Ab sofort heißt es wieder: Wasser marsch!
10.04.2024 Die Anschaffung des Handwagens ermöglicht es, wichtige Strukturen zu erhalten Wasser marsch! Mit dieser Parole und einem neuen elektrischen Handwagen können sich ab sofort wieder Beschäftigte des Tagesförderungsprojekts „Einfach Wasser“ der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH (WUB) auf den Weg machen. Den neuen Handwagen verdankt das Projekt einer Förderung der Wolfenbütteler Heimatstiftung, die die Anschaffung damit unterstützte. In dem Projekt arbeiten bis zu sieben Bürger im Rahmen ihrer Tagesgestaltung in den Tätigkeitsfeldern Flaschenreinigung, Abfüllung, Versiegelung, Kontrolle und Auslieferung. Mehrere hundert Flaschen werden täglich produziert und das aufbereitete Leitungswasser in den Standorten der WUB in Neuerkerode verteilt. Durch die Produktion und Lieferung vor Ort werden unter anderem Transportkosten sowie CO2‐Ausstoß eingespart. Mit dem Handwagen werden die Teilnehmenden des Projekts bei der Verteilung der schweren Kästen im inklusiven Dorf entlastet. „Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Wolfenbütteler Heimatstiftung für die Förderung. Das Projekt ist für die Beschäftigten ein elementarer Baustein und stellt ihnen verlässliche Strukturen bereit. Mit dem Handwagen können wir diese erhalten“, freute sich Julia Brands, Koordinatorin des Projekts „Einfach Wasser“.
Zu der SeiteNeuer Dienstwagen für Fachambulanz Braunschweig
10.04.2024 Neuer Dienstwagen für Fachambulanz Braunschweig Lukas-Werk freut sich über Investitionsförderung von Aktion Mensch. Dank der Förderung der Aktion Mensch konnte die Fachambulanz Braunschweig des Lukas-Werkes einen neuen Dienstwagen anschaffen. Dieser wird vor allem für die qualifizierte Assistenz im eigenen Wohnraum genutzt, um suchtkranke Menschen in ihrer Teilhabe zu unterstützen. Das Team Assistenz beim Wohnen begleitet daher Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen bei ihrer selbstständigen Lebensführung. Die Klient:innen benötigen Beratung und Anleitung bei der Wahrnehmung von Arztterminen und Einkäufen oder Anleitung zur Koordination und Regelung persönlicher Behördenangelegenheiten. Das Lukas-Werk unterstützt bei der Aufrechterhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus, bietet Anleitung bei der strukturgebenden Planung des Alltags an, trainiert die zeitliche und räumliche Orientierung, unterstützt bei der Entwicklung von Selbstkontrollroutinen des Tages- und Wochenplanes, gibt Anleitung zur Erledigung von Haushaltsaufgaben oder übt den Umgang mit Geld. „Wir möchten uns herzlich bei der Aktion Mensch für die Fahrzeug-Investitionsförderung bedanken!“, so Ilka Schindler, Regionalleitung der Fachambulanzen Braunschweig-Wolfenbüttel. Dank dieser Unterstützung können Klient:innen noch besser in ihrer selbstbestimmten Lebensführung begleitet und bezogen auf ihre Teilhabe am Gemeinschaftsleben unterstützt werden. Infos Assistenz beim Wohnen
Zu der SeiteInhaltsübersicht_NEB_119
13.05.2024 Herausforderungen Editorial Liebe Leserin und lieber Leser, Sie haben sich die 119. Neuerkeröder Blätter vorgenommen und halten Sie möglicherweise als haptische Erfahrung in den Händen ... ... Das ist überhaupt nicht mehr selbstverständlich. Auch die NEB, wie wir die Blätter liebevoll nennen, sind längst zusätzlich digital verfügbar. Ist es ein lebensferner, ökologischer und wirtschaftlicher Anachronismus, auf das Gedruckte nicht zu verzichten? Wir werden es natürlich weiter diskutieren und interessieren uns für Ihre Meinung dazu. Schreiben Sie uns, vielleicht ja ganz klassisch einen handschriftlichen Brief. Oder eben eine E-Mail. Selbst per Fax sind wir natürlich noch erreichbar. Und auch die Nachricht in den sozialen Medien ist tägliche Übung in der esn. Ich bin gespannt auf Ihre Ideen und Erwartungen. „Challenge accepted!“ Es sind die vielfältigen Herausforderungen, denen wir uns tagtäglich stellen, die wir zum Thema dieser Ausgabe gemacht haben. Es sind die erstaunlichen, bemerkenswerten und beeindruckenden Geschichten von Menschen und Institutionen, die ich Ihnen zum Lesen empfehlen möchte. Wichtig war uns, dabei nicht ins Jammern zu verfallen, sondern Wege aufzuzeigen, wie man mit positiver Energie und intensiven Kooperationen nicht alle, aber doch viele Hürden meistern kann. Wir präsentieren Ihnen Geschichten, die von leibhaftigen Autorinnen und Autoren aus unserer Abteilung Unternehmenskommunikation stammen, denen wir danken für ihre Beteiligung. Ich betone das nicht, weil ich der künstlichen Intelligenz kritisch gegenüberstehe. Im Gegenteil: Wir nutzen sie schon seit Langem in vielen Prozessen, aber eben im Hintergrund, dienend, häufig unerkannt. Es wäre weltfremd, sich den Möglichkeiten der KI zu verweigern. Ein schönes Thema für eine zukünftige Ausgabe der Neuerkeröder Blätter. Mit Blick auf den Inhalt möchte ich an dieser Stelle auch der niedersächsischen Staatssekretärin Dr. Christine Arbogast und dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung danken. Denn in dieser Ausgabe ist es gelungen, ein Interview zu veröffentlichen, bei dem unsere gesamte Mitarbeiterschaft die Möglichkeit hatte, Fragen direkt an Dr. Arbogast zu richten. Eine besondere Chance, mit der Politik über Herausforderungen zu diskutieren, die sich für uns als Unternehmensgruppe in der Sozialund Gesundheitsbranche stellen. Ein besonderes Interview! Jetzt aber lassen Sie sich zum Lesen verführen, zum Eintauchen in die beeindruckenden Geschichten, die Sie auf den nächsten Seiten finden. Es lohnt sich wie immer in den