Jonas Boos hat im inklusiven Dorf in Neuerkerode seine Ausbildung als Heilerziehungspfleger absolviert - und er ist dem Dorf treu geblieben. Als Mitarbeiter in einer Wohngruppe schätzt er die Arbeit mit den Bewohner:innen, mit den Kolleg:innen, das familiäre Umfeld und die Freiheiten, seine Arbeit kreativ und abwechslungsreich zu gestalten. Er sagt: Mit den Menschen wird man zusammen älter, man entwickelt gegenseitiges Vertrauen und erlebt kleine und große Erfolge und sammelt Erfahrungen, die ihn als Mensch haben reifen lassen.
Mitarbeiter Jonas Boos und Bewohner Tobias, der von allen nur Tobi genannt wird, stehen zusammen im Flur der Neuerkeröder Wohngruppe Mühlenhof. Es ist aktuell nicht viel los, die meisten Mitbewohner:innen sind noch auf der Arbeit. Tobias hat frei und die Stimmung kurz vor Feierabend ist gelöst. Beide lachen und scherzen zusammen, ziehen sich gegenseitig auf, gemeinsame Erinnerungen kommen auf. Es ist diese Art von Stimmung, in der ganz viele Sätze mit „Weißt du noch…!?“ anfangen und oft mit peinlichen, witzigen oder abenteuerlichen Anekdoten enden. Doch das „Weißt du noch…!?“, das Tobias dann anstimmt, ist eins von der Art, die zusammenschweißen.
Manchmal chaotisch, aber immer lebens- und liebenswert
Jonas weiß genau, was Tobias meint. Damals ging es um Leben oder Tod – und zum Glück ging es gut aus. „Wir haben schon eine Menge durchgemacht“, durchbricht Jonas das kurze Schweigen. Tobias nickt und fügt an: „Hier im Mühlenhof sind wir eine große Familie“.
Seit zehn Jahren ist Jonas Teil der „Mühlenhof-Familie“, die 14 Bewohner:innen im Alter von 19 bis 82 Jahren zählt. Die Wohngruppe sei bunt und auch ein bisschen chaotisch. Insbesondere nach Feierabend, wenn die Bewohner aus der Tagesförderstätte oder der Werkstatt kämen, sei es erstmal trubelig, berichtet er. „Sie bringen Geschichten und Erlebnisse von der Arbeit mit nach Hause – und dann muss der Wohngruppen-Alltag bestritten werden und unsere Arbeit fängt an.“ Seine Kolleg:innen und er versuchen ihnen Orientierung zu geben – im Alltag wie auch bei persönlichen Vorhaben und auch in Krisen. „Eine geregelte Struktur ist wichtig, gleichzeitig ist es wichtig, dass Individualität gelebt wird und dafür ist der Mühlenhof prädestiniert.“ Das Credo im Mühlenhof und der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH – der Gesellschaft für die Behindertenhilfe im Unternehmensverbund der esn – lautet: Fördern und Fordern. „Wir animieren die Bewohner:innen dazu, selbständig zu sein“, merkt Jonas an.



Doch nicht nur die Bürger:innen erhalten Freiräume für eigenständige Ideen und Projekte. Gleiches gilt für die Mitarbeitenden: „Was mir an dem Job persönlich gefällt ist, dass ich die Möglichkeit habe, mich frei zu entfalten. Ich kann kreativ sein, Urlaube oder Ausflüge planen und eigene Projekte umsetzen“, erzählt Jonas. Eines dieser Projekte war die Begleitung von Tobias beim Auszug aus der Wohngruppe in sein eigenes Appartement. Gemeinsam wurde der Umzug geplant, die Räume eingerichtet und tagesstrukturierende Pläne erstellt, um Selbstständigkeit und Selbstsicherheit zu fördern und zu erhöhen.
Ein weiteres Ereignis: der Helgoland-Trip mit Eberhard Grunwald, einem älteren Bürger der Wohngruppe. Als Geburtstagsgeschenk geplant, flogen sie mit einem Pilot im Kleinflugzeug von Salzgitter los und erlebten zwei ereignisreiche Tage, die beiden in Erinnerung geblieben sind [Hier die ganze Geschichte]. „Mit den Menschen wird man zusammen älter, man entwickelt gegenseitiges Vertrauen und erlebt kleine und große Erfolge. Über die Jahre habe ich viele persönliche Erfahrungen sammeln können, die mich als Mensch haben reifen lassen“, fasst er zusammen. So, wie das eine und viele andere Erlebnisse mit Tobias.
Wertvolle Erfahrungen gesammelt
Jonas und Tobias schauen sich noch einmal an. Wenn man bereits so lange gemeinsame Wege beschritten hat, braucht es manchmal nur kurze Blicke. „Wir lachen zusammen, wir weinen zusammen und wir streiten auch – aber am Ende des Tages merken wir doch, dass wir uns hier in der Wohngruppe über die Jahre sehr wichtig geworden sind“, bringt Jonas auf den Punkt, was die Arbeit in einer Wohngruppe wie dem Mühlenhof ausmacht.
“Was mir an dem Job persönlich gefällt ist, dass ich die Möglichkeit habe, mich frei zu entfalten. Ich kann kreativ sein, Urlaube oder Ausflüge planen und eigene Projekte umsetzen.”
Jonas Boos, Wohngruppenmitarbeiter im Mühlenhof im inklusiven Dorf Neuerkerode
