Zwischen Safe Place und Shitstorm
17.05.2023 Zwischen Safe Place und Shitstorm Die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) der Mehrwerk in Rautheim ist ein bunter Kosmos mit Beschäftigten verschiedener Nationalitäten, Altersgruppen und verschiedenen Geschlechts sowie Möglichkeiten zur beruflichen Entfaltung. Sie ist Anlauf- und Ausgangspunkt für Arbeit, Qualifikation und Bildung oder die Vorbereitung für eine sozialversicherungspflichtige Anstellung. Und sie ist noch sehr viel mehr. Für die Beschäftigte Vivien Althoff ist die Werkstatt ein Ort, der ihr Sicherheit gibt. Da ist zum einen das durch Arbeit und Lernen erhaltene Selbstvertrauen, das sich die 27-Jährige in ihrem Arbeitsbereich – seit Kurzem ist sie in der der Wäscheabteilung tätig – erarbeitet hat. Zum anderen biete ihr die Werkstatt ein psychologisches, emotionales Schutznetz aus Fachanleitern, psychologischen Betreuungskräften und Mitbeschäftigten, die ihr ein offenes Ohr schenken, sie beraten oder einfach Mut zusprechen, wenn es mal – fernab der Arbeit – im privaten Umfeld hakt. Vivien Althoff bekräftigt: "Das ist der richtige Ort für mich, an dem ich mich wohlfühle und an dem es Menschen gibt, die mich auffangen." Denn die Werkstätten mit ihren aktuellen Kosten- und Preisstrukturen sind dazu nicht in der Lage“, gibt der Werkstattleiter zu bedenken. Kritisch in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass bei Zahlung von Mindestlohn eventuell Leistungen für die Beschäftigten gestrichen würden, die aktuell abgedeckt sind. „Ein wirklich komplexes Thema, das in den kommenden Wochen und Monaten noch für viel Gesprächsstoff sorgen wird“, ist Maximilian Pink sicher. Ziel der Mehrwerk sei es, für jeden Beschäftigten den jeweils wirklich passenden Arbeitsplatz vorzuhalten – in der Werkstatt, im Rahmen eines Praktikums oder Außenarbeitsplatzes bei Partnerunternehmen oder „im Optimalfall nach ausreichender Planung natürlich auch auf dem ersten Arbeitsmarkt.“ Text: Thomas Pöllmann // Foto: Bernhard Janitschke Zur Inhaltsübersicht Über die Werkstätten für Menschen mit Behinderung Die Abteilung Bildung und Arbeit bietet als inklusive Bildungseinrichtung mit verschiedenen Standorten Menschen die Möglichkeit, sich in einem individuellen Aufgabenbereich auszuprobieren und mithilfe unseres gesamten Teams alle nötigen Kompetenzen zu erlernen. Mehr Infos
Zu der SeiteAmbulantes Suchthilfe-Wohnprojekt in Salzgitter-Hallendorf gesichert
10.05.2023 Ambulantes Suchthilfe-Wohnprojekt in Salzgitter-Hallendorf gesichert Verlängerung der Kooperation zwischen Lukas-Werk und der TAG Immobilien ermöglicht Fortbestand eines besonderen Angebotes. Große Freude bei der Fachambulanz Wolfenbüttel der Lukas-Werk Gesundheitsdienste GmbH. Nach der Sanierung eines Mehrfamilienhauses mit insgesamt fünf Wohnungen durch die TAG Immobilien werden dort auch künftig Klienten der Fachambulanz Wolfenbüttel leben und von einem besonderen Angebot im Bereich „Assistenz beim Wohnen“ profitieren. Dafür haben die Fachambulanz Wolfenbüttel und die TAG Immobilien eine Kooperationsvereinbarung verlängert und damit den Fortbestand des ambulanten Wohnprojektes in Salzgitter-Hallendorf für die nächsten fünf Jahre gesichert. In dem Wohnhaus leben derzeit fünf Klienten in eigenen Wohnungen. „Diese werden im Rahmen der Assistenz beim Wohnen durch das Lukas-Werk regelmäßig besucht und betreut“, erläutert Jessica Konik, Leiterin der Fachambulanz Wolfenbüttel. Neben den Wohnungen stellt die TAG Immobilien dem Lukas Werk auch ein Büro in dem Gebäude zur Verfügung. „Dort ist regelmäßig eine Sozialarbeiterin vor Ort. Von dieser Nähe und Präsenz profitieren die Klienten, weil sie auch bei kurzfristigen Problemlagen oder Fragen einen Ansprechpartner vor Ort haben.“ Hintergrundinformationen Das Projekt der ambulanten Suchthilfe gibt es bereits seit sechs Jahren. Die Kooperationsvereinbarung mit der TAG Wohnen in Salzgitter gilt nun bis zum 31. Mai 2028. „Wir freuen uns, mit dieser Kooperationsverlängerung auch zur Entstigmatisierung von Menschen mit Suchterkrankungen beitragen zu können“, sagt Henrik Kreime, TAG-Chef in Salzgitter. Auch Claudia Hoyer, Vorstand der TAG Immobilien AG ist zuversichtlich, dass sich durch die Verlängerung der Vereinbarung die Klienten in der Einrichtung auch weiterhin in das Dorfleben von Hallendorf integrieren können.