Neuerkeröder Blättern zu stöbern, die nun seit Jahrzehnten dazugehören: zur esn und ihren Unternehmen, zu den Menschen, über die wir berichten, zum Braunschweiger Land und weit darüber hinaus! Ihr Tobias Henkel, Vorstandsvorsitzender Neues zum Blättern Was uns wichtig ist Eine Fotostrecke zu einem besonderen Interview, das unsere Mitarbeitenden mit dem niedersächsischen Sozialministerium führen konnten. Zur Fotostrecke Wenn Generationen sich gegenseitig bereichern Im Haus Lebensglück in Gamsen genießen Kita- Kinder und Senioren der Tagespflege der Dia koniestation Gifhorn täglich ein bereicherndes Miteinander. Zum Text Potenziale und Effekte nutzen Synergien entwickeln, etablierte Bereiche stärken und fördern. Über die Neuausrichtung der Mehrwerk. Zum Text Herausforderungen sind meine tägliche Routine Manuela Schuller ist hochgradig sehbehindert und hat ihr Glück als Lehrkraft in der Fachschule Heilerziehungspflege in Neuerkerode gefunden. Zum Text Danke, dass ich da bin Das Kinderwunschzentrum Hildesheim begleitet Patientinnen seit diesem Jahr auch im Krankenhaus Marienstift. Zum Text Leben am Limit Doreen ist eine der ersten Klienten im Café Clara, die substituiert wird. Dass die Behandlung mit der Ersatzdroge sie ihr Leben lang begleiten würde, war zunächst nicht vorgesehen. Zum Text Herausforderung: Loslassen Auszug von zu Hause: In Neuerkerode wird dieser Übergang für Familien mit Kindern, die besonderen Unterstützungsbedarf haben, behutsam begleitet. Zum Text Würdevoll bis in den Tod m Haus St. Vinzenz gestalten Pflegekräfte wie Manuela Malitzki, Alena Güthoff und Seelsorgerin Heike Heckmann die Begleitung von Sterbenden so würdevoll wie möglich. Zum Text Einen Weg aus der Trauer finden Marie-Luise Buchholz hat nach dem Tod ihres Mannes auch dank des Trauercafés des Zentrums Würde am Marienstift zurück ins Leben gefunden. Zum Text Wichtiger Baustein Die Sozialpädagogische Familienhilfe der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen berät bei Krisen, Konflikten und im Alltag. Zum Text Auf die Plätze ... fertig … los! Erstmals wurde unser Inklusionslauf „Neuerkerode bewegt“ als Spendenlauf organisiert – mit großem Erfolg! Zum Text In eigener Sache Wir als Vorstand möchten uns an dieser Stelle bei Miriam Herzberg, unserer Leitung der Abteilung Unternehmenskommunikation / Fundraising, bedanken. Zeitgleich zum Erscheinen dieser Ausgabe im Juni 2024 verlässt sie die esn. Dank sagen möchten wir für sechs ereignisreiche, herausfordernde und kreative Jahre: „Challenge accepted!“, liebe Miriam. Viele Spuren wird sie hinterlassen, zu viele für eine Aufzählung. Für alle aber offensichtlich nicht zuletzt das wunderbar klare und intelligente Corporate Design der Unternehmensgruppe esn. Ein Meisterstück. Wir werden dich vermissen – und wünschen Dir Gottes Segen auf deinen zukünftig weltweiten Wegen! Tobias Henkel | Vorstandsvorsitzender Jessica Gümmer-Postall | Personalvorstand Ingo Beese | Finanzvorstand Spendenprojekt Der Mittelpunkt des Dorfes Sie ist das pulsierende Herz Neuerkerodes, von dem aus das inklusive Dorf immer wieder zum Beben gebracht wird: unsere Dorfbühne auf dem Dorfplatz. Hier rocken nicht nur unsere inklusiven Bands und spielen unsere Theater- und Musikgruppen, auf ihr werden auch unsere Feste eröffnet, Reden geschwungen, wird Karaoke gesungen und über Politik diskutiert. Sie bietet allen Platz, die gesehen und gehört werden wollen – und die sonst nicht immer eine Bühne bekommen. In diesem Jahr feiert der Dorfplatz, der 2014 mitsamt Dorfgemeinschaftshaus renoviert wurde, sein zehnjähriges Jubiläum. In diesem Zuge haben wir Großes vor: Wir wollen unsere Dorfbühne modernisieren. Denn so schön sie auch ist – sie kann noch besser werden. Unsere Bühne soll ein Dach sowie einen Witterungsschutz bekommen und barrierefrei werden, um eine noch inklusivere und wetterunabhängige Nutzung möglich zu machen. Unser Antrieb dabei sind die Wünsche unserer Bürger und unserer Gäste. Wir haben das Spendenprojekt „Dorfbühne“ ins Leben gerufen und im September 2023 den ersten Spendenaufruf gestartet. Wir bedanken uns herzlich für die bereits erhaltenen Spenden, die bisherige Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen. Die notwendige Expertise haben wir eingeholt, alle Fragen zur Statik sind beantwortet, die geeignete Dachkonstruktion haben wir gefunden und interne Abstimmungsprozesse sind angelaufen. Mit dem barrierefreien Bühnenaufgang, dem Bühnenboden und der Beleuchtung befinden wir uns in der finalen Planungsphase. Aktuell konzentrieren wir uns auf die mit Abstand kostenintensivste Bau- und Umsetzungsphase „Stahlkonstruktion und Dach“. Mit unserem Vorhaben nutzen wir die vorhandene Bausubstanz, gestalten das Dorfzentrum um, schaffen einen zusätzlich geschützten Raum und damit einen weiteren Ort der Begegnung im Dorf. Einen Ort für das inklusive Miteinander, denn im Miteinander liegt das Glück. Bitte unterstützen Sie uns auch in Zukunft, um diesen zentralen Anziehungspunkt mitten in Neuerkerode erstrahlen zu lassen. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie den Herzenswunsch von sehr vielen Bürgern und Mitarbeitenden. Sie stärken damit unser aktives Dorfleben und den inklusiven Zusammenhalt. Jetzt spenden Mehr News aus der esn News & Stories Events Zu den Veranstaltungen Sie möchten die Neuerkeröder Blätter und weitere Informationen aus der Unternehmensgruppe regelmäßig digital erhalten? Dann schreiben Sie uns gern eine E-Mail an: oeffentlichkeitsarbeit@neuerkerode.de
Zu der SeiteAuf die Plätze ... fertig … los!
