Dem brauche ich nichts mehr vorzumachen
22.06.2026 Dem brauche ich nichts mehr vorzumachen – Wege finden– Der Briefkasten bleibt oft mehrere Tage ungeöffnet. Yvonne* weiß, dass darin amtliche Schreiben liegen könnten, Rechnungen oder Bescheide. Allein der Gedanke daran löst Panik aus. „Ich mache die Post nur auf, wenn Herr Manthey da ist“, sagt sie. Wenn Sozialpädagoge Manuel Manthey zu ihr kommt, setzen sie sich gemeinsam an den Küchentisch und öffnen die Umschläge. Was für Außenstehende banal wirkt, ist für Yvonne ein wichtiger Schritt, um ihren Alltag überhaupt bewältigen zu können. Unterwegs statt Schreibtisch Jeden Tag fährt Manuel Manthey los, zu Menschen nach Hause, die Unterstützung brauchen, um ihren Alltag zu strukturieren. Er arbeitet in den Fachambulanzen Sucht des Lukas-Werks in Braunschweig und Wolfenbüttel im Bereich der Qualifizierten Assistenz beim Wohnen. Die Klient:innen leben eigenständig, befinden sich jedoch oft an der Grenze dessen, was gerade noch möglich ist. Yvonne ist eine von ihnen. Seit mehreren Jahren arbeitet sie mit Manthey zusammen. Sie ist eine von 290 Klient:innen, die das Lukas-Werk im vergangenen Jahr in Südostniedersachsen ambulant betreut hat. Als sie 2021 erstmals das Angebot wahrnahm, ging es ihr sehr schlecht. „Ich war labil, hatte viele Rückfälle und keinen Halt“, erinnert sie sich. Ein Burnout, die Trennung von ihrem Mann, Alkoholabhängigkeit und depressive Episoden hatten ihr Leben aus der Bahn geworfen. „Man fühlt sich wertlos. Früher hat man funktioniert – und plötzlich geht gar nichts mehr.“ Beziehungsarbeit auf Augenhöhe Die Qualifizierte Assistenz beim Wohnen ist ein freiwilliges Angebot der Eingliederungshilfe nach dem Bundesteilhabegesetz. Manthey versteht seine Arbeit als Beziehungsarbeit auf Augenhöhe. „Am Anfang habe ich Yvonne oft suchen müssen“, erzählt er. Verabredete Termine platzten, Anrufe blieben unbeantwortet. Doch Manthey fand sie. „Ich musste erst zeigen: Ich bin da. Verlässlich.“ Auch oder gerade dann, wenn Yvonne es nicht sein konnte. Diese Verlässlichkeit wurde zum Wendepunkt. Mit der Zeit wuchs das Vertrauen – und damit die Offenheit. Yvonne spricht heute ehrlich über Rückfälle, Suchtdruck und Suizidgedanken. „Ich weiß, dass ich keine Vorwürfe bekomme“, sagt sie. Für Manthey ist diese Ehrlichkeit ein Zeichen von Stabilität: „Nur dann können wir reagieren.“ Kleine Schritte, große Wirkung Die Unterstützung ist bewusst alltagsnah und niedrigschwellig: Post öffnen, Anträge besprechen, Telefonate mit Behörden gemeinsam führen. Oft sitzen beide in Yvonnes Küche oder Wohnzimmer. Schritt für Schritt übernimmt sie Aufgaben wieder selbst – in ihrem Tempo mit dem Ziel, so selbstständig wie möglich zu leben. Ein Meilenstein war der Umzug in die eigene Wohnung vor drei Jahren. „Seitdem geht es mir besser“, sagt Yvonne. Alleine zu leben, Abstand zu konsumierenden Beziehungen zu gewinnen und eine Tagesstruktur aufzubauen – unter anderem durch den Besuch einer Tagesstätte – haben wesentlich zu ihrer Stabilisierung beigetragen. Auch therapeutische Schritte, wie der Beginn einer Traumatherapie, geben ihr neue Hoffnung. Vertrauen, das trägt Manthey begleitet diesen Prozess, ohne ihn zu steuern. Er motiviert, fragt nach, hält aus. „Wir arbeiten an Zielen, die realistisch sind“, erklärt er. „Und wir schauen früh auf Warnzeichen.“ Wenn es kritisch wird, bleibt der Kontakt eng: durch Telefonate, Absprachen im Netzwerk und gegebenenfalls die Vermittlung in weitere Hilfen. „Man sieht Entwicklungen, nicht nur Momente“, sagt er. Oder wie Yvonne es formuliert: „Herrn Manthey brauche ich nichts mehr vorzumachen.“ *Name von der Redaktion geändert Ein ambulantes Angebot der Eingliederungshilfe Qualifizierte Assistenz beim Wohnen ist ein ambulantes Angebot der Eingliederungshilfe für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen oder psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, die selbstständige Lebensführung im eigenen Wohnraum zu erhalten oder zu stabilisieren. Die Unterstützung erfolgt individuell und alltagsnah – zum Beispiel bei behördlichen Angelegenheiten, der Tagesstruktur, der Gesundheitsversorgung oder in Krisensituationen. Die Begleitung ist freiwillig und orientiert sich an den persönlichen Zielen der Klient:innen. Mehr Infos Das feiern wir... Seit fünf Jahren begleitet Manuel Manthey Klient:innen des Lukas-Werks im Rahmen der Qualifizierten Assistenz beim Wohnen „Es ist immer wieder großartig zu sehen, wenn meine Klient:innen kleine oder große Erfolge verzeichnen“, sagt er. Mindestens genauso sehr feiert er seine Kolleg:innen: „Ich bin ja bei meiner Arbeit viel allein unterwegs,und oft sehr nah dran an schweren Schicksalen. Da hilft mir der regelmäßige Austausch mit dem Lukas-Werk-Team. Fallbesprechungen, kollegiale Beratung und kurze Rücksprachen geben mir den nötigen Rückhalt.“ Text: Petra Neu // Foto: Andreas Rodemann Zur Inhaltsübersicht
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Bunt verbindet. Bunt verbindet – das zeigt die neue Ausgabe unseres Stiftungsmagazins. Ein Magazin, das berührt, bewegt und Mut macht. Darin können Sie Geschichten vom Ankommen, Aufbrechen und Zusammenhalten entdecken. Von Menschen, die ihren Weg finden, und von Momenten, die zeigen, wie viel Kraft im Miteinander steckt. Ob im Alltag, in der Pflege oder in besonderen Lebensentscheidungen – diese Ausgabe der Neuerkeröder Blätter macht sichtbar, was entsteht, wenn Vertrauen wächst und Vielfalt verbindet. Editorial Liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe unseres Stiftungsmagazins erzählt von Wegen, die Halt geben – und von Momenten, die bleiben. Von großen Entscheidungen ebenso wie von kleinen Erfahrungen, die oft erst im Rückblick ihre ganze Bedeutung entfalten. Gemeinsam ist all diesen Geschichten, dass sie zeigen, was möglich