Zu der SeiteUpcyclingprojekt: Ideen auf Schritt und Tritt
10.05.2023 Mit Teilnehmenden Ideen entwickeln und umsetzen In ihrer Arbeit im Berufsbildungsbereich lernen Teilnehmende Werkzeug- und Materialkunde sowie die effiziente Nutzung von Materialien. Beraten und geleitet werden sie von den Upcycling-Experten und WfbM-Bildungsbegleitern Mark Napieralski und Helge Kniese. Zusammen mit den Teilnehmenden führen sie vermeintlich ausgedientes Material einer neuen Bestimmung zu. Da wird ein alter Besteckkasten zum neuen Werkzeugkoffer, ausrangierte Öl-Fässer zu Sitzgelegenheiten oder ausgemusterte Werbeplanen zu Taschen. Die neueste Umsetzung ist das Schredder-Fahrrad, eine skurrile Kombination aus Trimmdich-Bike und Papierzerkleinerer,der mit Pedalkraft angetrieben wird. „Wir haben schon länger daran gearbeitet, aber es hat immer mal wieder an der Übersetzung gehakt. Jetzt ist es vollendet“, fasst Napieralski den Schaffensweg zusammen. Den Sockel für das „Fahrrad“ und die Halterung des Schredders haben die Teilnehmenden im Berufsbildungsbereich der Abteilung Bildung und Arbeit entwickelt und zusammengesetzt. „Wir versuchen unsere Projekte so aufzubauen, dass wir nur einen Teil der Arbeiten übernehmen, etwa die Konzeption sowie Arbeiten die Fach- und Gerätekenntnis erfordern. Die Aufbereitung einzelner Bauelemente mit bedienleichten Werkzeugen steuern die Teilnehmenden bei“, erklären Kniese und Napieralski. Und schon fällt die nächste umgesetzte Idee ins Auge: auf dem Rasen des Außengeländes dreht sich ein Rad im Wind. „Wir haben eine Schleifmaschine entwickelt, die aus Restmaterialien unserer Werkstatt zusammengesetzt wurde und die mittels Windkraft Glasscherben und Holzstücke für unsere Dekoprodukte schleift. Auf die sehr anstrengenden Handarbeiten hat kaum einer Lust, deshalb haben wir sie kurzerhand outgesourct“, erklärt Kniese und lacht.
Zu der SeiteInteressante Einblicke ins inklusive Dorf erhalten
09.05.2023 Gemeinsam im Gespräch über Tagesförderung, Wohnformen und Versorgungsnetzwerk Lehrkräfte und Schulleiter der Maria-Montessori-Schule Salzgitter waren gestern zu Besuch, um Einblicke in das Dorf Neuerkerode und die Arbeit der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH (WuB) zu erhalten. Bei strahlendem Sonnenschein ging es auf einen Dorfrundgang entlang der Häuser und Tagesförderangebote. Beim Besuch der Tagesförderung zeigte Melissa Hennecke (Begleitender Dienst/Tagesförderung) die vielfältigen Produkte sowie die Gruppenräume, in denen diese entstehen. In der Kaffee und Kuchen-Pause vertieften Christian Vaterodt (Bereichsleitung Bildung, Freizeit und Kultur) sowie Jane Rinne (Referentin Geschäftsführung und Vertrieb) die unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsangebote der WuB und stellten das Versorgungsnetzwerk der Evangelischen Stiftung Neuerkerode vor. Abschließend machten sich die Lehrkräfte und Schuleiter auf den Weg in ausgewählte Wohngruppen, um sich ein Bild vom Leben im Dorf zu machen.