13.05.2024 Inklusionslauf „Neuerkerode bewegt“ – Auf die Plätze ... fertig … los! – Egal, ob Laufen, Walken, Radfahren oder im Rollstuhl – Jedes Jahr gehen im inklusiven Dorf Menschen mit und ohne Beeinträchtigung bei unserem Inklusionslauf an den Start. Erstmals haben wir diesen nun als Spendenlauf organisiert und sagen allen Unterstützern und Sponsoren: DANKE! Am 28. April war soweit. Gemeinsam mit Familienangehörigen, Freunden und Mitarbeitenden unserer Stiftung haben sich rund 400 Aktive auf die unterschiedlichen Lauf-, Walking-, Rad- oder Rollstuhlstrecken begeben, nahmen vorab ein T-Shirt und im Ziel voller Stolz ein Schweißband als kleines Geschenk entgegen und genossen im Anschluss die Zeit auf dem Dorfplatz. Dort gab es neben kühlen Getränken, Bratwurst vom Grill und Pommes ein buntes Programm mit Kinderschminken, Cheerleading aus Sickte, eine Hüpfburg und Begleitung durch die Musikpädagogik sowie die Akustikband KIELER SEXCS. Die Braunschweigische Sparkassenstiftung trat als Hauptförderer auf, weitere Förderpakete wurden von Franz von Czapiewski Elektrotechnik, Friedrich Garten-, Landschafts- und Tiefbau GmbH sowie der MKN GmbH Co. KG erworben. Die Aktiven konnten sich Sponsoren suchen, die sie für ihr sportliches Engagement belohnten. Alle Spendeneinnahmen aus dem Lauf sind unserem Projekt „Herzenswünsche in Bewegung“ zugutegekommen, bei dem mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird. Der Inklusionslauf fand im Rahmen des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2024 statt. Unter dem Motto „Viel vor für Inklusion! Selbstbestimmt Leben – ohne Barrieren.“ wurde dieser Tag von „Aktion Mensch“ unterstützt. Wir danken allen Sponsoren, Partnern und Helfern auf und neben den Strecken, die diesen besonderen Tag möglich gemacht haben. Der Inklusionslauf in Zahlen: 1700 Kilometer zurückgelegte Gesamtstrecke 10500 € Gesamt-Spendensumme durch Förderer 750 € durch Spenden 27 Sponsoren 400 Teilnehmer:innen Fotos: Bernhard Janitschke / Michael Bonsack Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeitePotenziale und Effekte nutzen
13.05.2024 Potenziale und Effekte nutzen – die Mehrwerk stellt sich neu auf – Chancen – Fachkräftemangel, politische Entscheidungsprozesse oder wirtschaftliche Entwicklungen – aktuell herrscht viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt. Das spürt auch Marcus Eckhoff, seit Januar dieses Jahres Geschäftsführer der Mehrwerk gGmbH. Mit dem Bildungs- und Qualifizierungsbetrieb für Menschen mit Handicaps sieht er – allen Herausforderungen zum Trotz – viele Chancen, sie im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Im Interview spricht er darüber, wie er und sein Team in der Mehrwerk das Thema Arbeit und Beschäftigung neu denken, wie sie die Gesellschaft auf die veränderten Gegebenheiten einstellen wollen und welche Potenziale noch in der Region schlummern. Gespräch mit dem neuen Geschäftsführer Marcus Eckhoff zur Neuausrichtung der Mehrwerk. > Herr Eckhoff, seit Mitte Januar sind Sie als Geschäftsführer der Mehrwerk nach vier Jahren wieder zurück an alter Wirkungsstätte: Wie fühlt sich das Zurückkommen an? Wie sind Sie gestartet? Es fühlt sich sehr gut an! Ich habe mich sehr gefreut, wieder in der Geschäftsführung der Mehrwerk mitwirken zu dürfen. Ein hochmotiviertes Team in der Geschäftsstelle hat es mir leicht gemacht, gleich wieder Fuß zu fassen. Die Mehrwerk hat sich in den letzten Jahren sehr gut weiterentwickelt und meine ersten Wochen waren davon geprägt, mir erst mal einen Überblick zu verschaffen. > Als Geschäftsführer der Wohnen und Betreuen und der Mehrwerk, zu der unter anderem die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) gehören, verantworten Sie nun zwei wesentliche Bereiche der Eingliederungshilfe: Welche Chancen ergeben sich dadurch für die Eingliederungshilfe in Neuerkerode und der Region? Beide Gesellschaften haben schon immer eng zusammengearbeitet und werden dies in Zukunft noch intensiver tun. Das wird mehr Durchlässigkeit zwischen den Gesellschaften schaffen und wir können gegenseitig die Angebote bei Klientinnen und Klienten bekannter machen. Quasi Eingliederungshilfe aus einer Hand. > Die Mehrwerk ist als Bildungs- und Qualifizierungsunternehmen für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps ein wichtiger lokaler Player auf dem Arbeitsmarkt – welche Herausforderungen stellen sich in den kommenden Jahren? In welchen Bereichen kann und soll die Mehrwerk erfolgreich sein? Der Arbeitsmarkt ist derzeit geprägt von einem spürbaren Mangel an Arbeitskräften. Als Arbeitgeber stellt dies für uns eine Herausforderung dar, als Dienstleister natürlich auch eine Chance. Für die Werkstätten sehe ich ganz klar die Perspektive auf interessante Aufträge aus der regionalen Wirtschaft und ich erhoffe mir auch einen Effekt bei der Vermittlung von Menschen mit Handicap auf den ersten Arbeitsmarkt. Dies kann aber nur gelingen, wenn der Übergang durch individuelles Job Coaching gut begleitet wird. Ein weiterer Schwerpunkt der Mehrwerk liegt im gastronomischen Bereich. Wir sind erfolgreich mit unseren inklusiven Teams in der Schulverpflegung. Auch wenn dieser Markt sehr preissensibel ist, gehe ich davon aus, dass wir mit unserer Qualität und den inklusiven Teams ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal haben. > Die Einführung des Bundesteilhabegesetzes 2016 führte zu einem Wandel in der Arbeit der Eingliederungshilfe/ Wohnen und Betreuen. Vor welchem Wandel stehen die Werkstätten, wie sehen Sie die weitere Entwicklung und wie gut bereiten Sie sich in der Mehrwerk darauf vor? Die Zukunft der Werkstätten ist in der Tat eine sehr große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Werkstätten für Menschen mit Behinderung brauchen Beschäftigte mit höherer Produktivität, müssen aber auch Beschäftigten, die weniger leistungsfähig sind, Angebote machen. Wird dieses Prinzip aufgebrochen, entwickeln sich Werkstätten zu reinen Rehabilitationseinrichtungen und verlieren ihre Arbeitsmarktnähe. Selbstverständlich dürfen dadurch nicht Übergänge auf den ersten Arbeitsmarkt verhindert werden. Die Praxis zeigt aber, dass sich Unternehmen weiterhin sehr schwertun, Menschen mit Behinderung einzustellen, sodass nur sehr wenige Übergänge gelingen. Ich bin davon überzeugt, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird. Unsere Konzepte richten wir darauf aus, Übergänge vorzubereiten und zu begleiten. Beispielsweise durch Praktika in Unternehmen. Schwierig für Werkstätten finde ich den Vorschlag, dass der Berufsbildungsbereich (BBB) aus der Werkstatt herausgelöst werden soll und ein eigenes Angebot unabhängig von Werkstätten wird. Ein solches Konzept muss eng mit den Verbänden der Werkstattträger abgestimmt werden. > Sie sind bekennender Fußball- und Schalke-04-Fan. Wenn Sie Ihre Arbeit in der Mehrwerk mit einem Schalker Fußballer/einer Spielposition beschreiben müssten, welcher Spieler/welche Position wäre das und wieso? Eine gute Frage! Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass Schalke in der nächsten Saison wieder in der 1. Bundesliga spielt. Jetzt bin ich froh, wenn wir so wenig wie möglich mit dem Abstieg zu tun haben. In der Mannschaft wäre ich am liebsten der Torwart. Gegentore verhindern, aber gerne auch beim Elfmeterschießen mitmachen. Das trifft es, glaube ich, ganz gut. Wichtig ist, dass alle Positionen gut besetzt sind und die Mannschaft funktioniert. Das ist beim Fußball nicht anders als in meinem Job. Und da spielen wir sicherlich nicht um den Abstieg! Marcus Eckhoff (58) ist seit zehn Jahren im esn Unternehmensverbund tätig. Am 15. Januar 2024 ist er zum Geschäftsführer der Mehrwerk gGmbH ernannt worden, deren Führung er bereits in den Jahren 2015 bis 2020 zusammen mit Hans Henning Müller verantwortete. Er ist zudem seit 2014 Geschäftsführer der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH und leitete die Neuerkeröder Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Er ist – auch durch seine Arbeit als Vorsitzender des Diakonie-Fachverbandes der Behindertenhilfe in Niedersachsen – ein fachkundiger und gut vernetzter Experte im Bereich berufliche Qualifizierung und Teilhabe sowie Eingliederungshilfe. „Der Arbeitsmarkt ist derzeit geprägt von einem spürbaren Mangel an Arbeitskräften. Als Arbeitgeber stellt dies für uns eine Herausforderung dar, als Dienstleister natürlich auch eine Chance.“ Carmen Eggeling (47 Jahre alt) wird als Prokuristin die Mehrwerk gGmbH im Bereich der Organisation und strategischen Ausrichtung unterstützen. Zusätzlich wird sie die Durchführung der bestehenden Maßnahmenlandschaft am Standort Kuba Bildungscampus sowie die Weiterentwicklung der Abteilung Arbeitsmarktdienstleistungen mit verantworten. Sie ist seit 2016 Mitglied der Mehrwerk gGmbH und kümmert sich unter anderem um die Optimierung von organisatorischen Prozessen im Hinblick auf die Umsetzung der Gesellschaftsausrichtung, wirkt bei der Lösungsfindung in strategischen und operativen Fragestellungen mit und fungiert als Schnittstelle zwischen den verschiedenen (internen) Stakeholdern. „Ich wünsche mir für die Entwicklung der Mehrwerk, dass wir es schaffen, für jeden das passende Angebot zu kreieren.“ Daniel Schwerdtfeger (40 Jahre alt), der bereits seit der Mehrwerk-Gründung (2016) die gastronomischen Bereiche verantwortet, leitet die neu formierten Abteilungen „Gemeinschaftsverpflegung & Catering“ sowie „inklusive Schul- und Kitaverpflegung“. Insgesamt werden täglich bis zu 3.500 Mittagessen für Schulen und Kindergärten zubereitet und knapp über 1.000 stationär lebende Menschen versorgt. In den inklusiven Teams sind bis zu 40 Prozent der Beschäftigten Menschen mit Behinderung, denen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sowie eine arbeitsbegleitende Betreuung im Wettbewerb des ersten Arbeitsmarktes geboten wird. „Die Arbeit in den Abteilungen der Mehrwerk ist wichtig weil sie ein vielfältiges Arbeitsumfeld bietet und damit eine gute Grundlage schafft, inklusive Arbeitsplätze zu gestalten. Jeder kann wertvolle Beiträge leisten und seine individuellen Fähigkeiten und Talente einbringen.“ Claudia Deichmann hat zum 22. Januar 2024 die Gesamtleitung Arbeit und Beschäftigung in der Mehrwerk gGmbH übernommen. Die 43-Jährige, die bereits seit 2017 gesamtverantwortlich die Tagesförderstätten in der esn-Tochter Wohnen und Betreuen GmbH (WuB) leitet, ist mit der Umsetzung und Weiterentwicklung der Leistungen im Bereich Arbeit und Beschäftigung betraut. In ihrer Doppelfunktion wird sie die Leistungen der Eingliederungshilfe innerhalb der esn enger zusammenzuführen. „Meine Ziele sind, die Weiterentwicklung von attraktiven Arbeits- und Beschäftigungsangeboten für Jugendliche nach der Schule genauso wie für Personen, die sich auf ihren Ruhestand vorbereiten. Ich setze auf ein engagiertes Team mit guten Ideen und den Blick für die Bedarfe aller uns anfragenden Menschen.“ "Wichtig ist, dass alle Positionen gut besetzt sind und die Mannschaft funktioniert." Arbeit ist ein wesentlicher Teil der sozialen Existenz. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, Menschen mit unterschiedlichen Handicaps durch Qualifizierung und Beschäftigung in das Arbeitsleben zu integrieren. Dafür stellen wir unseren Teilnehmenden und Beschäftigten ein passgenaues und breit gefächertes Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebot zur Verfügung. Mehr Infos Text: Thomas Pöllmann // Fotos: Bernhard Janitschke Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteEinen Weg aus der Trauer finden