wird, wenn Menschen aufmerksam begleiten und einander Vertrauen schenken. So lesen Sie von Menschen, die mit Unterstützung ihren Alltag wieder selbst gestalten – in kleinen, aber entscheidenden Schritten. Sie begegnen einer jungen Ärztin, die ihren beruflichen Weg klar vor Augen hat und im Ausbildungsverbund die Struktur findet, die sie sich dafür wünscht. Und von Paaren, die sich füreinander entscheiden und gemeinsam leben wollen, so wie es für sie richtig ist: individuell, wertschätzend und getragen von Fürsorge. Ein zentrales Thema dieser Ausgabe ist auch die Pflege. Ein Gespräch macht deutlich, wie hoch die Belastungen im Arbeitsalltag sind – und dass Anerkennung mehr braucht als Sichtbarkeit. Gute Pflege erfordert Zeit, verlässliche Rahmenbedingungen und den gesellschaftlichen Willen, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wird spürbar, was Hoffnung macht: engagierte Mitarbeitende, ein starkes Miteinander und junge Menschen, die diesen sinnstiftenden Beruf bewusst wählen. Besonders greifbar wird diese Haltung in den kleinen Episoden aus unserem Unternehmensverbund. In einem handgeschriebenen Brief einer ehemaligen Auszubildenden, der zeigt, dass Begleitung manchmal erst Jahre später sichtbar wirkt. In einer Kleidertausch- Idee, aus der Gemeinschaft und Wertschätzung entstehen. In einem kunsttherapeutischen Moment, der einen Menschen unerwartet berührt und neue Wege eröffnet. Oder in einem selbst gebauten Segel-Memory, mit dem Lernen spielerisch gelingt und Selbstvertrauen wächst. Diese besonderen Momente erinnern daran, dass sinnvolle Arbeit oft im Stillen geschieht – und dennoch lange nachwirkt. Was all das verbindet, ist eine gemeinsame Haltung: Menschen ernst zu nehmen, sie in ihrer Individualität zu sehen und Entwicklung gemeinsam zu ermöglichen. Diese Ausgabe möchte Ihnen davon ein Bild vermitteln – nah am Alltag, nah am Menschen. Wir laden Sie ein, die Geschichten dieser Ausgabe mitzunehmen: als Einblick, als Ermutigung und als Erinnerung daran, wie viel Kraft in den kleinen und großen Momenten des Miteinanders liegt. Herzlichst Tobias Henkel | Vorstandsvorsitzender Weiterlesen Neues zum Blättern Dem brauche ich nichts mehr vorzumachen Jeden Tag fährt Manuel Manthey los, zu Menschen nach Hause, die Unterstützung brauchen, um ihren Alltag zu strukturieren. Er arbeitet in den Fachambulanzen Sucht des Lukas-Werks in Braunschweig und Wolfenbüttel im Bereich der Qualifizierten Assistenz beim Wohnen. Zum Text Boxen voller Poesie Eine lieb gewonnene Tradition in den Senioren- und Pflegezentren der esn: Einmal im Jahr treten sie gegeneinander an. Mit Kreativität, Teamgeist und viel Engagement widmen sich die Bewohnenden einer Aufgabe. Dabei geht es um den Spaß und die Vernetzung der Häuser untereinander. Und auch um einen Gewinn, den ein Haus am Ende für sich entscheiden kann. Zum Text Sichtbarkeit reicht nicht Es vergeht kaum eine Woche, in der Pflege nicht in den Schlagzeilen auftaucht: Pflegenotstand, Reformen, Kürzungen, Personalmangel. Doch wie ist die aktuelle Situation wirklich – und was müsste sich ändern, damit es zu spürbaren Verbesserungen kommt? Darüber haben wir mit Vertreter:innen unserer Verbundmitarbeitendenvertretung (V MAV) gesprochen. Zum Text Ich weiß, wie es weitergeht Ein klarer Weg in die Allgemeinmedizin: Der neue Ausbildungsverbund in Braunschweig verbindet Klinik und Hausarztpraxis zu einer strukturierten Facharztweiterbildung – mit festen Rotationen und persönlicher Begleitung. Zum Text Mehr als 52 Millionen Minuten Leben 100 Jahre leben ist ein Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen. Und was war das Wichtigste in seinem Leben? Franz Rydel überlegt nicht lange: „die Familie.“ Zum Text Sommerfest für alle Mit Jonglage, Humor und viel Herz bringt „Gerd der Gaukler“ die Atmosphäre des Neuerkeröder Sommerfests direkt in die Wohngruppen – für Menschen, die nicht selbst teilnehmen können. Zum Text Kono. Kita. Kunterbunt. Golden Retriever Kono ist das neue Teammitglied der Kita Peter und Paul in Neuerkerode. Mit seiner liebevollen Art unterstützt er Kinder und Mitarbeitende im Alltag. Zum Text Mehr als perfekt Heiraten in Neuerkerode .Der Rahmen ist einfacher, aber die Botschaft umso deutlicher: Es geht um zwei Menschen, die zusammen ihr Leben gestalten wollen. Zum Text Ein Band fürs Leben Mithilfe der „Perlen des Glaubens“ ordnen Frauen in der Kurklinik „Die Insel“ auf Juist ihre Gedanken und schaffen Klarheit, die sie auch im Alltag weiter begleitet. Zum Text Und … Action! Was macht die Arbeit in der Eingliederungshilfe besonders und wertvoll? Jonas, Pia, Henrik, Marie, Jasmin und viele weitere berichten darüber – in kurzen Videos. Die Mitarbeitenden aus der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen haben unter dem Titel „Miteinander arbeiten“ authentische Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Zum Text Gemeinsam mehr erreichen In der esn arbeiten über 3.700 Mitarbeitende an über 75 Standorten in mehr als 45 Berufsfeldern – und doch gibt es eine Sache, die eher selten vorkommt: dass ein Mitarbeitender in mehreren Gesellschaften gleichzeitig angestellt ist. Einer von ihnen ist Jakob Richter. Zum Text Besondere Momente Besondere Momente prägen unseren Alltag. Mitarbeitende aus dem Unternehmensverbund esn erzählen von bewegenden Begegnungen, überraschenden Erlebnissen und Augenblicken, die zeigen, was die Arbeit in unseren Hilfefeldern so besonders macht. Zum Text Spendenprojekt Kleines Haus für große Schritte: Projekt Tiny House Kennen Sie das vielleicht noch selbst aus Ihrer Kinderund Jugendzeit? Die Aufregung und das Kribbeln, weil ein Abenteuer, etwas Unbekanntes, wartet. Diesen besonderen Mut, den man sammelt, um losgehen zu können und dieser unbändige Entdeckergeist, der einen anspornt, eigene Erfahrungen zu sammeln? So