Zu der SeiteIch bin jetzt hier
17.05.2023 Ich bin jetzt hier Es gibt diese typischen Sätze, die Melanie Wedler immer wieder von Bekannten hört, wenn es um ihren Job geht: „Toll, dass du diese Arbeit machst. Aber ich könnte es nicht.“ Das findet Wedler schade. Sie sagt: „Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu. Er sollte kein Tabu sein.“ Die spezialisierte ambulante palliative Versorgung (SAPV) versorgt Menschen, die unheilbar krank sind. Wedler ist ausgebildete Altenpflegerin, hat eine Palliativausbildung gemacht und arbeitet bei der SAPV. „Ich wollte Sterbenden etwas von ihrer Angst und von ihrem Leid nehmen“, erklärt sie ihre Beweggründe. „Schließlich will ich selbst auch einmal ohne Angst sterben.“ Die SAPV ermöglicht unheilbar kranken Menschen ein eben in ihrer vertrauten Umgebung – trotz Problemen wie teilweise schwer therapierbaren Schmerzen oder Angst- und Panikzuständen. Melanie Wedler begleitet sie auf ihrem letzten, oft nicht leichten Weg, ermöglicht ihnen Lebensqualität und Selbstbestimmung. „Es ist einfach die beste Arbeit, die es gibt“, betont sie. „Die zwei wichtigsten Stellen im Leben eines Menschen sind die Geburt und der Tod. Und an Letzterer darf ich unterstützen.“ 24 Stunden am Tag Der Arbeitstag beginnt mit einer Besprechung. Im Team der SAPV der Diakoniestationen Harz-Heide sind sieben Mitarbeitende, die rund 60 Menschen versorgen. Die SAPV ist 24 Stunden am Tag für die Patienten erreichbar. Da sind gute Absprachen wichtig. Wer hat welche Medikamente bekommen? Wessen Zustand hat sich verbessert oder verschlechtert? Wer hat Angst vor dem Sterben? Wer nicht? Brauchen die Angehörigen Unterstützung? Es sind Dinge, die sich innerhalb weniger Stunden ändern können. Trotz der schwierigen Themen ist die Stimmung im Team gut, es wird viel gelacht. „Ohne Humor kann man diesen Job nicht machen“, sagt Wedler. Doch das Mitgefühl des Teams für die Patienten ist in jedem Satz spürbar. Wir sind dabei, wenn Geschichten zu Ende gehen. Das Buch ist mal dicker und mal dünner – deswegen ja nicht besser oder schlechter. Unterwegs An diesem Tag fährt Melanie Wedler zu sechs Patienten. Sie parkt immer ein paar Meter entfernt, selten direkt vor der Haustür. „So kann ich mich sammeln und auf den jeweiligen Menschen einstellen“, erzählt sie. Die erste Frau, die sie besucht, hat große Angst vor dem Sterben. Sie liegt im Bett, kann sich nur noch durch Mimik und Geräusche verständigen. Doch als sie Melanie erkennt, lächelt sie. Diese setzt sich an das Bett, hält ihre Hand, streichelt ihr über den Kopf, spricht ihr liebevoll Mut zu. Sie kümmert sich nicht nur um die Patienten und Patientinnen. Auch die Angehörigen hat sie im Blick. Die sind sichtlich am Ende ihrer Kräfte. „Haben Sie heute schon etwas gegessen? Konnten Sie schlafen?“, erkundigt sich Melanie Wedler, während sie die Medikamente vorbereitet. Zur Sorge der Angehörigen und Wedlers zeigen die Medikamente bei dieser Patientin nicht die erwartete Wirkung, zu groß ist ihre Angst vor dem Sterben. Am Abend wird Wedler gemeinsam mit dem Arzt der SAPV wiederkommen, entscheidet sie spontan. Die Entscheidungen, die die Mitarbeitenden der SAPV treffen müssen, können durchaus schwierig sein. Verabreicht man ein Medikament, das die Schmerzen lindert, das aber dafür sorgt, dass man vielleicht nicht mehr so gut ansprechbar ist? Hier muss immer individuell entschieden werden, Rücksprachen mit Kollegen und dem Arzt helfen dabei. Der jüngste Patient, den Melanie Wedler begleitet hat, war 28 Jahre alt. „Wir sind dabei, wenn Geschichten zu Ende gehen. Das Buch ist mal dicker und mal dünner – aber deswegen ja nicht besser oder schlechter.