„Das Gefühl der Freiheit ist überwältigend“
25.08.2026 „Das Gefühl der Freiheit ist überwältigend“ In dieser Reihe sprechen wir mit Menschen über Demokratie. Hier berichtet Eva Carsch, wie das Aufwachsen ohne Freiheit war – und wie sie sich bis heute für Demokratie einsetzt. Dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, kann Eva Carsch aus eigener Erfahrung berichten: Die 94-Jährige hat ihre Kindheit in Nazideutschland verlebt. Als sie nach dem Krieg Demokratie lernt, ist das für sie ein überwältigendes Gefühl. Seither bringt sie sich ein, setzt sich für andere ein, nutzt ihre Stimme – bis heute: als gewählte Heimbeiratsvorsitzende im Braunschweiger Senioren- und Pflegezentrum Bethanien sowie als Mitglied der Ethik-Gruppe. Wie viel Menschen gemeinsam bewegen können, fasziniert sie noch immer. Doch aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen machen ihr wieder Sorgen. „Die Nazizeit war für uns alle eine schlimme Zeit. Die Menschen haben in Angst gelebt. Man konnte jederzeit einfach abgeholt werden“, erinnert sie sich an die Zeit vor der Demokratie. Carschs Mutter war in erster Ehe mit einem Halbjuden verheiratet. Sein Vater kam in einem Konzentrationslager um, er selbst ist emigriert. Als Eva Carschs Mutter verstirbt, kommt sie als Fünfjährige gemeinsam mit ihrer Schwester in ein Heim in Potsdam. „In Potsdam haben wir die Luftangriffe miterlebt. Das war eine ganz scheußliche Zeit“, berichtet sie. Als sie nach dem Krieg in Goslar lebt, bringen die Engländer ihnen schon in der Schule Demokratie bei – und Eva Carsch wird ins Schülerparlament gewählt. Nach der Nazizeit, in der keine Fragen oder Widersprüche erlaubt waren und der Strenge im Heim, ist das für sie wie eine Befreiung. „Das Gefühl, zum ersten Mal gehört zu werden, war überwältigend. Das war der Moment, in dem ich angefangen habe, Selbstvertrauen zu gewinnen.“ Eva Carsch Was Eva Carsch über Demokratie zu sagen hat und was sie über Hass gegen Ausländer denkt, seht ihr im Video:
Zu der SeiteTrauercafé im Rittergut Beienrode
21.08.2026 Trauercafé im Rittergut Beienrode Das Haus der helfenden Hände im Rittergut Beienrode lädt jeden letzten Dienstag im Monat zum Trauercafé ein. Im Falle des Todes einer vertrauten Person, ist auf einmal nichts mehr so, wie es einmal war. Trauer bedeutet Abschied nehmen. Der Umgang mit der Endlichkeit des Lebens, mit Sterben und Tod, gehört zum Leben dazu. Das Trauercafé im Rittergut Beienrode möchte Trauernde begleiten und ihnen in einem geschützten Raum die Möglichkeit geben, mit anderen Hinterbliebenen in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Die Teilnehmenden können miteinander ihre Trauer erleben, gemeinsam nach Antworten und Wegen für die Zukunft suchen. Das Trauercafé ist ein offenes Angebot für erwachsene Trauernde, unabhängig von ihrer Konfession. Sie können regelmäßig oder nach Bedarf teilnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos und bedarf keiner Anmeldung. Selbstverständlich wird die Schweigepflicht gewahrt. Es findet jeden letzten Dienstag im Monat von 15 bis 16.30 Uhr im Rokokosaal im Haus der helfenden Hände, Beienroder Hauptstraße 1, in Beienrode statt. Nur im Dezember ändert sich der Termin. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter t 05353.91340. Gerne können Sie Ihre Fragen auch stellen an elke.wolnik@hdhh.de
Zu der SeiteWenn ein Tag neu beginnt
03.09.2026 Wenn ein Tag neu beginnt Zwischen Krisen, kleinen Erfolgen und starken Beziehungen: Ein Einblick in die Arbeit der Tagesförderung intensiv in Neuerkerode. Die Tür fällt ins Schloss, Stimmen werden laut. Ein angespannter junger Mann, die Situation droht zu kippen. Worte reichen nicht mehr aus, die Stimmung ist aufgeheizt. Andreas Jäger bleibt ruhig. Er tritt dazwischen, spricht, versucht zu lenken – und muss schließlich klare Grenzen setzen. Ein Tag, der anders verläuft als geplant. Am nächsten Morgen sitzt derselbe junge Mann wieder am Tisch. Ein kurzer Blick, ein vorsichtiges Lächeln. Ein neuer Anfang. So kann Alltag in der Tagesförderung intensiv im inklusiven Dorf Neuerkerode aussehen. Zwischen Anspannung und Entwicklung Die Tagesförderung intensiv ist ein besonderer Arbeitsbereich innerhalb der Wohnen und Betreuen. Hier werden junge Menschen ab 18 Jahren begleitet, die aufgrund ihrer Entwicklung mit sich selbst und ihrem sozialen Umfeld zu kämpfen haben. Für sie braucht es mehr als ein strukturiertes Angebot – es braucht einen Ort, der Sicherheit gibt und gleichzeitig Entwicklung ermöglicht. In kleinen Gruppen, mit intensiver Betreuung, entsteht ein Rahmen, in dem Stabilisierung und Förderung Hand in Hand gehen. Der Alltag in der Tagesförderung intensiv ist dabei bewusst lebensnah gestaltet. Gemeinsam mit den Klient:innen werden haushaltstypische Aufgaben übernommen: Geschirrspüler ein- und ausräumen, Tische abwischen, Müll wegbringen oder Schmutzwäsche sortieren. Auch scheinbar kleine Tätigkeiten