geht es aktuell auch vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im inklusiven Dorf Neuerkerode beim Thema „Eigenständiges Wohnen“. Der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit wächst. Man will Verantwortung übernehmen, selbst entscheiden, organisieren. Für viele Jugendliche im inklusiven Dorf Neuerkerode ist das in der heute bestehenden Wohnstruktur nur begrenzt möglich. Gleichwohl ist der Schritt in „die weite Welt“ ein großer, der eine Portion Mut und Selbstvertrauen erfordert. Deshalb haben die Jugendlichen aus der Wohngruppe Wabeweg eine besondere Idee entwickelt, um behutsam, aber selbstständig, in den nächsten Lebensabschnitt hinüberzugehen. Es soll ein Wohnangebot entstehen, ein hausgewordener Zwischenschritt, der die Brücke zur Verselbständigung bildet: die Geburtsstunde des Projekts Tiny House, auf deren Umsetzung die jungen Menschen nun gespannt warten. Hier können junge Menschen im Kleinen ausprobieren, wie sich eigenständiges Wohnen und mehr Verantwortung im Alltag anfühlen – im weiterhin behüteten Rahmen. Denn das Tiny House wird im nahegelegenen Garten der Wohngruppe gebaut. So kommen wir dem Wunsch der Jugendlichen, sie auf ihrem Weg in den nächsten Lebensabschnitt zu unterstützen, nach – mit einem Wohnangebot auf Zeit, das Wachstum ermöglicht und einen harmonischen Übergang in ein selbstbestimmtes Leben schafft. Entsprechend groß ist bereits die Vorfreude bei den Jugendlichen, und es werden schon Pläne geschmiedet, wie das „Alleinwohnen“ gestaltet werden soll. Begleitet werden sie bei den Planungen von den Mitarbeitenden in ihrer Wohngruppe, die nicht nur beim Umzug mit Rat und Tat zur Seite stehen, sondern auch bei Herausforderungen helfen. Bei Verselbständigung unterstützen Ein Architektenentwurf liegt bereits vor und dank der großzügigen Förderung der IKEA Stiftung in Höhe von 50.000 Euro ist der Grundstein für dieses besondere Projekt im inklusiven Dorf Neuerkerode gelegt. Doch zur vollständigen Realisierung fehlen aktuell noch rund 25.000 Euro. Diese Mittel benötigen wir nicht nur für die Fertigstellung des Hauses, sondern auch für eine barrierefreie Ausstattung sowie die notwendigen Versorgungsleitungen – Strom, Wasser, Abwasser und Heizung. Erst mit diesen Anschlüssen wird aus einem Bauprojekt ein bewohnbares Zuhause. “Ich kann alles in meinem Tempo machen, nach meinem eigenen Rhythmus” “Ich möchte zeigen, dass auch Menschen mit Beeinträchtigung selbstständig und selbstbewusst leben können.” “Ein Leben in einem Tiny House macht mich stark.” Jetzt spenden Erfolgsgeschichten Ihrer Unterstützung: Spenden-News Thomas Pöllmann // Foto: Unternehmenskommunikation esn Events Zu den Veranstaltungen Sie möchten die Neuerkeröder Blätter und weitere Informationen aus der Unternehmensgruppe regelmäßig digital erhalten? Dann schreiben Sie uns gern eine E-Mail an: oeffentlichkeitsarbeit@neuerkerode.de
Zu der SeiteTreffen der Angehörigengruppe
20.05.2026 Was ist eine Angehörigengruppe und welche Themen greift sie auf? Diese und weitere Fragestellungen greift Michael Schöndube (Vorsitzender des Angehörigenbeirats) auf und berichtet von den Tätigkeiten der Gruppe. Neben dem allgemeinen Austausch gibt es Möglichkeiten zur Beratung - von Terminen mit psychologischer Betreuung bis zu Vorträgen zu bestimmten Themen. Die Angehörigengruppe wird von Angehörigen für Angehörige organisiert und lädt zum nächsten Treffen am Samstag, 6. Juni 2026, um 14 Uhr in den Speisesaal, im 1. Stock des Verwaltungsgebäudes der Wohnen und Betreuen GmbH ein (s. Punkt 1 auf dem Dorfplan). Um Anmeldung bei Michael Schöndube bis zum 28. Mai wird gebeten unter: Telefon 05351 539145 oder E-Mail Michael.Schoendube@t-online.de . Bitte geben Sie bei der Anmeldung Namen und Personenzahl an. Einladung Dorfplan
Zu der SeiteInformationsabend rund um Pflege, Entlastung und Begleitung am Lebensende
20.05.2026 Informationsabend rund um Pflege, Entlastung und Begleitung am Lebensende Die Veranstaltung findet am 29. Mai 2026 in der Tagespflege Langelsheim statt. Die Tagespflege Langelsheim lädt alle Interessierten herzlich zu einem Informationsabend ein. Im Mittelpunkt stehen Unterstützungsangebote für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige sowie wichtige Informationen rund um Versorgung und Begleitung im Alltag und am Lebensende. Wann: 29. Mai 2026, 17 Uhr Wo: Tagespflege Langelsheim, Marienhüttenweg 3, 38685 Langelsheim Die Veranstaltung bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Themen: In einem Impulsvortrag stellt die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. das Hausnotrufsystem vor und erläutert, welchen Nutzen es im Alltag bieten kann. Außerdem werden Entlastungsangebote durch die Tagespflege Langelsheim und die ambulante Pflege der Filiale Liebenburg-Lutter vorgestellt – mit dem Fokus auf Möglichkeiten, wie Menschen möglichst lange in ihrem eigenen Zuhause leben können. Ein weiterer Programmpunkt widmet sich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Gemeinsam mit Frau Zeier und der Palliativmedizinerin Frau Bernhardt wird aufgezeigt, wie Menschen auf ihrer letzten Lebensreise bestmöglich begleitet werden können. Da die Teilnehmendenzahl begrenzt ist, wird um eine Anmeldung bis zum 26. Mai 2026 unter Telefon (05326) 9297024 gebeten. Weitere Informationen Die Angebote und weitere Informationen über die Diakoniestationen Harz-Heide finden Sie hier: Mehr Infos
Zu der SeiteGemeinsam Grundwerte leben