13.05.2024 Einen Weg aus der Trauer finden – Verlust – Als ihr Mann stirbt, reißt das Marie-Luise Buchholz den Boden unter den Füßen weg. „Das war ein Schock“, erzählt die 75-Jährige. „Ich habe mich einfach nur verloren gefühlt.“ Mit ihrem Mann war sie über 50 Jahre verheiratet. Doch den Weg durch ihren Schmerz muss sie zunächst alleine gehen – bis sie im Trauercafé des Zentrums Würde am Marienstift Weggefährten findet. In den vielen Ehejahren hatten sie es gut. Ihr Mann sei immer gesund gewesen. „Ich dachte, es geht für uns immer so unbeschwert weiter“, erzählt Buchholz. Doch dann erkrankt ihr Horst. „Es war ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen“, sagt sie. Als eine Reha genehmigt wird, stimmt das die Familie zunächst optimistisch. Doch dann schafft er es doch nicht. „Plötzlich war ich alleine“, erzählt sie. „Das war ein Gefühl, dass ich so ja gar nicht kannte.“ Die Trauer über den Verlust ist groß. Zu groß, um mit ihr alleine zu sein. Am Anfang teilt sie ihren Kummer mit ihrer Familie und ihrem Freundeskreis. „Doch man will auch niemandem auf die Nerven fallen. Es gibt ja Angenehmeres, als ständig eine Trauernde am Telefon zu trösten.“ Hinzu sei gekommen, dass die meisten ihrer Freunde Ehepaare sind. So verbringt die Rentnerin viel Zeit zu Hause, alleine mit sich und ihren Gedanken. Zeit, die sich dehnt, Gedanken, die kreisen. Es gibt wenig, worauf sie sich freuen kann. So richtet sich ihr Blick immer wieder auf das Vergangene, auf das Verlorene, statt in die Zukunft. "Den Glauben stülpen wir hier niemandem über. Jeder hat seinen eigenen Weg, mit der Trauer umzugehen." Heike Heckmann | Leitung Diakonischer Dienst und Zentrum Würde Kleine Gesten mit großer Wirkung Schon rund einen Monat nach dem Tod meldet ihre Tochter sie beim Trauercafé vom Zentrum Würde am Marienstift an. Es wirkt vielleicht wie ein kleiner Schritt. Doch mit diesem kleinen Schritt wird auch der weiteste Weg ein Stück kürzer. „Ich habe mich von Anfang an willkommen gefühlt“, erinnert sie sich an ihren ersten Besuch vor rund einem Jahr. Es gibt einen schön gedeckten Tisch. Das Team um Heike Heckmann, Leitung des Diakonischen Dienstes und Zentrum Würde, füllt die Tassen mit Kaffee und Tee, verteilt Gebäck und sorgt für eine angenehme Atmosphäre – so ganz anders als das verhuschte Frühstück nebenbei zu Hause im Stehen. Neben den Gesprächen über die persönlichen Erfahrungen und Sorgen steht auch immer ein besonderes Thema im Vordergrund der monatlichen Treffen. Bei Buchholz‘ erstem Besuch wurden passenderweise kleine Fußabdrücke aus Pappe verteilt. Ein Symbol dafür, Schritt für Schritt zurück ins Leben zu finden. „Den habe ich seither immer in meinem Geldbeutel und wenn ich ihn sehe, schöpfe ich neue Kraft“, sagt die Seniorin. Ein anderes Mal lagen Steine zum Mitnehmen aus. Wege können schließlich steinig sein. Es sind kleine Gesten, die viel bewirken können. Immer wieder werden auch passende Textzeilen oder Bibelverse verteilt. Der christliche Hintergrund hilft Buchholz sehr. Heike Heckmann betont aber: „Den Glauben stülpen wir hier niemandem über. Jeder hat seinen eigenen Weg, mit der Trauer umzugehen.“ Struktur und Gemeinschaft Neben den Anregungen während der Treffen schafft der regelmäßige Termin des Trauercafés außerdem eine Struktur. „In Zeiten, in denen sonst nichts war, war das Café wie ein Anker“, berichtet Marie-Luise Buchholz. Auf der langen Strecke wirkt das Trauercafé so wie ein wiederkehrender Wegpunkt. Das Wichtigste ist aber wohl die Gemeinschaft. Die Menschen sind nicht alleine mit ihrer Trauer, von anderen umgeben, die Ähnliches durchmachen. Jede Trauer und jeder Verlust ist individuell, aber das Verständnis füreinander ist da. „Wenn ich jemanden anrufe und sage, dass ich wieder eine schlechte Phase habe, weiß die Person, was ich meine“, erzählt Buchholz. Hier sei niemand genervt, wenn es nach einigen guten Tagen auch mal wieder ein Stück bergab geht. Die meisten kennen das aus der eigenen Erfahrung. Dieses gegenseitige Verständnis kann zu neuen Freundschaften führen. Marie-Luise Buchholz war sogar mit einer anderen Teilnehmerin des Cafés im Stadion. Sie sagt: „Zuerst haben wir miteinander geweint und uns später miteinander über den Sieg gefreut. Das hätte ich am Anfang nicht erwartet.“ Neben den Freundschaften und dem Trauercafé ist Buchholz mittlerweile auch im Seniorenradio tätig. So hat sie sich – auch wenn die Trauer immer noch da ist – eine Struktur geschaffen und zurück ins Leben gefunden. Heike Heckmann betont: „Manche brauchen im Trauerprozess länger, andere kürzer. Wichtig ist uns, dass die Menschen wissen: Wir sind da. Ganz ohne Erwartung und ohne Druck.“ Marie-Luise Buchholz überlegt, ab Sommer nicht mehr ins Trauercafé zu kommen. Vielleicht ist sie nun so weit. Doch sie weiß: Falls sie auf ihrem Weg weitere Begleitung braucht, ist sie im Zentrum Würde jederzeit willkommen. Mehr über das Zentrum Würde Text: Lukas Dörfler // Fotos: Bernhard Janitschke Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteWichtiger Baustein: Familienhilfe
13.05.2024 Wichtiger Baustein – Familien stärken – Die Sozialpädagogische Familienhilfe berät bei Krisen, Konflikten und im Alltag. Achtung, Baustelle! Wenn die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH angefordert wird, ist es meist so, dass das (Familien-) Gefüge einen Schaden erlitten hat, es begutachtet und repariert werden muss. Vivian Antonius, Linda Almstedt, Wiebke Strunk und Maximilian Marwedel vom Team der SPFH unterstützen Familien bei Krisen, Konflikten, Herausforderungen des Alltags sowie der Beziehungs- und Erziehungsarbeit. Tragfähige Verbindungen In ihrer Arbeit kommt es auf jeden einzelnen Baustein an, um das Fundament der Familie wieder zu stärken, sowie tragfähige Verbindungen und ein gutes Zusammenwirken aller Komponenten des Gefüges herzustellen. In Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Jugendamtes Braunschweig werden Lösungen und Maßnahmen entwickelt. „Das Jugendamt nimmt mit uns Kontakt auf, damit wir die Familien für einen bestimmten, bewilligten Zeitraum begleiten und betreuen“, ergänzt Maximilian Marwedel. Er hat, wie seine Kolleginnen, seinen beruflichen Schwerpunkt in der Jugend- und Familien- sowie in der Eingliederungshilfe. Viel Beziehungsarbeit „Wir gehen zu den Familien nach Hause, sprechen mit ihnen über die Hilfebedarfe und hören uns ihre Schwierigkeiten an. Das ist etwas sehr Intimes und viele Familienangehörige brauchen erst einmal einen Moment, um sich uns anzuvertrauen. Da müssen wir viel Beziehungsarbeit leisten“, berichtet Vivian Antonius. Grundlegend dafür ist eine würdigende Haltung den Familien gegenüber und das Verständnis, dass jedes Verhalten eine Ursache und einen Sinn hat. Ist das erste Eis gebrochen, gehe es darum, sich in das Thema einzuarbeiten und einen Hilfeplan zu erstellen. „Meist stellen wir fest, dass es nur die Spitze des Eisbergs ist und sich hinter der