wie Wasser holen oder Leergut wegbringen sind wichtige Bestandteile- „Sie fördern Selbstständigkeit und geben Struktur“, so Jäger. Hinzu kommen gezielte Förderangebote mit unterschiedlichem Anspruch: So werden beispielsweise Deckel von Wasserflaschen demontiert – Dichtung und Verschluss getrennt – und an anderer Stelle wieder zusammengesetzt. Individuelle „Aufgabenkisten“ bieten differenzierte Übungen, die sich an den Fähigkeiten der einzelnen orientieren. Auch Tätigkeiten wie Papier schreddern, Malen oder Ausmalen gehören dazu. Darüber hinaus greifen die Angebote immer wieder persönliche Interessen auf, erläutert Jäger. Ob bei der Montage von Industriedeckeln oder bei Aktivitäten im Außenbereich: „Bewegung, bewusste Entscheidungen - Wo gehe ich hin? - das Einhalten von Gruppensituationen oder auch das Bedürfnis nach Gespräch – all das findet hier Raum.“ Ein Spaziergang kann so zur Übung werden, bei der es darum geht, in der Gruppe zu bleiben – oder einfach darum, sich mitzuteilen. „Es geht um Struktur, um Beobachtung und darum, Stärken herauszukristallisieren“, sagt Andreas Jäger, Heilerziehungspfleger, der seit 2002 in Neuerkerode arbeitet und seit 2019 Teil des Teams TGF intensiv ist. „Unser Ziel ist es, auffälliges Verhalten zu reduzieren und die Menschen so weit zu fördern, dass sie perspektivisch in größere Gruppen wechseln können.“ Ein Ziel, das nicht immer leicht zu erreichen ist – aber umso bedeutender, wenn es gelingt. Hinter jedem Verhalten steckt mehr Wer in der Tagesförderung intensiv arbeitet, erlebt beides: herausfordernde Situationen und berührende Fortschritte. Entscheidend ist die Haltung, so Jäger – und der Blick auf den Menschen hinter dem Verhalten. „Für mich ist wichtig, den Menschen zu sehen. Jeder bringt nicht nur Auffälligkeiten mit, sondern auch viele positive Seiten. Die entdeckt man, wenn man echte Beziehungen eingeht.“ Diese Beziehung ist der Schlüssel. Denn auffälliges Verhalten entsteht nicht zufällig – es hat eine Funktion. Genau dort setzt die Arbeit an: verstehen statt bewerten, deeskalieren statt verstärken. Das bedeutet auch, schwierige Situationen auszuhalten und professionell zu handeln. Wenn Grenzen überschritten werden, müssen sie klar benannt werden. Zum Schutz aller. „Das kann sehr unangenehm sein“, sagt Andreas. „Aber das gehört dazu. Entscheidend ist: Am nächsten Tag fangen wir wieder bei null an. Beziehung heißt auch, immer wieder neu anzusetzen.“ Die leisen Erfolge Es sind nicht nur die großen Entwicklungen, die zählen. Oft sind es die kleinen Momente, die zeigen, was möglich ist. Ein Neuerkeröder, der lange nicht da war – und sich plötzlich wieder öffnet. Ein neuer Klient, bei dem viele zunächst skeptisch sind – und der dann mit einem Strahlen im Gesicht die Angebote annimmt. Oder jemand, der Nähe sucht und damit Vertrauen zeigt. „Solche Momente überraschen uns immer wieder“, erzählt Andreas. „Und sie zeigen, warum sich die Arbeit lohnt.“ Die Intensität der Arbeit verlangt viel – fachlich und persönlich. Umso wichtiger ist ein Team, das trägt. Nach herausfordernden Situationen wird gesprochen, reflektiert, eingeordnet. Bei einer Tasse Kaffee, in Fallbesprechungen oder zwischendurch im Alltag. „Ich weiß, dass ich mich auf meine Kolleg:innen verlassen kann“, sagt Andreas Jäger. „Das gibt mir Sicherheit. Wir sind füreinander da und tragen die Verantwortung gemeinsam.“ Haltung entscheidet Wer in der Tagesförderung intensiv arbeitet, braucht mehr als Fachwissen. Gefragt sind Menschen mit Klarheit, Geduld und einem wertschätzenden Blick. „Es kommt sehr darauf an, mit welcher Haltung ich in den Tag gehe. Manche starten ruhig und werden schwierig – andere beginnen angespannt und entwickeln sich gut. Das gehört dazu.“ Wichtig sei vor allem, offen zu bleiben und sich auf die Menschen einzulassen. Teamfähigkeit, Verlässlichkeit und Konsequenz sind ebenso entscheidend wie die Fähigkeit, auch in herausfordernden Momenten respektvoll zu bleiben. Die Tagesförderung intensiv ist kein einfacher Arbeitsbereich. Aber einer, der bewegt. Und vielleicht ist es genau dieses Spannungsfeld, das die Arbeit so besonders macht: zwischen Herausforderung und Vertrauen, zwischen klaren Grenzen und neuen Chancen. Andreas Jäger sagt: „Hier entstehen Beziehungen, Entwicklungsschritte und echte Perspektiven – manchmal leise, manchmal sichtbar, immer bedeutsam.“ Einsteigen. Umsteigen. Schöne Aussichten Sie möchten Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag begleiten? Sie darin unterstützten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Ob in der Wohngruppe, in der Tagesförderung oder in der eigenen Wohnung? Oder in der Schule? Wir – die Neuerkeröder Wohnen und Betreuen – bieten vielfältige Arbeitsplätze für z.B. Heilerziehungspfleger:innen, Pflegefachkräfte, Sozialarbeiter:innen oder Quereinsteiger an: Mehr Infos
Zu der SeiteWenn Musik Erinnerungen weckt