“ Dabei gehe einem die Arbeit selbstverständlich auch oft nahe, man könne sie nicht rein professionell sehen, sonst würde das Menschliche verloren gehen. Mit steigendem Alter, wenn man sich selbst mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert sähe, werde es nicht einfacher. Die nächste Patientin ist noch ziemlich fit. Über den Tod wird hier nicht gesprochen. „Manche wollen ihr baldiges Ende selbst noch nicht wahrhaben“, erklärt Wedler. Mit dieser Patientin ist der Ton ein anderer, es wird sich über die Tagesplanung und das Abendessen ausgetauscht – und viel gelacht. Melanie Wedler hat ein feines Gespür für die Menschen. Manche begleitet sie über Jahre, andere nur einen Tag. „Die, die sich früh an uns wenden, können wir natürlich besser kennenlernen und intensiver begleiten“, erzählt sie. Vertrautheit Eine der Patientinnen, die Melanie Wedler an diesem Tag versorgt, kennt sie schon eine ganze Weile. Es wirkt, als würden alte Freundinnen sich treffen. Sie scherzen, während Wedler sich um einen Beutel kümmert, in den Flüssigkeit aus der Lunge der Patientin abgelassen wird. Sie freut sich sichtlich über den Besuch. „Das erleichtert mein Leben ungemein. Ich fühle mich extrem gut aufgehoben und bekomme vor allem auch moralische Unterstützung“, sagt die Patientin. Und Melanie Wedler freut sich, dass sie helfen kann. Text: Lukas Dörfler // Fotos: Bernhard Janitschke Zur Inhaltsübersicht Begleitung in der letzten Lebensphase Das Team der Spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung (SAPV) ermöglicht unheilbar kranken Menschen ein Leben in ihrer vertrauten Umgebung. Mehr Infos
Zu der SeiteJeder Tag ist wie das Türchen eines Adventskalenders
17.05.2023 Jeder Tag ist wie das Türchen eines Adventskalenders David Röker ist Sozialarbeiter im Lukas-Werk in Peine. In seinem Job ist kein Tag wie der andere. Wenn David Röker sich morgens auf den Weg zur Arbeit macht, weiß er nie so genau, was der Tag bringen wird. Das liegt nicht nur an den vielseitigen Aufgaben, die der Sozialarbeiter in der Fachambulanz des Lukas-Werks in Peine hat, und auch nicht daran, dass David seinen Arbeitstag schlecht geplant hätte. Es ist die Arbeit mit drogengebrauchenden Menschen an sich, die oft unberechenbar ist. Kein Tag ist wie der andere – ob auf der Straße oder drinnen. „Es ist, als dürfte ich immer wieder die Türchen eines Adventskalenders öffnen“, sagt Röker. Dabei wäre die Arbeit schon abwechslungsreich, wenn sie nach Plan laufen würden. David Rökers „Adventskalender“ hat viele Türchen, die sich jeden Tag mit Überraschungen füllen: Drei Viertel seiner Stelle sind Beratung und Betreuung im Kontaktcafé „Ankerpunkt“ und die Straßensozialarbeit. Das andere Viertel sind Leistungen im Rahmen der „Assistenz beim Wohnen“ (AbW). „Allerdings gibt es auch Konstanten“, berichtet der Sozialarbeiter. Hier nehme die Kooperation mit Imke Hoffmann von der Aidshilfe Brauschweig eine herausragende Rolle ein. Neben einem Beratungs- und Testungsangebot auf HIV, Hepatitis sowie Syphilis bezieht das Kontaktcafé über die Initiative „Safer Use – vom Harz bis ans Meer“ der Aidshilfen Niedersachsen sterile Konsumutensilien zum Spritzen, Schnupfen und Blechrauchen. Kooperation mit der AIDS-Hilfe David Röker weiß, dass es Vorbehalte gegen den „Spritzentausch“ gibt. „Der vermehrte Konsum ist jedoch keine Frage des Bestecks, sondern des Geldbeutels. Wir helfen dabei, Infektionen vorzubeugen“, erklärt er. Die Schadensminimierung (Harm Reduction) ist ein Bestandteil des akzeptierenden Ansatzes, der im Kontaktcafé verfolgt wird. Um nachhaltiger zu sein, hat er damit begonnen, die Päckchen je nach Bedarf individuell umzupacken – so wird kaum etwas weggeschmissen. Niedrigschwellge Hilfen Weniger planbar sind hingegen die anderen Teile seiner Arbeit. „Das Kontaktcafé ist grundsätzlich ein offenes Angebot“, erläutert Röker. „Jeder kann während der Öffnungszeiten kommen und gehen, wie er oder sie möchte.