Anfrage weitere Problematiken und Bedarfe verbergen“ – da geht es um die Schule, Stress mit Ämtern, fehlende Anträge, eine Schuldnerberatung oder auch um Termine mit dem Gerichtsvollzieher“, so Wiebke Strunk. Das SPFH-Team vermittle zwischen den Parteien und kümmere sich mit der Familie um die Bereitstellung von notwendigen Dokumenten oder die Vereinbarung von Terminen bei den entsprechenden Stellen. Sie begleiten die Familienangehörigen dabei immer, weil es oft sprachliche und/oder kognitive Barrieren gebe. "Mal sind wir nur Zuhörer und beinahe therapeutisch aktiv. Manchmal brauchen die Eltern Entlastung, dann kümmern wir uns um die Kinder." Maximilian Marwedel | Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) Vielfältige Anfragen Wichtig ist das Hilfeplangespräch, das im Beisein des ASD und mit den Familien geführt wird. „Dabei legen wir verpflichtende Zielvereinbarungen in einem Vertrag fest“, erklärt Linda Almstedt. Das könne etwa das Finden eines Therapieplatzes für ein Familienmitglied sein oder die Beziehungsarbeit innerhalb der Familie. „Auf uns kommen sehr vielfältige Anfragen und Anforderungen zu. Mal sind wir nur Zuhörer und beinahe therapeutisch aktiv. Manchmal brauchen die Eltern Entlastung, dann kümmern wir uns um die Kinder“, berichtet Marwedel. Auf Grundlage der Zielvereinbarungen des Hilfeplangesprächs gestalten sich die Einsatzbereiche und -zeiten der SPFH-Teammitglieder. Rund 30 Fälle hat das Team bereits bearbeitet, einige von ihnen durchaus schwierig und emotional belastend. Jedes Teammitglied hat inzwischen seine eigene Bewältigungs- und Verarbeitungsstrategie gefunden. Zusätzlich tausche man sich miteinander regelmäßig aus, das helfe ebenso, berichten sie. Erfolge feiern Und dann gebe es natürlich noch die kleinen, aber wichtigen Erfolge, die für ein gutes Gefühl auf dem Weg nach Hause sorgen. Etwa, wenn Mutter und Kind weiter in der rollstuhlgerechten Wohnung leben dürfen oder der seit zwei Jahren vergeblich angefragte Sprachkurs gebucht werden kann. Jeder noch so kleine Baustein hilft, das Familiengefüge zu festigen. Text: Thomas Pöllmann // Fotos: Sara Uhde Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteHerausforderung Loslassen
13.05.2024 Herausforderung: Loslassen – Die eigenen vier Wände – Der Ablösungsprozess vom Elternhaus stellt sowohl für die Kinder als auch für die Eltern einen wichtigen Entwicklungsschritt in der familiären Beziehung dar. Er erfordert Mut, (Selbst-)Vertrauen und die Bereitschaft, eigene Wege zu gehen – insbesondere bei Familien mit zu betreuenden und pflegenden Kindern. Im Bereich der Eingliederungshilfe kann er zu einer größeren Herausforderung werden. Familie Winter ist diesen Schritt gegangen und hat – mit der Unterstützung der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH (WuB) – eine gute Lösung für ihr Kind Nele gefunden. Die Ausnahmesituation beginnt für die Familien oft schon damit, dass die bürokratische Maschine bereits anläuft, der Auszug emotional aber noch in weiter Ferne liegt. Zunächst steht in den meisten Fällen eine intensive Suche nach einer passenden Einrichtung im Fokus, gekoppelt mit Behördengängen, Telefonaten und Anträgen. Zusätzlich drückt der eigene emotionale Rucksack bei jedem Schritt: Veränderungsängste, die neu zu ordnende Beziehung zwischen Eltern und Kind. Viele weitere Sorgen und Nöte spielen in diesen Lebensabschnitt hinein. Stadt oder Land? Familie Winter hat versucht, pragmatisch zu bleiben: „Wir haben uns verschiedene Wohnangebote angesehen, in der Stadt und auf dem Land. Aber gerade, weil wir aus dem ländlichen Raum kommen, hatten wir von dem dörflichen Charakter Neuerkerodes gleich ein gutes Gefühl für Nele. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass es ihr auch gefällt. Und das hat es zum Glück auch“, so Vater Marc-Anton Winter. Den emotionalen Ballast, den so eine Veränderung mit sich bringt, abzuschütteln, ist dennoch nicht ganz einfach. „Als Elternteil hat man ganz bestimmte Vorstellungen und Wünsche für sein Kind und denkt, dass niemand das eigene Kind so gut betreuen kann wie man selbst“, ergänzt Mutter Nathalie Winter. Dennoch müsse man sich im Klaren darüber sein, dass diese Vorstellungen und Eindrücke nicht unbedingt die des Kindes seien und andere Sichtweisen viel wichtiger und entscheidender für die Entwicklung sind. „Es hätte zum Beispiel auch ein alternatives, ortsnahes Angebot für Nele gegeben, bei dem sie morgens in der Beschäftigung und nachmittags zu Hause gewesen wäre. Als Eltern hätten wir mehr von ihr gehabt, aber sie selbst hätte vermutlich unter den wenigen Kontakten gelitten und der Abnabelungsprozess vom Elternhaus hätte sich damit erheblich erschwert“, so Nathalie Winter. Unterstützt und begleitet wurde die Familie von der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen, im Speziellen von Jane Rinne, die dort für das Aufnahmemanagement zuständig ist. Schon seit Längerem habe Nele laut Rinne an Aktivitäten des zur WuB gehörenden Familienentlastenden Dienstes, etwa an Freizeiten und Tagesaktionen, teilgenommen. Dabei sei Nele auch schon mal ein paar Tage ohne Mama, Papa und ältere Schwester ausgekommen. "Diese Vorarbeit zu Hause ist ganz wichtig, in dem man positiv über die Veränderungen spricht." Nathalie Winter - Mutter Den Umzug planen Später, beim Probewohnen in Neuerkerode, dem Auftakt in der Wohngruppe im Weidenweg, habe es Hilfestellung durch die Wohnbereichsleitung und das Aufnahmemanagement geben. „Wir haben Nele im Vorfeld des Probewohnens immer wieder darauf angesprochen, dass ein Umbruch und Umzug stattfindet, damit sie sich vorbereiten konnte. Diese Vorarbeit zu Hause ist ganz wichtig, in dem man positiv über die Veränderungen spricht“, so die Mutter. Bei der Eingewöhnung halfen alle mit, Nathalie und Marc-Anton Winter kümmerten sich liebevoll um die Einrichtung des Zimmers. „Wir haben ganz viel aus ihrem Zimmer mitgenommen, zum Beispiel die geliebte Bettwäsche mit Pferdemotiven, ihren gemütlichen Sessel sowie den Schreibtisch mit ihrem Lieblingsdrehstuhl“, so Marc-Anton Winter. Vor dem Probewohnen habe Nele zudem ein zweiwöchiges Schulpraktikum in der Tagesförderung