17.08.2026 Wenn Musik Erinnerungen weckt Die Band Klang und Leben begeistert die Senior:innen im Rittergut Beienrode. Es war ein ganz besonderes Konzert, zu dem sich die Senior:innen im Gutshof des Ritterguts Beienrode zusammengefunden haben: Bereits zum dritten Mal war die Band Klang und Leben zu Gast im Haus der helfenden Hände. Dabei handelt es sich bei der Formation nicht um eine normale Band: Sie bieten eine musikalische Zeitreise für Menschen mit Demenz. Zum Besten gegeben wurden Songs wie Auf der Reeperbahn, Lili Marleen oder Die kleine Kneipe – Lieder, die die Senior:innen mit besonderen Situationen ihres Lebens verbinden und an die sich auch Menschen, die demenziell erkrankt sind, oft noch erinnern. Sänger Oliver Perau schafft es dabei, die Bewohner:innen liebevoll und mit viel Witz und Charme einzubeziehen. Die Lieder wecken natürlich nicht nur bei den demenziell veränderten Menschen Erinnerungen, sondern auch bei allen anderen Senior:innen – und auch bei Mitarbeitenden und Angehörigen, die dem Konzert ebenfalls begeistert beiwohnten. Es war ein Konzert, dass die verbindende Kraft der Musik eindrücklich zeigte. Weitere Informationen Weitere Informationen über das Rittergut Beienrode finden Sie hier: Mehr Infos
Zu der SeiteZwischen Kostendruck und Versorgungsauftrag
14.08.2026 Zwischen Kostendruck und Versorgungsauftrag Im Interview beleuchten Geschäftsführung und Regionalleitungen der Diakoniestationen Harz-Heide die derzeitige Situation der Pflege. Wie ist die aktuelle Lage in der Pflege? Welche Herausforderungen gibt es derzeit? Und was sind mögliche Folgen des Pflegeneuordnungsgesetzes, das die Bundesregierung plant? Volker Wagner, Geschäftsführer der Diakoniestationen Harz-Heide (DHH), und die Regionalleitungen der ambulanten Dienste der DHH Sabrina Franz (Diakoniestation Braunschweig), Clarissa Choitz (Diakoniestation Gifhorn) und Nicole Lübbecke (Diakoniestation Nordharz und SAPV) sprechen über die Gegenwart und Zukunft der Pflege. Wie erleben Sie derzeit die Situation in der ambulanten Pflege? Lübbecke: Der Bedarf an Pflege ist auf jeden Fall enorm. Das Problem ist aber, dass viele Menschen sich die benötigte Unterstützung kaum noch leisten können. Wir beobachten, dass die privat finanzierten Leistungen nach SGB XI rückläufig sind. Leistungen auf ärztliche Verordnung nach SGB V bleiben dagegen stabil. Choitz: Die gestiegenen Lebenshaltungskosten machen sich deutlich bemerkbar. Viele Menschen beziehen heute bewusst weniger Pflegeleistungen, weil sie auf ihr Geld achten müssen. Für uns bedeutet das häufiger viele kleine Aufträge, die organisatorisch aufwendiger sind. Aus Unternehmenssicht können wir das jedoch durch die steigende Zahl an Kund:innen kompensieren. Schwieriger ist die Situation für die Pflegebedürftigen. Wir erleben immer wieder, dass Menschen unbedingt mehr Unterstützung bräuchten, diese aber aus finanziellen Gründen nicht in Anspruch nehmen. Das hinterlässt bei uns aus pflegefachlicher Sicht oft ein ungutes Gefühl. Nicole Lübbecke, Regionalleitung Diakoniestation Nordharz und Leitung SAPV Zudem wird beim Thema Pflege oft von einem Personalnotstand gesprochen. Wie sieht die Bewerberlage bei den DHH aus? Choitz: Erfreulicherweise sehr gut. Die ambulante Pflege bietet oft attraktivere Arbeitsbedingungen als andere Bereiche der Pflege. Entsprechend haben wir viele Bewerbungen und gleichzeitig eine geringe Fluktuation. Franz: Im städtischen Bereich ist die Situation etwas anders, weil der Wettbewerb um Pflegekräfte größer ist. Dennoch sind wir dank unseres Tarifvertrags, der Möglichkeit zur Spezialisierung in den Bereichen DIAPP und SAPV sowie zahlreicher Benefits für Mitarbeitende gut aufgestellt. Unsere Größe und die breite regionale Aufstellung bieten zusätzliche Möglichkeiten. Wer sich beruflich verändern möchte, kann das innerhalb unseres Unternehmens oft unkompliziert tun, weil wir ein sehr breites Angebotsspektrum haben. Zudem ist die DHH in den Unternehmensverbund der Evangelischen Stiftung Neuerkerode eingebettet, was Stabilität schafft und weitere Entwicklungschancen ermöglicht. Clarissa Choitz, Regionalleitung Diakoniestation Gifhorn Lübbecke: Hinzu kommt, dass wir stark auf Qualität und Weiterentwicklung setzen. Viele Mitarbeitende verfügen über pflegewissenschaftliche Qualifikationen. In Jahresgesprächen schauen wir gezielt darauf, wie sich jede:r Einzelne entwickeln könnte. Hinzu kommen flexible Arbeitszeitmodelle, die Familie und Beruf gut vereinbaren lassen, starke Teams und professionelle Führungskräfte. Durch die Unterstützung des zentralen Managements der DHH können sich unsere Mitarbeitenden auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: die Pflege der Menschen. Sabrina Franz, Regionalleitung Diakoniestation Braunschweig Kommen wir zum Pflegeneuordnungsgesetz. Welche Auswirkungen hätte es aus Ihrer Sicht? Wagner: Das Gesetz würde viele Entwicklungen der vergangenen Jahre konterkarieren. Politisch wurde