“ Insbesondere für Beratungsgespräche kündigen sich Klienten häufig im Vorfeld an. „Die, die sich angekündigt haben, kommen oft nicht. Dafür stehen dann auf einmal Menschen vor der Tür, mit denen man nicht gerechnet, die man teilweise sogar jahrelang nicht mehr gesehen hat“, sagt der Sozialarbeiter. „Mal ist richtig viel los, dann wieder eher weniger. Aber am Ende gleicht es sich immer irgendwie aus.“ Noch niedrigschwelliger ist die Straßensozialarbeit. Wenn die Klienten nicht ins Café kommen, dann kommt David Röker zu ihnen. Er kennt die einschlägigen Treffpunkte und viele der Menschen, die hier ihre Zeit verbringen. Die, die er schon kennt, dienen als Türöffner, um Weitere kennenzulernen. Meist freuen sie sich, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden – schließlich handelt es sich bei den Drogenkonsumenten um eine Randgruppe, die oft stigmatisiert wird. Inwiefern sie dann integriert oder eher in Ruhe gelassen werden wollen, unterscheidet sich je nach Person. Oft entsteht die Nähe zu ihnen durch Distanz. Bemuttert werden will hier niemand. Jeden Tag ist David Röker aufs Neue gespannt, wen er antreffen wird. Alte Bekannte? Neue Gesichter? Manche trifft er nur in der Beratung, andere im Café und wieder andere draußen. Manche an allen Orten, andere sieht er hingegen monatelang nicht. Auch bei der AbW ist nicht immer klar, in welchen Situationen er die Menschen antreffen wird. Manchmal steht Röker vor verschlossenen Türen. Und öffnen sie sich, muss er mit jeder Person einen eigenen Weg finden, mit der Abhängigkeit umzugehen. Während einigen eine Rückmeldung reicht, brauchen andere Hilfe bei der Alltagsbewältigung. Die Möglichkeiten seien da so vielfältig wie die Menschen selbst. Manchen wäre die Unplanbarkeit von diesem Job sicher zu viel. Doch David Röker genießt die Abwechslung. „Ich liebe meinen Job, so wie er ist“, sagt er – und ist schon gespannt auf das, was ihn am nächsten Tag erwarten wird. Text: Lukas Dörfler // Fotos: Bernhard Janitschke Zur Inhaltsübersicht Tagestreffs und Straßensozialarbeit im Lukas-Werk Mit dem Café Clara in Wolfenbüttel und dem Kontaktcafé Ankerpunkt in Peine macht das Lukas-Werk niedrigschwellige Hilfe- und Kontaktangebote für drogengebrauchende Menschen, um Betroffenen einen Schutz- und Aufenthaltsraum zur Verfügung zu stellen. Das Angebot soll ihre Lebensumstände verbessern. Der Umfang der Leistung richtet sich nach den individuellen Möglichkeiten der Drogenkonsumenten. Dieses Angebot ist kostenlos und unverbindlich. Die Mitarbeitenden stehen unter Schweigepflicht. Weitere Informationen
Zu der SeiteWenn aus Tante Emma das Team Kiosk wird
17.05.2023 Wenn aus Tante Emma das Team Kiosk wird Nahezu im Minutentakt betreten Bürger, Angehörige oder Mitarbeitende den neuen Kiosk in Neuerkerode – und sei es nur, um sich umzuschauen oder dem freundlichen Team um Leitung Barbara Lisinski und Julia Brands ‚Hallo‘ zu sagen. Seit November läuft das Projekt „Einfach Kiosk und Co.