillen und Controllern ausgestattet in virtuelle Welten reisen. „So tolle Farben! Das ist mal was ganz anderes und macht richtig Spaß“, beschreibt Brigitte Wirth ihre Erfahrung. Dabei steht der Spaß an diesem Tag nicht im Vordergrund. Das Team von VRalive, dass die beiden 85-Jährigen in die VR-Spiele einweist, ist in erster Linie zu Forschungszwecken hier. Das Ziel: Die Lebensqualität von Senior:innen mithilfe von Virtual Reality spürbar erhöhen.

Eine Seniorin testet ein Virtual-Reality-Spiel.

Schon vor rund drei Jahren waren die VirtuaLounge und Psycholog:innen der TU Braunschweig mit dem Projekt VRalive in Bethanien und im Haus St. Vinzenz sowie anderen Einrichtungen der Region unterwegs, um die Software in der Praxis zu testen. Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass die VRalive als Gesellschaft gegründet wurde. Das Start-Up wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstützt. Ziel ist es, ein System zu entwickeln, dass sich ohne viel Aufwand in den Pflegealltag integrieren lässt und Mehrwert für alle bringt.

„Die Spiele sind so aufgebaut, dass körperliche und kognitive Fähigkeiten gefördert und erhalten bleiben“, erklärt Co-Founder Matthias Hüttmann, der die Senior:innen an diesem Tag mit seinen Kolleg:innen Frederik Wockenfuß und Jennifer Brylka in die Programme einweist. So geht es bei einem Spiel, in dem Gegenstände in einem Haus gefunden werden müssen, um die Schärfung des Gedächtnisses. Beim Federball steht die körperliche Bewegung im Vordergrund. Spiele wie die Schwertkunst, in denen Gegenstände erkannt und dann zerschlagen werden müssen, kombinieren beide Elemente. Außerdem gibt es mit virtuellen Reisen die Möglichkeit, Ausflüge zu unternehmen, zu denen viele körperlich nicht mehr in der Lage wären. Hüttmann erklärt: „So können die Teilnehmenden möglichst lange aktiv bleiben und ihre Selbstständigkeit wird gefördert. Davon profitieren nicht nur sie selbst und ihre Pflegekräfte, sondern letztendlich die ganze Gesellschaft.“

„Die Spiele sind so aufgebaut, dass körperliche und kognitive Fähigkeiten gefördert und erhalten bleiben.“


Matthias Hüttmann, Co-Founder VRalive

Damit das Tool später auch viel und oft genutzt wird, soll es sich ideal in den Pflegealltag integrieren lassen. Ambulante Pflegedienste könnten es beispielsweise nutzen, um die Senior:innen fit zu halten, während sie anderen Tätigkeiten nachgehen, und so Zeit sparen, die am Ende dem Zwischenmenschlichen zugutekommt.

Um das zu erreichen, verbessern die Programmierer:innen die Software stetig. Während die Senior:innen spielen, verfolgen sie das virtuelle Geschehen über einen Bildschirm. Hüttmann sagt: „Im Anschluss führen wir Gespräche mit den Teilnehmenden. Wie hat ihnen das Spiel gefallen? War es verständlich? Wurde es als zu schwer empfunden? Auf Grundlage der Ergebnisse passen wir die Spiele an.“

Eine Seniorin testet die Software von VRalive.

Den Senior:innen soll der Umgang leichtfallen. Sie, die nicht mit digitaler Technik aufgewachsen sind, sollen sich intuitiv mit der Bedienung zurechtfinden. Das ist dem VRalive-Team bisher offensichtlich gelungen: Die beiden Bewohnerinnen des Bethanien haben sichtlich Spaß, versinken regelrecht in den virtuellen Welten. Dass sie dabei ihrem Geist und Körper etwas Gutes tun, ist für sie ein schöner Nebeneffekt. „Ein bisschen anstrengend war das Federballspielen schon, auch sich alles zu merken, war nicht immer einfach“, sagt Brigitte Wirth. „Aber alles ist so neu, die Farben so intensiv – ich würde gerne sofort weitermachen.“

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