immer eine stärkere Tarifbindung in der Pflege gefordert. Mit dem aktuellen Entwurf würde dieser Weg nicht nur gestoppt, sondern teilweise sogar umgekehrt. Für Unternehmen wie unseres stellt sich vor allem die Frage der Refinanzierung. Wenn nur noch bestimmte Beträge refinanziert werden, unterläuft das letztlich Tarifverhandlungen. Franz: Ich sehe den Referentenentwurf äußerst kritisch. Natürlich muss die finanzielle Situation der Pflegeversicherung stabilisiert werden. Allerdings wird dafür der falsche Ansatz gewählt. Die Umstrukturierung soll zulasten der pflegerischen Versorgung, der pflegenden Angehörigen und der Leistungserbringenden erfolgen. Pflegebedürftigkeit verschwindet nicht dadurch, dass man den Zugang zu Leistungen erschwert. Gerade Menschen mit beginnenden Einschränkungen benötigen frühzeitige Unterstützung. Ambulante Hilfen und Tagespflegen verhindern oft Krisen, Krankenhausaufenthalte oder den späteren Einzug in eine stationäre Einrichtung. Kurzfristig mag man damit Geld sparen – langfristig werden die Folgekosten deutlich höher sein. Volker Wagner, Geschäftsführer der Diakoniestationen Harz-Heide Choitz: Die eigentlichen Verlierer drohen die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu werden. Viele können sich Pflege kaum noch leisten, obwohl sie darauf angewiesen sind. Und gerade pflegende Angehörige investieren enorme Mengen an Zeit, Kraft und oft auch Geld. Dass ausgerechnet hier weitere Einschnitte geplant sind, wäre aus meiner Sicht ein Schritt in die falsche Richtung. Wagner: Hinzu kommt, dass die Kapazitäten in stationären Einrichtungen vielerorts schon heute nicht ausreichen. Der Druck wird dadurch immer stärker auf die Angehörigen verlagert, die jetzt schon an ihre Grenzen stoßen. Ohne diese Menschen würde das Pflegesystem schon jetzt nicht funktionieren. Nun sollen sie weniger Unterstützung erhalten und gleichzeitig mehr leisten – sofern überhaupt Angehörige vorhanden sind, die diese Aufgaben übernehmen. So wie der Entwurf jetzt ist, ist er ein Skandal. Wo sehen Sie die eigentlichen Stellschrauben für eine nachhaltige Pflegereform? Wagner: Im aktuellen Entwurf wird fast ausschließlich auf die Ausgabenseite geschaut. Stattdessen müsste diskutiert werden, wie mehr Geld ins System gelangen kann. Die Geld- und Sachleistungen müssten deutlich erhöht werden. Das wäre ein angemessenes Signal angesichts der demografischen Entwicklung. Lübbecke: Gleichzeitig braucht es ein gesellschaftliches Umdenken. Die Themen Pflege und Sterben werden häufig verdrängt, bis sie einen selbst betreffen. Dabei wird ein Großteil der Menschen irgendwann selbst mit Pflegebedürftigkeit konfrontiert sein. Trotz aller Sorgen: Gibt es auch Anlass zur Hoffnung? Franz: Ja. Die vergangenen Jahre waren von vielen Krisen geprägt, und dennoch haben wir uns als Organisation immer weiterentwickelt. Durch die Erweiterung unserer Angebote und unserer Versorgungsgebiete haben wir bislang jede Herausforderung gemeistert. Unsere Größe und Professionalität sorgen für Stabilität – auch in schwierigen Zeiten. Außerdem wird Pflege als Beruf häufig negativer dargestellt, als sie tatsächlich ist. Viele Dinge haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Wagner: Da das Thema Pflege die gesamte Gesellschaft betrifft, müssen wir uns mit vereinten Kräften für gute Bedingen einsetzen. Rund 80 Prozent der Menschen erleben am Ende ihres Lebens eine mehr oder weniger lange Phase der Pflegebedürftigkeit. Deshalb müssen wir heute die richtigen Entscheidungen für morgen treffen – gemeinsam! Weitere Informationen Die Angebote und weitere Informationen über die Diakoniestationen Harz-Heide finden Sie hier: Mehr Infos
Zu der Seite„Gemeinsam gegen Drogen – Gemeinsam gegen die Sucht“
28.08.2026 Veranstaltungshinweis: „Gemeinsam gegen Drogen – Gemeinsam gegen die Sucht“ Am 16. September um 17.30 Uhr findet in Lehre eine Präventionsveranstaltung statt. Verschiedene Beratungs- und Präventionseinrichtungen, darunter die Fachambulanz Sucht Helmstedt der Lukas-Werk Gesundheitsdienste, stehen vor Ort für Fragen und persönliche Gespräche zur Verfügung. Nachfolgend veröffentlichen wir Informationen des Veranstalters zur Veranstaltung. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Drogen – Gemeinsam gegen die Sucht“ findet am Mittwoch, den 16. September 2026, um 17:30 Uhr in der Börnekenhalle in Lehre ein kostenfreier Informationsabend rund um die Themen Drogen, Sucht und Prävention statt. Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene, Angehörige, Eltern, junge Menschen sowie alle Interessierten und Hilfesuchenden. Als besonderer Gast wird Sebastian Caspar, Schriftsteller, Podcaster und Liedermacher, aus seinem Leben berichten. In seinem erfolgreichen Videopodcast „leben.lieben.leiden“ spricht er mit Anrufern offen über Sucht, Drogen und persönliche Erfahrungen. Auf der Bühne in Lehre wird er über sein Leben, seine eigene Drogenabhängigkeit und wie er den Weg daraus gefunden hat, erzählen und bietet so den Zuhörern die Möglichkeit, sich intensiv mit den Herausforderungen von Suchterkrankungen auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung wurde von Britta und Nils Kern aus Lehre mitinitiiert, die 2023 ihren Sohn Jonas durch Medikamentenmissbrauch verloren haben. „Wir möchten andere Familien vor einem ähnlichen Schicksal bewahren und verhindern, dass sich junge Menschen in eine Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit verlieren. Der beste Schutz dagegen ist unserer Meinung nach die Prävention und die Entstigmatisierung von Suchterkrankungen“, erklären die Eheleute Kern. Sie sind nach Jonas‘ Tod auf den Video-Podcast von Sebastian Caspar aufmerksam geworden und schätzen daran, wie dieser darin mit Betroffenen und Angehörigen über das Thema Sucht spricht. So fragten sie bei Sebastian Caspar an, ob er die Präventionsveranstaltung in Lehre begleiten würde und dieser sagte prompt zu. Ziel der Veranstaltung ist es, aufzuklären, Vorurteile abzubauen und Betroffenen sowie deren Angehörigen Wege zu Hilfsangeboten aufzuzeigen. Fachkundige Ansprechpersonen verschiedener Beratungs- und Präventionseinrichtungen wie dem Projekt Kaffeetwete e.V., der DROBS Jugend- und Drogenberatung Wolfsburg, der Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt, dem Lukas-Werk Helmstedt stehen vor Ort für Fragen, Informationen und persönliche Gespräche zur Verfügung. Im Anschluss an den Vortrag findet eine offene Diskussionsrunde statt, in der Erfahrungen ausgetauscht sowie Fragen an Sebastian Caspar und die beteiligten Fachstellen gestellt werden können. Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Projekt Kaffeetwete e.V. aus Lehre, der DROBS Jugend- und Drogenberatung Wolfsburg, der Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt, der Lukas-Werk Gesundheitsdienste Fachambulanz Sucht Helmstedt, dem Förderverein der Oberschule Lehre e. V. sowie der Gemeinde Lehre. +++ „Einen Angehörigen durch Sucht zu verlieren, ist immer tragisch. Umso bewundernswerter ist es, wenn Betroffene ihre Erfahrungen nutzen, um andere für das Thema zu sensibilisieren und wachzurütteln. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Betroffene und Angehörige wissen: Sie sind nicht allein." Katrin Vosshage, Einrichtungsleiterin der Fachambulanz Sucht Helmstedt Wir sind für Sie da In unseren Fachambulanzen Sucht in Helmstedt, Braunschweig, Wolfenbüttel, Peine, Goslar und Northeim hören wir Ihnen zu und zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie Ihre Situation verbessern können. Unsere Beratungsangebote
Zu der SeiteEhemaligentreffen der Reha-Tagesklinik für Psychosomatik
18.08.2026 Ehemaligentreffen der Reha-Tagesklinik für Psychosomatik Die Reha-Tagesklinik für Psychosomatik der Lukas-Werk Gesundheitsdienste GmbH veranstaltet am 18. September im Braunschweiger Quartier St. Leonhard ein Treffen für ehemalige Patient:innen. „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Angebot auch in diesem Jahr machen können“, sagt der Chefarzt und Leiter der Tagesklinik Tuna Ucgun. „Wir möchten Patienten aus der Psychosomatik damit die Möglichkeit geben, sich auszutauschen und sich bewusst mit der eigenen Krankheitsgeschichte auseinander zu setzen. Wir halten für unsere Gäste an diesem Tag Kaffee, Kuchen, kalte Getränke und kleinere Snacks bereit“. Auch er und seine Mitarbeitenden seien gespannt auf das Zusammentreffen und darauf, von den Lebensläufen ehemaliger Patienten nach der Therapie zu erfahren. Anmeldung Das Ehemaligentreffen findet am 18. September 2026 in den Räumlichkeiten der Reha-Tagesklinik für Psychosomatik statt und beginnt um 14 Uhr . Um vorherige Anmeldung wird gebeten: telefonisch (0531. 180 537 30) oder per E-Mail ( rehazentrum-braunschweig@lukas-werk.de Über die Reha-Tagesklinik In der ganztägig ambulanten Reha-Tagesklinik für Psychosomatik werden alle Formen von psychosomatischen Störungen behandelt. Dazu zählen unter anderem Schlaf-, Schmerz- und Angststörungen, seelische Erschöpfung, Depressionen, Trauma-Folgeerkrankungen, Tinnitus, Zwangserkrankungen und Persönlichkeitsstörungen. „Ziel unserer ganzheitlichen Behandlung ist es, eine höhere Leistungsfähigkeit und eine bessere Lebensqualität sowohl im Beruf als auch im Privatleben zu erreichen“, sagt Chefarzt und Leiter Ucgun. Das Behandlungskonzept ist auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit sowie die Entwicklung einer positiven Berufsperspektive. Mehr Infos
Zu der SeiteFlagge für Liebe und Vielfalt zeigen