“ bereits, dass sich konzeptionell über einen alltäglichen Kiosk hinausbewegt und für eine interessante Mischung sorgt: mit Nahversorgung, kulturellen Veranstaltungen, Bistro und Café sowie dem Beschäftigungsprojekt an sich. Im Kiosk sind Teilnehmende aus der Tagesförderung der Wohnen und Betreuen GmbH sowie der Abteilung Bildung & Arbeit der Mehrwerk gGmbH tätig. Viel Herzblut Sie heißen Mona Lehmann, Julia König, Sandra Kalcher, Lara Pardey und Jenny Bethmann und kümmern sich um den Service, bedienen die Kasse unter Anleitung der Mitarbeitenden als Übungsinstrument, befüllen die Regale und halten Ordnung. Unterstützend tätig sind Henrik Eiberg-Adam, Dörte Achilles und Kristina Trill. „Das Team passt einfach gut zusammen. Alle sind sehr entspannt im Umgang untereinander und mit den Kunden. Zudem bringt jeder seine besonderen Fähigkeiten mit ein“, finden Lisinski und Brands. Beide haben viel Herzblut in den Kiosk gesteckt, kümmern sich neben der eigentlichen Arbeit um eine wohlige Atmosphäre – mit Möbeln aus dem Berufsbildungsbereich der Mehrwerk, Kunst aus der Villa Luise und nostalgischen Accessoires. Julia Brands: "Der Kiosk ist mit seinem Angebot zu einem Magnet geworden, weil er eine Lücke geschlossen hat, die seit der Schließung des Lebensmittelladens und anderen Angeboten im Dorf entstanden war." Ein Kiosk mit pädagogischem Konzept Wichtig ist Lisinski und Brands zu vermitteln, dass vor allen wirtschaftlichen Überlegungen das Kiosk-Projekt vorrangig ein pädagogisches Konzept verfolge. Das inkludiere nicht nur die eigenen Beschäftigten im Team, sondern auch die Kunden, sagt Brands und ergänzt: „Die Bürger lernen bei uns den Umgang mit Geld, den Einkauf an sich oder das Prozedere einer Bestellung. Dabei werde ich auch immer wieder positiv überrascht.“ Das Schöne sei, dass die Energie, die man als Mitarbeitende hier einbringe, in vielfältiger Form zurückerhalte, sei es durch die positive Grundstimmung und Freude im Kiosk oder aber durch die persönliche Weiterentwicklung der Bürger. Überzeugt hat das Konzept auch Jenny Bethmann, die im Kiosk nun einen neuen Beschäftigungsplatz gefunden hat: „Anfang des Jahres war ich hier einkaufen und gleich total begeistert von dem Ort und dem Team. Ich habe einfach bei Julia und Barbara angefragt, ein einwöchiges Praktikum absolviert und seit wenigen Wochen arbeite ich nun hier.“ Ihr gefalle, dass sie hier sehr selbständig arbeiten und im Rahmen ihres Dienstes von 9 bis 17 Uhr immer wieder die Aufgabenbereiche wechseln könne. „Lediglich an die Dienstbesprechungen und die Dienstpläne muss ich mich noch etwas gewöhnen, das kannte ich aus meinen vorherigen Beschäftigungsbereichen noch nicht“, erzählt Bethmann. „Zwei bunte Tüten, wie immer?“ Der ständige Kundenkontakt und die abwechslungsreichen Aufgaben im Servicebereich bewogen Mona Lehmann dazu, es mit einer Stelle im Kiosk zu versuchen. Sie habe als Beschäftigte der Tagesförderung feste Dienstzeiten, sei so oft es geht im Kiosk, weil es ihr im Team so viel Spaß mache. Motivierend sind dabei natürlich auch die positiven Rückmeldungen der Kunden zu ihrer Arbeit: „Wenn ich das Essen an den Tisch bringe oder den Tisch abräume, werde ich für meinen Service oft gelobt – das gefällt mir sehr gut und bestärkt mich, dass ich meine Arbeit richtig und gut mache“, sagt Lehmann und richtet ihren Blick zum Tresen. Dort wartet bereits der nächste Kunde. Er kommt öfter vorbei, man kennt sich. „Zwei bunte Tüten, wie immer?“, fragt Lehmann. Der Kunde nickt, gibt ihr das Geld und lacht freudig. Text: Thomas Pöllmann // Fotos: Bernhard Janitschke Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteDorf Neuerkerode