absolviert und bereits viel vom Dorf und der Arbeit kennengelernt, fügt Jane Rinne an. Um den ersten Trennungsschmerz zu überwinden, half auch die Wohngruppe mit: „Damit der Ablösungsprozess sich einfacher gestaltet, haben wir erst einmal die Besuche nach dem Auszug eng getaktet und dann in den folgenden Wochen immer weiter gedehnt. Das hat gut funktioniert“, erinnert sich Mitarbeiterin Michaela Paul. Angekommen Mittlerweile ist seit dem Einzug etwas mehr als ein Jahr vergangen und Nele, ihre Eltern und ihre Bezugsmitarbeitenden ziehen ein positives Fazit. „Der Schritt, hier in die Wohngruppe Weidenweg nach Neuerkerode zu ziehen, war für Nele der richtige“, sind die Eltern überzeugt. Sie hat ihren eigenen Wohnbereich, neue Freunde und Kontakte in und außerhalb der Wohngruppe gefunden und geht einer geregelten Beschäftigung in der Tagesförderung nach. Sie lebt ein weitgehend autonomes, für ihr Alter passendes Leben und ist glücklich. Die Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH hat Räume geschaffen, in denen Menschen mit Behinderungen die Welt zu ihrer machen können. Die eigene Wohnung ist der Ausgangspunkt für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und somit ein Erfahrungsfeld für das soziale Miteinander. Hierbei spielt nicht nur die Wohnung selbst, sondern auch ihre Umgebung mit den sich ergebenden Handlungsmöglichkeiten und -grenzen eine wichtige Rolle. Mehr Infos zu den Wohnangeboten für Menschen mit Behinderung Text: Thomas Pöllmann // Fotos: Sara Uhde Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteWürdevoll bis in den Tod
13.05.2024 Würdevoll bis in den Tod – Abschied – Der Moment, in dem Menschen ihren letzten Atemzug tun, in dem ihr Herz zum letzten Mal schlägt, ist ein Moment, der etwas Heiliges in sich trägt. So beschreiben ihn zumindest Heike Heckmann, Manuela Malitzki und Alena Güthoff, die in den Braunschweiger Senioren- und Pflegezentren Bethanien und Haus St. Vinzenz tätig sind und schon viele Menschen auf ihrem Weg in den Tod begleitet haben. Sie sorgen dafür, diese herausfordernde Situation so würdevoll wie möglich zu gestalten. Dabei können auch ungewöhnliche Dinge zum Einsatz kommen – beispielsweise ein ehemaliger Picknickkoffer oder Brausepulver. Lange davor Wie schwer vielen die Auseinandersetzung mit dem Tod fällt, erlebt Manuela Malitzki in ihrer täglichen Arbeit. Als GVP-Beraterin unterstützt sie bei der Planung der gesundheitlichen Versorgung zum Lebensende und ist unter anderem zuständig für Patientenverfügungen und Vollmachten. Hierzu führt sie Gespräche mit den Senioren und ihren Angehörigen – möglichst dann, wenn das Sterben noch in relativ weiter Ferne liegt. Denn sind Fragen wie die um eine mögliche Wiederbelebung vorab geklärt, müssen Angehörige im Notfall nicht kurzfristig im Alleingang entscheiden, sondern kennen den Willen des Betroffenen. Gerade wenn der Tod noch nicht in unmittelbarer Nähe ist, sind es oft die ersten Gespräche der Senioren mit ihren Angehörigen über das Sterben – und somit immer wieder hochemotional. „Wenn ich die Situation als neutrale Person begleite, bekommt das Ganze eine Art Rahmen und es kann offener über das Thema gesprochen werden“, berichtet Malitzki. „Immer wieder wird dabei geweint – viele fühlen sich danach richtig befreit.“ Kurz davor Auf die Gespräche, die erste Ängste nehmen können, folgen im besten Falle noch viele gesunde und glückliche Jahre. Doch irgendwann neigt sich das Leben dem Ende. „Die ersten, die das bemerken, sind meist die Pflegekräfte. Sie sind immer ganz nah dran an unseren Bewohnenden“, sagt Malitzki. Liegt jemand im Sterben, melden sich die Pflegekräfte bei Heike Heckmann, Seelsorgerin und Leitung des Diakonischen Dienstes. Sie können zusätzlich auf Hilfsmittel zurückgreifen, die den Prozess des Sterbens nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Pflegekräfte und Angehörige angenehmer machen können. Eines dieser unterstützenden Hilfsmittel ist der Seelsorgekoffer. Ein ehemaliger Picknickkoffer als Zeichen dafür, dass man sich Zeit füreinander nimmt. Befüllt wurde er von Heike Heckmann in Zusammenarbeit mit Alena Güthoff, Leitung des Begleitenden Dienstes im Haus St. Vinzenz. Der Inhalt basiert auf den Erfahrungen aus der Praxis. „Und er wird ständig weiter bestückt, wenn wir die Rückmeldung bekommen, dass etwas gefehlt hat“, erläutert Heckmann. Ob Duftöle, Kerzen, Bilder, ein Gebetsbuch, ein Koran oder Handschmeichler – alles, was guttut, ist erlaubt. Außerdem gibt der Koffer auch den Pflegenden und Angehörigen Halt im Umgang mit dem Tod. Nicht nur die äußeren Umstände sollen angenehm sein. Die Pflegenden bemühen sich nach Kräften, dass sich die Sterbenden so wohlfühlen, wie es eben geht. Die Körper werden sensibler, der Mund ist meist staubtrocken. Ein extrem unangenehmes Gefühl. Deshalb bietet Manuela Malitzki Mundpflegeschulungen an. Auch in ihrem Equipment finden sich zwischen Mullbinden und Tupfern Dinge, die man am Sterbebett zunächst nicht erwarten würde. Beispielsweise Brausepulver, um den Speichelfluss anzuregen, oder eine Sprühflasche für das Lieblingsgetränk. „Die kann man mit Tee oder Saft befüllen, um den Mundraum zu befeuchten“, sagt Malitzki. „Und wenn das Lieblingsgetränk Whiskey ist, ist das auch in Ordnung.“ Währenddessen Das Sterben selbst beschreiben die Frauen als unfassbar intim. „Dieser Moment des Loslassens, diese Grenze, die am Lebensende überschritten wird, des Übergangs von dieser irdischen in eine andere Welt, hat etwas ganz Heiliges – unabhängig davon, ob oder an was man glaubt“, berichtet Heckmann. Danach Nach dem Tod eines Bewohnenden wird ein Banner an die Tür gehängt. So wissen die anderen: Hier ist jemand von uns gegangen. Sofern von den Verstorbenen gewünscht, nimmt Heike Heckmann eine Aussegnung vor. „Durch den Tod anderer wird auch die eigene Endlichkeit wieder bewusster. Damit geht jeder unterschiedlich um – was aber nichts mit dem Alter zu tun hat“, berichtet Malitzki. Der Begleitende und Soziale Dienst kommt mit Bewohnenden zusammen, um bei Kerzenlicht über den Verstorbenen zu sprechen. Was war toll an der Person und welche Erinnerungen hat man zu ihr. Manchmal werden Anekdoten erzählt, die zum Schmunzeln sind oder freudig berühren. Niemand wird vergessen. „Dieses gemeinsame Gedenken tut allen gut und macht das Abschiednehmen leichter“, erzählt Alena Güthoff. Später werden die Namen auf Steine geschrieben, die im Gottesdienst auf dem Altar und sonst in der Gedenkstätte des jeweiligen Hauses ihren Platz finden. Dadurch sind sie präsent und können von den Bewohnenden jederzeit aufgesucht werden. So wird nicht nur das Sterben, sondern auch der Abschied in Würde begangen. Der Seelsorgekoffer: Kleine Hilfestellungen bei der Mundpflege: Text & Video 2: Lukas Dörfler // Fotos: Bernhard Janitschke // Video 1: Petra Neu Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteDanke, dass ich da bin