07.08.2026 Flagge für Liebe und Vielfalt zeigen Die Neuerkeröder Wohnen und Betreuen bietet gleich zwei Veranstaltungen im Rahmen des CSD in Braunschweig an, um auf die Demonstration für LGBTQIA+-Rechte vorzubereiten. So schön bunt! Der Bereich Bildung/Freizeit/Kultur der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen hat eine Veranstaltung im Rahmen des offiziellen Rahmenprogramms des CSD Braunschweig organisiert. Eine Woche vor der großen Demonstration haben sie zum „Grill & Talk am Quartier St. Leonhard“ eingeladen. Menschen mit und ohne Behinderung, Queere und Allys, kamen zusammen, um Banner und Plakate für den CSD vorzubereiten. Der CSD – kurz für Christopher Street Day – ist ein Fest-, Gedenk, und Demonstrationstag, der sich für die Rechte und Sichtbarkeit der LGBTQIA+-Community einsetzt. Die Buchstaben LGBTQIA stehen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Queer, Intersexuelle, Asexuelle. Das Plus soll weitere Identitäten einschließen, die in den Buchstaben noch nicht vertreten sind. Der CSD ist gleichermaßen Fest und Demonstration für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung. Da versteht es sich von selbst, dass auch Neuerkeröder:innen und Mitarbeitende der esn (Evangelische Stiftung Neuerkerode) für diese Werte auf die Straße gehen. Neben gemeinsamem Grillen und Karaokesingen stand die Plakataktion im Mittelpunkt. Gemeinsam wurden mit bunten Farben und Stickern Plakate mit Statements wie „Zusammen sind wir bunt!“, „Herz statt Hetze“ und vielem mehr beschriftet. Mit den großartigen Botschaften wollen die Teilnehmenden am Samstag auf dem Braunschweiger CSD ein Zeichen setzen. Damit noch mehr Menschen an der Aktion teilnehmen konnten, wurden auch in Neuerkerode gemeinsam Plakate gestaltet. „Mir ist es wichtig zum CSD zu fahren, weil alle sich zeigen können, wie sie sind“, sagte ein Neuerkeröder. „Das ist eine gute Möglichkeit, mit anderen queren Personen in Kontakt zu kommen.“
Zu der SeiteSterben darf nicht einsam sein
06.08.2026 Sterben darf nicht einsam sein Ein Pilotprojekt gibt neue Impulse für die ambulante Sterbebegleitung in Braunschweiger Pflegeeinrichtungen. Als Uwe Böker den Kurs zur Sterbebegleitung beginnt, bringt er vor allem eines mit: Respekt. Der ehemalige Polizeibeamte ist mittlerweile im Ruhestand, doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre wirken nach. „Ich hatte über einen längeren Zeitraum viele Todesfälle in meinem Umfeld. Das hat mich sehr bewegt“, sagt er. Trotzdem – oder gerade deshalb – entscheidet er sich, Menschen an ihrem Lebensende zu begleiten. Böker ist einer von neun Teilnehmenden des ersten Vorbereitungskurses eines Pilotprojektes, das die Hospiz Stiftung Braunschweig gemeinsam mit dem Verein Hospizarbeit Braunschweig ins Leben gerufen hat. Viele Menschen, die in Pflege- und Senioreneinrichtungen leben, haben nur noch wenige soziale Kontakte. Bekannte sind teilweise schon verstorben, Angehörige gibt es nur noch wenige oder sie wohnen weit weg. Gerade in der letzten Lebensphase, wenn das Sterben immer näher rückt, fehlen bekannte Gesichter, vertraute Stimmen. Oft ist es am Ende das Pflegepersonal, das zwischen Zeitdruck und Verantwortung versucht, allen gerecht zu werden. Genau hier setzt „Gemeinsam begleiten. Bis zuletzt.“ an. Das Pilotprojekt bildet Ehrenamtliche dazu aus, Sterbende in stationären Einrichtungen zu begleiten. Mithilfe der Erfahrungen, die sich hieraus ergeben, entsteht ein Konzept, um die Begleitung Sterbender in der Langzeitpflege nachhaltig zu implementieren. Ein neuer Ansatz für die letzte Lebensphase Bisher findet ambulante Sterbebegleitung größtenteils im häuslichen Umfeld statt. Die Projektidee setzt dort an, wo viele Menschen ihren letzten Lebensabschnitt verbringen: in stationären Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Bisher wird hier ambulant nur vereinzelt begleitet. Durch das Pilotprojekt soll diese Arbeit vor Ort fest verankert und konzeptualisiert werden. Gemeinsam mit den Senioren- und Pflegezentren Bethanien und St. Vinzenz – beide Teil der Evangelischen Stiftung Neuerkerode (esn) – wird das Projekt umgesetzt. Das Ziel des Projektes geht über die Qualifizierung der Ehrenamtlichen hinaus: Die Erfahrungen des Projektes fließen in ein Konzept, das den Einsatz von ehrenamtlichen Begleiter:innen fest und nachhaltig in den Einrichtungen etablieren soll. Nicht erst kurz vor ihrem Tod, sondern möglichst früh. „Der Gedanke ist, eine Vertrauensbasis aufzubauen und die Menschen über einen längeren Zeitraum zu begleiten“, erklärt Projektmitarbeiterin Iris Peppler. Pflegekräfte wählen die Bewohner:innen aus, die von einer Begleitung am meisten profitieren können – und fragen in Absprache mit deren Angehörigen eine Sterbebegleitung beim Hospizverein an. Eine Ergänzung, kein Ersatz Dass diese Unterstützung dringend gebraucht wird, erlebt Manuela Malitzki täglich. Sie ist GVP-Beraterin (Gesundheitliche Versorgungsplanung) und Palliativbeauftragte in den beiden Einrichtungen und derzeit die Schnittstelle zwischen Pflege und der Hospizarbeit. „Sterben in einer Senioren- und Pflegeeinrichtung kann einsam sein“, sagt sie. „Ich bin sehr froh, dass dieses Projekt läuft.