19.05.2026 Gemeinsam Grundwerte leben Zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai lädt das Senioren- und Pflegezentrum Theresienhof in Goslar zu einer besonderen Aktion ein. Am 23. Mai feiert das deutsche Grundgesetz Geburtstag. Aus diesem Anlass lädt der Theresienhof zu einer besonderen Aktion unter dem Titel „Gemeinsam Grundwerte leben“ ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Begegnung, Austausch und Gemeinschaft. In gemütlicher Atmosphäre kommen Seniorinnen und Senioren, Ehrenamtliche sowie Angehörige und Interessierte zusammen, um über Zusammenhalt, gesellschaftliche Werte und persönliche Wünsche für die Zukunft ins Gespräch zu kommen. Ort: Theresienhof, Rammelsberger Straße 42, 38644 Goslar Datum: 23. Mai 2026, 14.30 bis 17 Uhr Nach einer gemeinsamen Begrüßung bieten moderierte Gesprächsimpulse an kleinen Tischen Raum für Austausch. Ein anschließender Spielenachmittag mit Klassikern wie „Mensch ärgere dich nicht“, Kartenspielen und einem kleinen Quiz sorgt für Abwechslung und Freude. Ein besonderer Moment der Veranstaltung ist der „Wunschbaum für Deutschland“, an dem die Teilnehmenden ihre Gedanken, Hoffnungen und Wünsche festhalten können. Zum Abschluss lädt eine offene Erzählrunde dazu ein, Erinnerungen und Gedanken zu teilen. Die Aktion möchte das Grundgesetz nicht nur würdigen, sondern erlebbar machen – als Grundlage für ein respektvolles, solidarisches Miteinander. Der Theresienhof in Goslar Weitere Informationen über den Theresienhof in Goslar erhalten Sie hier: Mehr Infos
Zu der SeiteSichtbarkeit reicht nicht
12.05.2026 Sichtbarkeit reicht nicht Ein Interview anlässlich des Internationalen Tags der Pflege. Es vergeht kaum eine Woche, in der Pflege nicht in den Schlagzeilen auftaucht: Pflegenotstand, Reformen, Kürzungen, Personalmangel. Doch wie ist die aktuelle Situation wirklich – und was müsste sich ändern, damit es zu spürbaren Verbesserungen kommt? Zum Internationalen Tag der Pflege haben wir mit Vertreter:innen unserer Verbundmitarbeitendenvertretung (V‑MAV) gesprochen. Niklas Mattern, Vorsitzender der MAV des Krankenhauses Marienstift, gelernter Gesundheits und Krankenpfleger, seit 2008 im Unternehmensverbund esn Oliver Meyer, Vorsitzender der MAV der Diakoniestationen Harz Heide, gelernter Kaufmann im Groß und Außenhandel, seit 2010 im Unternehmensverbund esn Petra Thoben, Vorsitzende der MAV Marienstift Holding, Berufsschullehrkraft am Bildungszentrum Marienstift, seit 2023 im Unternehmensverbund esn Vergleichbar mit Betriebsräten in nichtkirchlichen Unternehmen arbeitet das elfköpfige Gremium übergeordnet. Es ist zuständig für Angelegenheiten, die den gesamten Unternehmensverbund esn oder mehrere Einrichtungen betreffen und nicht durch die einzelnen Mitarbeitendenvertretungen der Gesellschaften oder Hilfefelder geregelt werden können. Die Vertreter:innen sind selbst in der Pflege tätig oder waren es lange Zeit und stehen in engem Austausch mit Kolleg:innen aus dem Krankenhaus, der stationären und ambulanten Altenhilfe sowie mit jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung im Pflegebereich entschieden haben. Jan Willer, Vorsitzender der MAV der insgesamt fünf Einrichtungen im Bereich stationäre Pflege und Betreuung in der esn, gelernter Pflegeassistent, seit 2002 im Unternehmensverbund esn Andreas Wolf, Vorsitzender der V MAV sowie Mitglied der MAV Wohnen und Betreuen, gelernter Garten und Landschaftsbaumeister mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation, seit 2013 im Unternehmensverbund esn Manuela Schuller, Mitglied der MAV Wohnen und Betreuen, gelernte Diplom Psychologin, seit 2008 im Unternehmensverbund esn Belastungen im Pflegealltag Der Internationale Tag der Pflege rückt die Bedeutung professioneller Pflege in den Fokus. Welche Bedeutung hat dieser Tag für euch und eure Arbeit? Mattern: Im Alltagsgeschäft ist das Thema eher nebensächlich. Es ist natürlich schön, dass der Tag Sichtbarkeit schafft. Allerdings ist es seit der Corona‑Pandemie nicht die Sichtbarkeit, an der es in der Pflege mangelt, sondern an Lösungen. Wolf: In der Eingliederungshilfe ist es ähnlich. Der Tag ist bekannt, wird aber kaum genutzt. Pflege und Betreuung stehen hier oft im Schatten des pädagogischen Auftrags. Dabei zeigt die Realität sehr deutlich: Pflege ist längst ein fester und zunehmender Bestandteil unserer Arbeit. Ihr bekommt viele Rückmeldungen aus der Belegschaft. Wo erleben Mitarbeitende in der Pflege die größten Belastungen – und woran mangelt es am meisten? Meyer: Die Schlagzahl in der Pflege ist deutlich gestiegen. Es gibt eine hohe Arbeitsverdichtung, und die Touren der ambulanten Dienste werden länger. Das liegt einerseits an mehr Menschen, die Pflege benötigen, andererseits vor allem an fehlendem Personal. Thoben: Der Personalmangel wird uns auch von den Auszubildenden zurückgemeldet. Sie werden an ihren Einsatzorten sehr schnell eingebunden, im Arbeitsalltag gebraucht und haben kaum Zeit, in Ruhe anzukommen. Willer: In der stationären Pflege merken wir, dass sich die Ansprüche im Gesamtbild verändert haben. Die komplexen Krankheitsbilder und die damit verbundenen Herausforderungen sowie die Bedürfnisse unserer Bewohner:innen sind gestiegen. Gleichzeitig haben Pflegekräfte immer den Zeitdruck im Nacken. Gerade in den Nachtdiensten sind wenige Mitarbeitende für viele Bewohnende zuständig – das geht an die Belastungsgrenze, körperlich wie psychisch. Schuller: In der Eingliederungshilfe hat sich zudem der Fokus verändert. Die Klientel wird älter und vielfältiger. Neben geistigen Behinderungen kommen zunehmend körperliche Einschränkungen, psychische Erkrankungen und demenzielle Entwicklungen hinzu. Dadurch steigt der Pflegebedarf deutlich. Wolf: Pflege ist in der Eingliederungshilfe aber nie Selbstzweck, sondern immer pädagogisch eingebettet – mit dem Ziel, Menschen in ihrer Selbstständigkeit zu fördern. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass es Lebenssituationen gibt, in denen Pflege dauerhaft notwendig ist und dann auch verlässlich und würdevoll geleistet werden muss. Damit nimmt Pflege mehr Zeit ein, während personelle und finanzielle Ressourcen begrenzt sind. Als Mitarbeitendenvertretung erleben wir, dass genau das bei Kolleg:innen Frustration auslöst: Sie möchten ihre fachliche Kompetenz voll einbringen, stoßen aber an strukturelle Grenzen. Der wirtschaftliche Druck muss raus Welche Maßnahmen würden zu einer echten Entlastung führen? Meyer: Das Problem ist strukturell. Pflege ist ein Finanzierungs‑ und Generationenthema. Die Reformen, die wirklich helfen würden, sind tiefgreifend – und davor schreckt die Politik zurück. Stattdessen erleben wir steigende Eigenanteile und immer mehr Druck auf die Einrichtungen. Willer: Das System sollte auf mehr Schultern verteilt werden. In der stationären Altenpflege müssen die zu Pflegenden immer mehr in Eigenleistung gehen und damit an ihr Erspartes, um sich einen Pflegeplatz leisten zu können. Ist das Vermögen aufgebraucht, muss Sozialhilfe beantragt werden – und selbst darauf wartet man oft lange, während der Träger in Vorleistung geht. Mattern: Die Finanzierung des Systems müsste grundlegend reformiert werden. Warum müssen Polizei und Feuerwehr keinen Gewinn machen, Krankenhäuser aber schon? Hier muss der wirtschaftliche Druck raus. Gesundheitsversorgung ist eine gesellschaftliche Aufgabe, sie muss für alle zugänglich sein. Meyer: Neben der Finanzierung spielen auch ganz praktische Fragen eine Rolle, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Junge Menschen interessiert oft weniger das Geld als die Zuverlässigkeit ihres Dienstplans. Sie wollen planbare Freizeit und – je nach Lebenssituation – familienfreundliche Dienste. Das müssen wir bieten können. Wolf: Hinzu kommen gute technische Hilfen, sinnvolle Digitalisierung und ausreichend Zeit für Beziehung. Pflege und Teilhabe brauchen Ruhe, Verlässlichkeit und Handlungsspielräume. Schuller: Teilhabe, Inklusion und Pflege werden politisch stark anerkannt, aber praktisch häufig unterfinanziert. Gute Arbeit braucht Ressourcen – sonst geraten pädagogische und pflegerische Ansprüche in Konflikt. Welche Aufgabe kommt euch als Mitarbeitendenvertretung zu? Thoben: Eine zentrale Frage ist, wie wir uns strategisch aufstellen müssen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Dafür ist es wichtig, die Stimmen der Mitarbeitenden einzubeziehen. Mitarbeitendenvertretung ist gelebte Demokratie. Willer: Wir sind oft die Stimme derer, die sich nicht trauen, etwas zu sagen. Unsere Erfolge sind manchmal klein, aber wichtig: Dienstpläne mitgestalten – und dadurch mitarbeiterfreundliche und gesetzliche Vorgaben aufzeigen –, Kündigungen verhindern, individuelle Lösungen für Einzelfälle finden, aber vor allem Verbesserungen für die gesamte Mitarbeiterschaft erreichen. Wolf: Wir ordnen arbeitsrechtlich ein und vertreten Anliegen gegenüber den Leitungen. Gleichzeitig sehen wir, dass auch Führungskräfte stark unter Druck stehen, weil sie mit begrenzten Ressourcen einen verlässlichen Betrieb sicherstellen müssen. Hoffnung trotz aller Herausforderungen Was lässt euch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken? Mattern: Dass wir immer noch junge Menschen für die Pflege begeistern können. Viele kommen mittlerweile aus dem Ausland zu uns und geben viel dafür auf. Das ist eine Ressource, die wir gut pflegen müssen – dafür braucht es eine offene Willkommenskultur. Statistisch ist klar: Ohne Zuwanderung werden wir in Zukunft nicht mehr ausreichend pflegen können. Thoben: Das kann ich nur bestätigen. Unsere Klassen sind sehr international. Jeder junge Mensch – unabhängig von Hautfarbe, Sprache oder Herkunft –, der zu uns kommt, um in der Pflege zu arbeiten, ist ein Gewinn. Meyer: Vieles ist in der Pflege nicht so schlecht, wie es von außen oft dargestellt wird. Gerade in der esn haben wir gute Strukturen und einen guten Tarifvertrag. Es gibt immer wieder Kolleg:innen, die gehen und später zurückkommen. Das zeigt, dass wir vieles richtig machen – auch wir als MAV. Welche Botschaft möchtet ihr zum Abschluss mitgeben? Schuller: Unseren Kolleg:innen möchte ich sagen: Euer Engagement und eure Empathie sind nicht selbstverständlich. Ihr leistet tagtäglich sehr viel – oft unter schwierigen Bedingungen. Das verdient Anerkennung in Form von guten Rahmenbedingungen. Mattern: Junge Menschen wachsen heute mit vielen Unsicherheiten auf: Wie sicher ist die Rente? Was kann man sich leisten? Wie stabil ist die Weltlage? Die Pflege ist ein sicherer Beruf – und sie wird es auch in fünfzig Jahren noch sein. Vor allem aber ist Pflege eine sehr sinnstiftende Tätigkeit. Das geht in den Diskussionen oft unter. Genau das sollten wir wieder sichtbarer machen. Karriere im Unternehmensverbund esn Interview und Fotos: Lukas Dörfler, Petra Neu Zur Inhaltsübersicht
Zu der SeiteDas Gleichgewicht wiederfinden
15.05.2026 Das Gleichgewicht wiederfinden Neben den Einzelbegleitungen bietet Brigitte Hube auch Entspannungs- und Yoga-Kurse für die DIAPP-Klient:innen an. So kann sie ihre persönlichen Interessen und Fähigkeiten kreativ einbringen. Frühlingssonne fällt durch die Fenster der Brunsviga auf die Leute, die auf Yogamatten verteilt auf dem Boden liegen. „Spannt eure Arme mit dem Einatmen an, und lasst sie mit dem Ausatmen wieder locker auf den Boden sinken“, leitet Brigitte Hube die Teilnehmenden des Yoga-Kurses an. Alle sind ganz bei sich, entspannt und gleichzeitig fokussiert. Dieser Zustand ist keine Selbstverständlichkeit für sie. Normalerweise erdrücken ihre Gedanken sie, Ängste, Zwänge und psychische Belastungen lassen sie selten zur Ruhe kommen. Bei den Kursteilnehmenden handelt es sich um Klient:innen der DIAPP, des diakonischen ambulanten psychiatrischen Pflegedienstes, die Teil der Diakoniestationen Harz-Heide und somit der esn (Evangelische Stiftung Neuerkerode) ist. Wenn die Seele aus eigener Kraft nicht mehr aus einem Tief herausfindet, braucht es Menschen, die da sind, zuhören und begleiten. Genau hier