13.05.2024 Danke, dass ich da bin. – Hallo Welt – Kinderwunschzentrum Hildesheim begleitet Patientinnen auch im Krankenhaus Marienstift. Wenn ein Vierjähriger auf einen Reproduktionsarzt zugeht mit den Worten „Danke, dass ich da bin“, dann steigen sogar einem routinierten Mediziner wie Dr. Jan- Simon Lanowski die Tränen in die Augen. Zu dieser Begegnung kam es im vergangenen Sommer beim 30-jährigen Bestehen des Kinderwunschzentrums in Hildesheim. Seit der Gründung im Jahr 1993 sind ungefähr 7.000 Kinder mithilfe des Praxisteams zur Welt gekommen. „Statistisch gesehen ist das in jeder Schulklasse in Hildesheim ein Kind“, stellt Lanowski nicht ohne Stolz fest. Zweiter Standort im Krankenhaus Marienstift eröffnet Da 25 bis 30 Prozent der Patienten aus dem Großraum Braunschweig kommen, hat das Kinderwunschzentrum Anfang 2024 einen zweiten Standort im Krankenhaus Marienstift eröffnet. „Uns war es wichtig, Räumlichkeiten in einem Neubau und in der Nähe einer bestehenden Frauenklinik zu finden. Das Marienstift ist perfekt für uns geeignet – es ist etabliert, zentrumsnah, verkehrstechnisch sehr gut angebunden und hat in der Region einen sehr guten Ruf“. Bis auf die Entnahme von Eizellen und das Einsetzen von Embryonen können in Braunschweig seitdem alle vorbereitenden Untersuchungen und Therapien durchgeführt werden – eine enorme Zeitersparnis für die Patientinnen. Das Angebot wird so gut angenommen, dass die Sprechstundenzeiten seit Beginn sogar erhöht werden konnten. Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch weit verbreitet Dr. Jan-Simon Lanowski ist seit 2019 Miteigentümer der Praxis, in der inzwischen 50 Mitarbeitende tätig sind. Der gebürtige Hamburger, der am Universitätsklinikum Eppendorf studiert, seine Facharztausbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover absolviert hat und dort als Oberarzt tätig war, hat sich sehr bewusst für den Fachbereich der Reproduktionsmedizin entschieden. „Jedes siebte Paar in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Wir möchten möglichst viele Eltern auf ihrem oft steinigen Weg begleiten und ihnen im Optimalfall zum Familienglück verhelfen“, erläutert der 40-Jährige seine Motivation. „Die Paare fühlen sich häufig sehr belastet, obwohl sie natürlich keine Schuld trifft. Studien in England haben ergeben, dass der Leidensdruck bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ähnlich groß ist wie bei einer Krebserkrankung.“ Deshalb bietet das Kinderwunschzentrum neben medizinischen Therapien immer auch eine psychosomatische Grundversorgung an. Die häufigsten Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch bei Männern: Laut WHO-Untersuchungen haben Anzahl und Beweglichkeit der Spermien weltweit in den vergangenen 30 bis 40 Jahren deutlich abgenommen. Die Hauptgründe: Mikroplastik oder Hormone, die über das Trinkwasser aufgenommen werden. „Frauen leiden unter Myomen oder Endometriose“, erklärt Lanowski. In der westlichen Welt sei aber in den meisten Fällen das weibliche Alter entscheidend. „Früher waren die Mütter im Durchschnitt bei der ersten Geburt 25 Jahre alt, inzwischen sind sie 34. Dazu muss man wissen, dass die Fruchtbarkeit ab dem Alter von 30 Jahren abnimmt, ab 35 Jahren deutlich.“ Wer sich für eine Behandlung interessiert, startet mit einem ausführlichen Erstgespräch, in dem der Arzt eine umfassende Anamnese erstellt. Gemeinsam mit dem Paar wird überlegt, welche Untersuchungen nötig sind. „In vielen Fällen müssen keine oder nur kleinste therapeutische Maßnahmen erfolgen“, stellt Lanowski klar. „Es ist absolut nicht bei jeder Frau eine sogenannte künstliche Befruchtung nötig.“ Manchmal reiche eine Zyklusüberwachung oder eine milde Hormonstimulation, um schwanger zu werden. Erfolgsquote von 44 Prozent Die Erfolgsquote des Kinderwunschzentrums Hildesheim spricht für sich: Die Schwangerschaftsrate pro Embryonentransfer liegt bei 44 Prozent – der bundesdeutsche Durchschnitt aus insgesamt 135 zertifizierten Zentren bei 32 Prozent. Wie erklärt sich der Chef diesen Erfolg? „Wir harmonieren sehr gut im Team – Ärzte, Mitarbeitende und Labor – und arbeiten sehr gründlich“, so Lanowski. „Außerdem gibt es feste Arzt-Patienten-Paare zur optimalen Begleitung und wir bieten nur Therapien an, für die wir wissenschaftliche Beweise haben.“ Ihn freut besonders, wenn die Patienten rückmelden, dass sie sich gut betreut fühlen – auch wenn das perfekte Familienglück vielleicht nicht realisiert werden kann. „Wir können nicht zaubern, aber wir versuchen alles, was im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich ist. Es ist uns beispielsweise mehrfach gelungen, bei Frauen, die sehr früh in die Wechseljahre gekommen sind, noch Eizellen zu gewinnen. Sie konnten somit noch schwanger werden – fast ein Wunder, zumal einige von ihnen vorab schon mehrfach gesagt bekommen hatten, dass dies nicht möglich sei.“ In diesen Fällen bleibt der Kontakt oft lange bestehen – Lanowski und sein Team erhalten dann Fotos der Neugeborenen, aber manchmal auch noch von deren Einschulung. Und da ist er dann wieder, einer dieser emotionalen Momente im Leben des Reproduktionsmediziners. "Wir möchten möglichst viele Eltern auf ihrem oft steinigen Weg begleiten und ihnen im Optimalfall zum Familienglück verhelfen." Mehr Infos Text: Miriam Herzberg // Fotos: Bernhard Janitschke // Video: Sara Uhde Zur Inhaltsübersicht
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