“ Die Zahlen unterstreichen das: Allein in Braunschweigs größtem Senioren- und Pflegezentrum Bethanien gab es im vergangenen Jahr über 400 Aufnahmen – bei 202 Plätzen. „Wir haben eine hohe Fluktuation“, sagt Einrichtungsleiterin Stefanie Rutsch. „Viele Menschen sterben hier. Natürlich begleiten auch wir unsere Bewohnenden bestmöglich. Eine zusätzliche Begleitung durch die ausgebildeten Ehrenamtlichen ist aber ein enormer Gewinn – für die Senior:innen, aber auch für die Angehörigen und Mitarbeitenden.“ Denn Zeit ist in der Pflege oft knapp. „Der Druck auf Pflegende ist sehr hoch“, betont Dr. Rainer Prönneke, langjähriger Palliativmediziner im Krankenhaus Marienstift und heute im SAPV-Team der Diakoniestationen Harz-Heide sowie Vorsitzender des Landesstützpunkts Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen. Ehrenamtliche können hier eine Lücke schließen – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Sie hören zu, sitzen am Bett, halten vielleicht einfach nur die Hand. Zeit schenken, einfach da sein Genau darin liegt die Stärke der Hospizarbeit Braunschweig. Rund 140 Ehrenamtliche engagieren sich bereits im Verein, etwa die Hälfte davon in der Sterbebegleitung. Sie sind das Herzstück des Projekts. „Die Begleitung lebt durch unsere Ehrenamtlichen“, sagt Projektmitarbeiterin Britta Lange. Das Besondere an dem neuen, auf stationäre Einrichtungen ausgelegten Kurs sind die Besuche in den Häusern sowie besondere Schulungsangebote mit Blick auf demenzielle Veränderungen. Für die Teilnehmenden bedeutet der Kurs aber mehr als nur eine Ausbildung. „Wir haben verschiedene Kommunikationsmethoden im Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen gelernt“, erzählt Böker. „Und auch, wie wir uns selbst auf diese besondere Aufgabe einstellen. Ich fühle mich gut vorbereitet – aber der Respekt ist noch da.“ "Jede neue Begegnung heißt Respekt. Ich habe ihn auch nach all den Jahren noch.“ Dr. Rainer Prönneke Malitzki ergänzt: „Das ist auch gut und wichtig so. Es ist der Respekt, den man dem Tod und dem Menschen entgegenbringt.“ Ein Netzwerk wächst Finanziell getragen wird das Vorhaben von der Hospiz Stiftung für Braunschweig. Für Erika Borek, Vorstandsmitglied der Stiftung, ist es dabei mehr als ein Förderprojekt: „Wir wollen nicht nur das Geld geben, sondern Menschen gewinnen, die den Hospizgedanken mit uns gemeinsam leben.“ So ist stets auch ein Ziel, Menschen für die ehrenamtliche Hospizarbeit zu begeistern. Die Stiftung hat in Braunschweig bereits früh Impulse gesetzt – und begleitet die Entwicklung bis heute. „Viele Sterbende haben keine Angehörigen mehr, sind allein in ihrem Sterben. Hier wollen wir gerne einen Unterschied machen“, sagt sie. „Wenn einfach nur jemand da ist, Nähe und Zeit schenkt, ist das unglaublich wertvoll.“ Ein Modell für die Zukunft Noch ist „Gemeinsam begleiten. Bis zuletzt.“ ein Pilotprojekt, zunächst auf zwei Jahre angelegt. Doch die Perspektive ist klar: Die Strukturen sollen bleiben. „Wir wollen die ambulante Sterbebegleitung dauerhaft in Pflegeeinrichtungen etablieren“, sagt Peppler. Erste Zahlen stimmen optimistisch – schon mit dem Pilotprojekt wird es zum Ende des Jahres voraussichtlich 40 Prozent mehr Begleitungen in stationären Einrichtungen durch die Hospizarbeit Braunschweig gegeben haben als vor dem Projekt. Auch über Braunschweig hinaus könnte „Gemeinsam begleiten. Bis zuletzt.“ Zukunft haben. „Das kann ein Modellprojekt für ganz Niedersachsen sein“, sagt Prönneke. „Die Not gibt es überall. Und der Bedarf wird mit der demografischen Entwicklung weiter steigen.“ Ein Moment, der zählt In Braunschweig haben die Kursteilnehmenden ihre Zertifikate inzwischen entgegennehmen können. Für Uwe Böker und seine Kolleg:innen beginnt die eigentliche Aufgabe erst jetzt. Bald wird er einem Bewohnenden gegenübersitzen. „Die Begleitung ist immer individuell“, sagt Böker. „Man weiß vorher nicht, wer und was einen erwartet.“ Bald wird er jemandem seine Zeit schenken. Vielleicht schweigend, vielleicht im Gespräch. Denn manchmal geht es um etwas ganz Einfaches und zugleich ungemein Wertvolles: da zu sein. Gerade dann, wenn ein Mensch am Ende seines Lebens niemanden mehr hat. Anmeldung Die Hospizarbeit Braunschweig lebt von ihren Ehrenamtlichen. Falls Sie sich auch gerne in diesem Bereich engagieren möchten, vereinbaren Sie gerne ein Kennenlerngespräch unter t 0531.16 477 oder info@hospizarbeit-braunschweig.de
Zu der SeiteGesunder Umgang mit Social Media