17.05.2023 Im Wandel Wie kann sich das Dorf Neuerkerode gut für die Zukunft aufstellen? Wie können wir die Umwelt noch besser schützen, nachhaltig bauen, Energie sparen und ein modernes Wohnen und Leben für Menschen mit Unterstützungsbedarf anbieten. Welche Wohngruppen müssen dafür umgebaut, saniert oder ggf. abgerissen werden? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich unser Vorstand gemeinsam mit Verantwortlichen aus den einzelnen Fachbereichen unserer Stiftung und weiteren Kooperationspartnern. Dabei geht es um Neubaumaßnahmen, die künftig mit Photovoltaikanlagen, zur Eigenversorgung, ausgestattet werden. Der Krippenneubau etwa ist für die künftige Nachrüstung vorbereitet, für den Neubau der TGF Natur&Umwelt inklusive des Lagers wird die PV-Anlage größtmöglich ausgelegt. Auch eine Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung von zwei Kleinwindkraftanlagen mit einer Rotorblatthöhe unter 50 Metern am Dorfrand steht auf dem Programm. Für die Nutzung von Wärmepumpen wird im engen Austausch mit der Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel ein Energiekonzept entwickelt, welches auch die teilweise Sanierung des Nahwärmenetzes bzw. die Umrüstung von Gebäuden auf Wärmepumpen beleuchtet. Die Umsetzung all dessen geschieht nicht von heute auf morgen. Mit unserer Übersicht möchten wir Ihnen schon jetzt einen kleinen Blick in die Zukunft ermöglichen. Text: Petra Neu // Fotos: Bernhard Janitschke 1 Krippe Zwei Krippengruppen mit 30 Krippenplätzen Eingeschossig Gemeinsam genutzte Räume mit dem bestehenden Kindergarten Vergrößerung der Außenanlagen 2 Freilufthalle Überdachte Halle für Sportangebote auf dem bestehenden „Bolzplatz“ Ganzjähriges Angebot Möglichst multifunktionale Nutzung für Ballsportarten, Bewegungsangebote, Veranstaltungen 3 Neubau Wabeblick Neubau von 43 Plätzen 3 Gruppen für je 12 bis 16 Personen Dreigeschossig Demenzwohnen im EG Ausschließlich barrierearme oder rollstuhlgerechte Einzelzimmer 4 Tagesförderung (TGF) Natur&Umwelt Abriss und Neubau für die TGF Natur&Umwelt Neubau weiterer Gewächshäuser TGF für max. 40 Plätze ausgelegt mit Gruppen- und Werkräumen 5 Neuerkeröder Feuchtbiotop Angelegt im Sommer 2022 6 Renaturierung Wabe Modellierung des neuen Bachbetts für die Wabe auf den gut 300 Metern (im März 2023 fertiggestellt) Seitdem Pflanzungen von Bäumen und Sträuchern, die Einsaat von Rasen u.Ä. 7 Wohngruppe Sundern Abriss und Neubau für Wohnnutzung mit aktuellen Standards 8 Außerhalb Neuerkerodes BS, Maria-Stehmann-Haus: Abriss und Neubau für modernen Wohnraum in Innenstadtlage von Braunschweig BS, Landhaus Querum: Erweiterung zur Schaffung von neuen Wohnplätzen im Angebot für Kinder und Jugendliche 9 Dorfeingang/Tagesförderung (TGF) Neugestaltung der Eingangssituation zum Dorf Neubau mit TGF-Angeboten Zur Inhaltsübersicht ZIMMER FREI! Wir finden für jeden Wohnwunsch den passenden Platz. Probewohnen in unserem inklusiven Dorf möglich. Mehr Infos
Zu der SeiteTagesförderung Neuerkerode rockt Tonstudio
09.05.2023 Tagesförderung für junge Menschen attraktiver und moderner gestalten Es ist der Traum vieler Jugendlicher: Einmal einen Tag im Tonstudio verbringen und singen, rappen, ein Instrument spielen oder mit den Freunden lässig in der Studio-Lounge abhängen. Sechs junge Beschäftigte aus der Tagesförderung (TGF) Ginsterweg haben sich mit Mitarbeitenden des Begleitenden Dienstes und der TGF auf das Abenteuer eingelassen. . Für die Menschen mit geistiger Behinderung sowie zusätzlichen schwerwiegenden psychiatrischen Störungsbildern ging es für eine ganz besondere Session ins Tonstudio nach Destedt. Gleichzeitig war es der Startschuss zur Umsetzung einer neuen Konzeption, die darauf aufbaut, die Tagesförderung für junge Menschen im Ginsterweg noch