setzt die Arbeit der DIAPP an. Mitarbeitende wie Brigitte Hube unterstützen Menschen mit seelischen Erkrankungen dabei, Schritt für Schritt wieder mehr Stabilität in ihren Alltag zu bringen. Ziel der Begleitung ist es, gemeinsam mit den Klient:innen ein solides Gerüst aufzubauen – eines, das auch in Krisenzeiten trägt. Im vertrauten Umfeld entdecken und stärken sie Fähigkeiten, die helfen, psychisch belastende Phasen zu überwinden und den Alltag wieder selbstständiger zu bewältigen. „Es geht darum, Ressourcen sichtbar zu machen und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zurückzugewinnen“, beschreibt Hube ihre Arbeit. Neben der individuellen Begleitung der Klient:innen hat sie vor rund vier Jahren ein zusätzliches Angebot ins Leben gerufen: eine wöchentliche Entspannungsgruppe. Damit ist sie direkt auf die Bedarfe der Klient:innen eingegangen: Viele kommen gerade aus Kliniken, in denen Entspannungsangebote selbstverständlich zum Alltag gehören. Mit der Entlassung fallen diese dann plötzlich weg – obwohl sie ihnen guttun und Halt geben. Hube sagt: „Diese Lücke fülle ich.“ Jede Einheit der Entspannungsrunde beginnt mit einer Atemübung. Danach ist das Programm bewusst abwechslungsreich: Elemente aus dem Qigong, progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Übungen mit Bällen haben im Wechsel ihren Platz. „Ich schaue immer, was die Gruppe gerade braucht“, erklärt sie. Entspannung soll hier nicht starr sein, sondern sich am aktuellen Befinden der Teilnehmenden orientieren. Mittlerweile ergänzt ein wöchentliches Yogaangebot das Programm. Auch hier spielen Atem und sanfte Entspannung eine zentrale Rolle. Brigitte Hube bringt eine Fortbildung im Bereich der körperorientierten Traumaarbeit mit, in der viel mit Yoga gearbeitet wurde. Die Übungen wählt sie gezielt aus – angepasst an unterschiedliche Krankheitsbilder. Für Menschen mit Depressionen eignen sich beispielsweise Bodenübungen oder wechselnd Anspannen und Entspannen der Muskeln. Dies helfe dabei, loszulassen und zur Ruhe zu kommen. Sie erklärt: „Viele haben Schwierigkeiten, sich selbst und ihren Körper zu spüren. Yoga kann dabei helfen, wieder in Kontakt mit sich zu kommen.“ Dass diese Angebote nachhaltig wirken, hat sich ihr erst vor Kurzem noch einmal gezeigt. „Ich bin zufällig einem ehemaligen Klienten über den Weg gelaufen. Er hat mir erzählt, dass er auch Jahre nach der Teilnahme noch regelmäßig die Wechselatmung praktiziert – einfach, weil sie ihm hilft, runterzukommen.“ Momente wie diese bestärken Brigitte Hube in ihrer Arbeit. Neben der körperlichen und geistigen Entspannung spielt auch der soziale Aspekt eine große Rolle. In den Gruppen erleben die Teilnehmenden Gemeinschaft, knüpfen Kontakte und merken: Ich bin nicht allein. Die Kurse finden in den hellen, freundlichen Räumen der Brunsviga statt – ein Ort, der Ruhe und Offenheit ausstrahlt. Kürzlich hat Hube ihr Angebot um einen Programmpunkt erweitert: Hinzugekommen ist das Waldbaden, das alle zwei bis drei Wochen angeboten wird. In kleinen Gruppen geht es zunächst schweigend durch den Wald, gefolgt von Atemübungen im Grünen. Kleine Kärtchen mit Achtsamkeitsaufgaben laden dazu ein, wahrzunehmen, zuzuhören, zu fühlen. Anschließend werden die Eindrücke gemeinsam geteilt – ganz ohne Druck. Sie sagt: „Es geht um Achtsamkeit und Wahrnehmung. Und darum, wieder bei sich anzukommen.“ Dass sie Menschen mit ihrer Arbeit für die DIAPP bei ihrem Weg helfen kann, erfüllt Brigitte Hube. Ob in den Einzelterminen oder in ihren Gruppen: Dass sie Menschen mit ihrer Arbeit für die DIAPP bei ihrem Weg helfen kann, erfüllt Brigitte Hube. Sie sagt: „Meine persönlichen Fähigkeiten und Interessen beruflich einzubringen, empfinge ich als Privileg. Ich liebe einfach, was ich mache.“ Weitere Informationen Weitere Informationen und alle Angebote der Diakoniestationen Harz-Heide finden Sie hier: Mehr Infos
Zu der SeiteIn Neuerkerode bleibende Spuren hinterlassen
07.05.2026 Wenn aus der Arbeit eine Herzensangelegenheit wird Arbeit in den Wohngruppen, Einsatz in der Mitarbeitendenvertretung, Organisation des Gespannfahrertreffens und viele weitere Projekte: 43 Jahre lang war Carsten Wolters in Neuerkerode tätig, hat sich für seine Mitmenschen engagiert und Spuren hinterlassen – wir haben mit ihm auf Stationen seines beruflichen Lebens zurückgeblickt. 43 Jahre lang engagierte sich Carsten Wolters im inklusiven Dorf Neuerkerode Energie und Engagement, Kreativität sowie Freiräume zur Entwicklung – das schätzte Carsten Wolters besonders bei seinem Arbeitsbeginn in Neuerkerode Anfang der 1980er-Jahre. Diese Begriffe sind in seiner weiteren Laufbahn zu Maximen geworden und haben seine Arbeit stets geprägt. Anfang der 1980er Jahre herrschte viel Bewegung in der Sozialbranche und insbesondere in Neuerkerode – und Carsten Wolters war mittendrin und dabei. Für jemanden wie ihn, der immer den Antrieb hat, über den Tellerrand zu blicken und aktiv mitzugestalten, war diese Zeit ein absoluter Glücksfall. „Es war voller Energie und Kreativität. Wir hatten viele Möglichkeiten in der pädagogischen Begleitung und damit auch Freiräume, die Bürger:innen, uns selbst und das eigene Arbeiten weiterzuentwickeln“, blickt er nicht ganz ohne Wehmut zurück. Neuerkerode und er – das war von Anfang an eine gelungene Symbiose, bei der der Mensch Carsten Wolters viel für sich mitnehmen und im gleichen Zug den Menschen etwas zurückgeben konnte. Sinnhaftigkeit und neue Blickwinkel Seine berufliche Laufbahn begann allerdings nicht im inklusiven Dorf, sondern in einer völlig anderen Branche, nämlich im Einzelhandel bei Horten in Braunschweig. „Ich absolvierte dort meine Ausbildung, engagierte mich in der Auszubildendenvertretung und war anschließend als stellvertretender Abteilungsleiter tätig“, erinnert sich Wolters zurück. Glücklich sei er damit aber nicht gewesen und er habe sich die Frage gestellt, „ob Umsatz und Profit alles sind und das sinnhaft für mich ist.