04.08.2026 Für den gesunden Umgang mit Social Media braucht es mehr als eine Altersbeschränkung Eine Altersbeschränkung für Social Media-Angebote wird aktuell international diskutiert. Auch die deutsche Bundesregierung befasst sich mit diesem Thema. Vor diesem Hintergrund hat die Landesstelle für Suchtfragen (NLS) ein Positionspapier zum Umgang mit Social Media-Anwendungen vorgelegt, das in den Fachambulanzen Sucht der Lukas-Werk Gesundheitsdienste standortübergreifend unterstützt wird. Social Media-Anwendungen bieten nach Ansicht der NLS vielfältige Möglichkeiten, bergen aber auch Risiken. Die NLS fokussiert sich auf das Suchtpotenzial der Angebote. Bei der Diskussion über eine Zugangsbeschränkung müsse aber auch der Teilhabeaspekt von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden. „Wir müssen Kindern den Umgang mit Medien beibringen – nicht den Verzicht auf sie“, so Holger Baumann, Einrichtungsleitung der Fachambulanz Sucht Goslar. „Wir nehmen die Problematik ernst, denn immer mehr junge Menschen suchen die 76 niedersächsischen Fachstellen für Sucht und Suchtprävention aufgrund exzessiver Mediennutzung auf,“ sagt Günter Sandfort, Vorsitzender des Fachausschusses Berufliche Suchthilfe der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen (LAG FW). Die NLS ist der Ansicht, dass eine Altersbeschränkung ein Baustein ist, um diesen Gefahren zu begegnen. Dem Phänomen sei damit jedoch nicht allein wirksam zu begegnen. Laut den Expert:innen brauche es einen Dreiklang aus Altersbegrenzung, Aufklärung und Plattformhaftung, um die Suchtprävention im Bereich der Social Media-Nutzung bestmöglich zu gewährleisten. „Kinder brauchen keine bildschirmfreie Kindheit – sie brauchen Erwachsene, die sie durch die digitale Welt begleiten“, so Baumann. „Nicht das Smartphone ist das Problem – sondern wenn es den Alltag bestimmt.“ Anbieter:innen von Anwendungen sollten suchtfördernde Elemente, wie das automatische Abspielen des nächsten Inhalts, zumindest für jüngere User:innen untersagt werden. Außerdem sollten Unterbrechungen verbindlich eingeführt werden. In der Medien-kompetenzbildung müssen die suchtfördernden Elemente von Social Media-Angeboten berücksichtigt werden. „Kinder und Jugendliche müssen die Mechanismen und Algorithmen durchschauen und eine entsprechende Handlungskompetenz entwickeln“, meint Sandfort. Erste Ergebnisse aus Australien zeigen, dass die Altersbegrenzung von einem großen Anteil der Jugendlichen mit geringem Aufwand umgangen werden kann. Problematisch ist nach Ansicht des Fachausschusses, dass durch die Altersbeschränkung der Eindruck entstehen könnte, die Nutzung sozialer Medien sei ab einem bestimmten Alter nicht mehr gefährlich. Natürlich kann sich eine suchtartige Nutzung auch ab 16 Jahren entwickeln. Baumann sagt: „Digitale Medien brauchen dieselbe Prävention wie Alkohol, Nikotin oder Glücksspiel – nur mit anderen Konzepten.“ Den Expert:innen geht es nicht darum, junge Menschen auszuschließen, sondern sie zu einem kompetenten Umgang zu befähigen und ihnen attraktive Angebote im echten Leben zu bieten. „Wer gesunde Mediennutzung fördern will, muss mehr anbieten als Verbote“, so Baumann. „Die digitale Welt ist gekommen, um zu bleiben – deshalb muss Prävention dort stattfinden, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Digitale Balance ist keine Privatsache mehr, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Positionspapier zum Download Bei Fragen und Problemen im Zusammenhang mit der exzessiven Nutzung von Social Media-Angeboten finden Interessierte in den Fachambulanzen Sucht kompetente Ansprechpartner:innen und Beratung. Fachambulanzen Sucht der Lukas-Werk Gesundheitsdienste Fachambulanz Sucht Goslar Martin-Luther-Straße 2 38640 Goslar Telefon 05321 358 85 00 Telefax 05321 358 85 19 fa-goslar@lukas-werk.de Fachambulanz Sucht Wolfenbüttel Am Exer 19b 38302 Wolfenbüttel Telefon 05331 858 60 Telefax 05331 858 626 fa-wolfenbuettel@lukas-werk.de Fachambulanz Sucht Peine Bahnhofstraße 8 31226 Peine Telefon 05171 508 120 Telefax 05171 50 81 29 fa-peine@lukas-werk.de Fachambulanz Sucht Braunschweig St. Leonhard 1 38102 Braunschweig Telefon 0531 180 537 10 Telefax 0531 180 537 40 fa-braunschweig@lukas-werk.de Fachambulanz Sucht Northeim Scharnhorstplatz 5 37154 Northeim Telefon 05551 908 206 10 Telefax 05551 908 206 99 fa-northeim@lukas-werk.de Fachambulanz Sucht Helmstedt Poststraße 2 38350 Helmstedt Telefon 05351 520 950 Telefax 05351 520 959 fa-helmstedt@lukas-werk.de Über die NLS Die NLS in der Trägerschaft der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e. V. (LAG FW) fördert die Entwicklung der Suchthilfe, Suchtprävention und Suchtselbsthilfe in Niedersachsen. Sie koordiniert und unterstützt die Arbeit der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen und der darin zusammengeschlossenen Einrichtungen auf den genannten Gebieten und vertritt deren gemeinsame suchtfachliche und suchtpolitische Interessen. Sie verbindet 76 ambulante Suchtberatungsstellen, 42 stationäre Suchthilfeeinrichtungen und mehrere hundert Suchtselbsthilfegruppen in Niedersachsen. Die NLS setzt sich für die Sicherung der Versorgung von Menschen mit substanzbezogenen oder verhaltensbezogenen Problemen sowie deren Angehörigen ein und ermöglicht eine träger- und verbandsübergreifende Zusammenarbeit der Mitglieder der LAG FW auf dem Gebiet der Suchthilfe, Suchtprävention und Suchtselbsthilfe.
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