attraktiver und moderner zu gestalten und Teilnehmenden neue Herausforderungen und Horizonte zu ermöglichen. „Wir möchten unseren jungen Erwachsenen Erfahrungen bieten, die Gleichaltrige ohne Behinderung auch machen. Das ist ein wichtiger Schritt zu Teilhabe und Integration”, erklärt Koordinatorin Katrin Kozlowski ein primäres Ziel. Die Idee, ein Tonstudio zu besuchen, wurde durch mehrere glückliche Umstände begünstigt. So ist Ginsterweg-Fachkraft David Dlugosch, in seiner Freizeit Rapper, Produzent und Tonstudio-Experte, ein Türöffner für die Aktion in Destedt gewesen. Durch ihn war der Kontakt zum Tonstudio schnell hergestellt. Mehr Inspiration als nur glücklicher Umstand ist die Begeisterung eines Teilnehmenden für das Schlagzeugspielen und die Musik generell. „Wir haben uns daraufhin gedacht, wer so ein besonderes Talent hat, wollen wir unbedingt fördern und motivieren. Auch deshalb lag das Projekt Tonstudio auf der Hand“, erzählen Kozlowski und Dlugosch. Musik als Selbsterfahrung Die Ausrichtung und das Eingehen auf jugendlichen Musikgeschmack ist ein weiterer Aspekt. Als Rapper trifft David Dlugosch den Nerv der Teilnehmenden, die sich so mit dem Projekt noch besser identifizieren können. Über das Hören hinaus, durften sich die Klienten selbst an Musikinstrumenten ausprobieren – etwa an Klavier, Schlagzeug, Gitarre oder im Erleben der eigenen, aufgenommenen Stimme. „Das ist für sie sehr abwechslungsreich und befreiend gewesen. Es hat ihnen gezeigt, was für unglaubliche Fähigkeiten in ihnen schlummern. Das war schlichtweg ergreifend und ein unbezahlbarer Moment“, erklärt Kozlowski. Am Ende sei eine CD produziert worden, auf der alle gesungenen Lieder festgehalten wurden. Als nächstes sei ein Kinobesuch geplant, der gezielt für den frühen Abend eingeplant ist. „Weil abends vermehrt Jugendliche ins Kino gehen, wollen wir so einen Austausch ermöglichen und Integration fördern“, sagt Kozlowski.
Zu der SeiteSpecial Olympics mit Heimvorteil: Neuerkeröder Judoka planen den großen Wurf
08.05.2023 Bei den Landesspielen von Special Olympics sind Neuerkeröder Sportler:innen und Musiker:innen dabei Rund um die Landesspiele gibt es ein buntes Rahmenprogramm, unter anderem steht auf dem Braunschweiger Schlossplatz alles unter dem Motto „Sport verbindet“. Die Neuerkeröder Judoka können auf viele, teilweise sehr erfolgreiche Wettkampfteilnahmen von Special OIympics auf Bundes- und Landesebene zurückblicken. In diesem Jahr haben sie die Möglichkeit vor heimischen Publikum um Medaillen zu kämpfen. Rund um die Landesspiele gibt es unter dem Motto „Sport verbindet“ ein buntes Rahmenprogramm. Auf dem Braunschweiger Schlossplatz stehen den Interessierten neben Mitmach- und Bühnenaktionen einige Informationsangebote zur Verfügung. Auch die Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH (WuB) wird am Mittwoch, 10. Mai, von 12 bis 20 Uhr mit einem Stand vertreten sein und über Leistungsangebote in der Behindertenhilfe, aber auch über die verschiedenen Jobmöglichkeiten in der WuB zu informieren. Während in den Sportstätten um Medaillen gekämpft wird, rocken die Neuerkeröder Inklusionsbands auf den Bühnen dieser Landesspiele: Am Mittwochabend wird im Westand bei der Athletendisco mit „Hand in Hand“ abgefeiert und am Donnerstagnachmittag sorgen „Underrock“ bei der Abschlussfeier auf dem Schlossplatz für einen angemessenen Ausklang der Landesspiele 2023. Archivfoto: Die Neuerkeröder Judoka können auf erfolgreiche Special Olympics-Wettbewerbe zurückblicken, u.a. bei den Bundesspielen 2018 in Kiel.
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