“ Über einen Bekannten erfährt er von der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. Insbesondere das Dorf Neuerkerode mit seinen Bürger:innen und das zu der Zeit entwickelte Konzept „Ein Ort zum Leben“ habe ihn sehr interessiert. „Ich habe mich schließlich darauf eingelassen und relativ zügig das Angebot erhalten, in der Wohngruppe Ohe1 zu hospitieren“, so Wolters. Hier habe er nachhaltige Erfahrungen gesammelt, die ihn sein gesamtes berufliches Leben in Neuerkerode geprägt haben. „Ich bin rückblickend sehr dankbar dafür gewesen, in einem Bereich anzufangen, in dem die Menschen einen höheren Pflegebedarf hatten. Das hat mich in hohem Maße für die Bedarfe und Blickwinkel der Menschen sensibilisiert“. Mut haben, sich auszuprobieren Weiteren Input erhält er auf der Schulbank, denn zum weiteren beruflichen Werdegang ist die Ausbildung in der Fachschule für Heilerziehungspflege (HEP) notwendig. Diese absolviert er im HEP-Jahrgang 9. „Das ist ein wunderbares Ausbildungsformat, weil es Theorie und Praxis gut verzahnt“, so Wolters. Dadurch dass die Schule sich im Ort befindet und zudem ein hoher Wert auf Praxis gelegt wird, kann er weiter im Wohnbereich arbeiten. Der Weg führt ihn allerdings in den Bereich Bethesda, in dem er für mehrere Jahre – über die Ausbildung hinaus – tätig sein wird. „Das war schon spannend dort zu arbeiten, weil es dort andere Bedarfe und Möglichkeiten gab. In dieser Zeit entstanden auch erste gemischte Wohngruppen“, erinnert er sich. In der schon eingangs erwähnten Konzeption „Ein Ort zum Leben“, das von dem damals Leitenden Arzt Dr. Christian Gaedt (1977 bis 2001 in Neuerkerode tätig) entwickelt wurde, seien viele neue Ansätze in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung entstanden. Dass das Konzept unter anderem auf mehr Partizipation und Teilhabe für die Bürger:innen setzte und gleichwohl die Mitarbeitenden ermutigte, Neues auszuprobieren, war auch für Carsten Wolters ein wichtiger Impuls für sein berufliches Engagement und seine Arbeit. Zudem sei der Unterstützungsbedarf der in Bethesda lebenden Bürger:innen geringer gewesen. „Es haben weniger pflegerische Tätigkeiten im Vordergrund gestanden, der Fokus war hier mehr auf die Betreuung gerichtet. Natürlich immer mit dem Blick darauf, zu reflektieren und Abläufe zu hinterfragen”, erinnert er sich. Die Antennen auszufahren, Menschen zu begegnen, in den Austausch zu gehen und mich für andere zu engagieren, das ist irgendwie in mir verwurzelt. Übergreifende Projekte initiiert In dieser Phase erfährt sein Engagement noch einmal einen Schub. Neue Projekte zu initiieren, die auch über die Wohngruppe Bethesda hinausgehen und von denen noch mehr Bürger:innen und Mitarbeitende im Dorf profitieren können, ist ihm wichtig. „Es war mir schon immer ein Anliegen, Kontakte zu den anderen Wohnbereichen zu pflegen“, erklärt er. Gemeinsam sind viele Ansätze, Ideen und schließlich interessante Projekte entstanden: „Mit Reinhard Janik (jetziger Leiter der IT in der esn, Anm. d. Red.) habe ich das Gespannfahrertreffen initiiert - eine absolute Herzensangelegenheit ”, so Wolters. Die Ausfahrten mit Motorrad und Begleitwagen sind ein fester Termin im Neuerkeröder Veranstaltungskalender und sind bei den Bürger:innen sehr beliebt. Weitere Projekte, an denen er mitwirkt, sind etwa das Format „Neuerkerode TV“ – eine Fernsehsendung, die wöchentlich mit Beiträgen von und für Bürger:innen ausgestrahlt wird –, die Reaktivierung des Neuerkeröder-Marionettentheaters oder in den 1990ern, die Mitarbeit im „Computerclub“, als Angebot der Freizeitpädagogik. Vertrauensverhältnis entwickelt Gerade auch durch diese Projekte habe er viele neue Kolleg:innen kennengelernt. „Die Antennen auszufahren, Menschen zu begegnen, in den Austausch zu gehen und mich für andere zu engagieren, das ist irgendwie in mir verwurzelt“, erklärt er. Wenig verwunderlich ist es daher, dass er fast 35 Jahre lang in der Mitarbeitendenvertretung (MAV) aktiv ist. Hier setzt sich ein roter Faden fort, der schon früh gesponnen wurde. „Mich einzubringen, war mir sehr wichtig, ob in der Schule als Klassensprecher oder später bei Horten in der Auszubildendenvertretung ”, bekundet er. Fortan setzt er sich mit den MAV-Kolleg:innen für bessere Arbeitsbedingungen ein, stößt gemeinsam Entwicklungen an und – das ist ihm besonders wichtig – ist für die Mitarbeitenden da, um ihnen bestmögliche Beratung in schwierigen Situationen zu bieten. „Daraus ist ein besonderes Vertrauensverhältnis entstanden und ich bin froh, dass ich mit vielen Kolleg:innen Lösungen entwickeln konnte“, resümiert er. Eine größere, aber auch spannende, Herausforderung, so erinnert er sich zurück, sei der Veränderungsprozess der esn gewesen, bei dem unter anderem eine Holding-Struktur mit den zugehörigen Gesellschaften entwickelt wurde. Herausforderungen wie diese sind nun mit seinem Abschied gemeistert – andere, neue, erwarten ihn jetzt: „Es fühlt sich alles noch sehr unwirklich an nach so einem langen Arbeitsleben, vor allem, wenn man viel und gerne zu tun gehabt hat. Da liegt die Herausforderung jetzt darin, sich die neu gewonnene, freie Zeit zu gestalten.“ Wie zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn in Neuerkerode steht Carsten Wolters wieder vor einem Umbruch, tun sich für ihn neue Freiheiten und Gestaltungsräume auf, die er sicherlich zu nutzen weiß. Egal, welchen Weg er zukünftig einschlägt, so bleibt Neuerkerode immer ein Teil von ihm. „Ich werde Neuerkerode und die Vielfalt der Menschen sowie die herzlichen Begegnungen in guter Erinnerung behalten“. Text & Fotos: Thomas Pöllmann | Fotos & Video: Birthe Schnatz Galerie ansehen (4) Weitere Fotos und Eindrücke.
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08.05.2026 Raum für Rückblick, Austausch und Stabilität Ehemaligentreffen der Reha‑Tagesklinik für Abhängigkeitserkrankungen in Braunschweig. „Ich hatte vorher ein Problem mit Gefühlen. Hier habe ich gelernt, sie nicht in Alkohol zu ertränken, sondern mich mit ihnen auseinanderzusetzen.“ Persönliche Erfahrungen wie diese prägten das diesjährige Ehemaligentreffen der Reha‑Tagesklinik für Abhängigkeitserkrankungen des Lukas‑Werks in Braunschweig. Zahlreiche ehemalige Patient:innen waren der Einladung gefolgt und kamen im Rehabilitationszentrum St. Leonhard zusammen. Dabei ging es nicht nur um Kaffee und Kuchen: Vielmehr ist das Treffen für Teilnehmende ein wichtiger Ankerpunkt, um den eigenen Weg zu reflektieren und die kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Erkrankung bewusst fortzuführen. Austausch und Reflexion nach der Therapie Für viele Teilnehmende hat das Jahrestreffen einen festen Platz im persönlichen Jahresverlauf. „Es hilft mir immer wieder, ein Mal im Jahr herzukommen, um mich daran zu erinnern, was mal war – und dass ich in diese schwierige Zeit nach der Entgiftung nie wieder zurück will“, berichtete ein Teilnehmer. Auch aus therapeutischer Sicht wird das Treffen als wichtiger Bestandteil der Nachsorge bewertet. Dr. Susanne Stein, Oberärztin der Reha‑Tagesklinik erklärte: „Solche Begegnungen ermöglichen es ehemaligen Patient:innen, Erreichtes bewusst wahrzunehmen und ihre Stabilität zu festigen. Gleichzeitig geben sie uns wertvolle Einblicke in die langfristigen Entwicklungen nach der Behandlung.“ Gemeinschaft als stabilisierender Faktor Im Verlauf des Nachmittags wurde deutlich, wie prägend die Zeit in der Tagesklinik für viele gewesen ist – sowohl therapeutisch als auch sozial. „Ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden“, sagte ein ehemaliger Patient. Andere berichteten offen über ihre Ausgangssituation vor der Behandlung: „Ich hatte große Scham, war am Ende. Aber ich bin dann hier gut aufgenommen worden – und nach harter Arbeit ging es für mich endlich wieder bergauf.“ Das Jahrestreffen bot Raum für persönliche Gespräche, Rückblicke und gegenseitige Ermutigung. Für die Reha‑Tagesklinik für Abhängigkeitserkrankungen ist es ein fester Bestandteil der Arbeit, Ehemaligen auch über die Therapie hinaus einen Ort der Begegnung und Orientierung zu ermöglichen. Behandlung in unseren Reha-Tageskliniken für Abhängigkeitserkrankungen Zwischen suchtspezifischer ambulanter und stationärer Therapie gibt es eine sinnvolle alternative Behandlung: die Reha-Tageskliniken Braunschweig und Northeim. Ganztägig ambulant begleiten wir Patient:innen kompetent und alltagsnah in ihre künftige Unabhängigkeit. Mehr Infos
Zu der SeiteLukas-Werk Jahresbericht 2025
30.04.2026 Lukas-Werk Jahresbericht 2025 Rückblick mit allen wichtigen Statistiken und Informationen aus dem vergangenen Jahr liegt ab sofort vor. Seit heute steht der Jahresbericht 2025 des Lukas-Werk online. In ihrem Vorwort schreibt Geschäftsfüherin Simone Wieczorek: "Das Jahr 2025 war für die Suchthilfe – wie für viele gesellschaftliche Bereiche – ein Jahr voller Herausforderungen, aber auch wichtiger Schritte in Richtung Hoffnung und Veränderung. Diesen Jahresbericht stellen wir unter das Thema „Wegweiser“. Der Begriff beschreibt treffend, was unsere Arbeit ausmacht: Orientierung geben, Perspektiven eröffnen und gemeinsam neue Wege sichtbar machen. Für die Menschen, die wir begleiten, bedeutet das oft, sich in einer Phase der Unsicherheit neu auszurichten. Für uns als Organisation heißt es, Verantwortung zu übernehmen und kontinuierlich bestmögliche Hilfe und Unterstützung zu bieten. „Wegweiser“ steht dabei für mehr als eine Richtungsangabe. Es ist ein Symbol für die Orientierung, die wir sowohl in der täglichen Arbeit als auch im Leben der von uns begleiteten Menschen geben. Unsere Klientinnen und Klienten suchen einen neuen und besseren Lebensweg. eben professioneller Unterstützung brauchen sie eine klare Vision und Hoffnung, dass ein Umdenken, ein Aufbruch und ein Neuanfang möglich sind. Dieser Jahresbericht informiert daher nicht nur über Zahlen und Fakten, sondern erzählt auch von Menschen, die – trotz Rückschlägen – mutig ihren Weg weitergehen. Es sind Geschichten von Fortschritt, von Rückschlägen und von immer wieder neu gefundenem Mut, die den wahren Wert unserer Arbeit ausmachen. Dabei betrachten wir uns nicht nur als Wegweiser, sondern auch als Begleiter, die sich einfühlsam und professionell an die Seite derjenigen stellen, die Unterstützung suchen. In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen Mitarbeitenden der Lukas-Werk Gesundheitsdienste sowie unseren finanziellen und ideellen Förderern für ihren engagierten Einsatz. Unser Dank gilt ebenso den Kommunen und dem Land Niedersachsen, der Leistungsträgerschaft, dem Diakonischen Werk in Niedersachsen, dem Förderverein Café Clara, den Freundeskreisen im Lukas-Werk und allen, die unsere Arbeit durch Spenden und Kooperationen unterstützen." Den Jahresbericht 2025 mit allen wichtigen Zahlen, Daten und Fakten aus den Einrichtzungen des Lukas-Werks können Sie direkt auf unserer Hompeage herunterladen. Dort finden Sie auch die Rückblicke auf die vergangenen Jahre. Download
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