„Ich gehe mit Hoffnung“

Ein Patient der Reha-Fachklinik Erlengrund berichtet über seinen Weg in der Reha-Fachklinik Erlengrund für Abhängigkeitserkrankungen des Lukas-Werks.

Auf dem Weg zu sich selbst.

So beschreibt Tim B, 41 Jahre, die Zeit, die sein Leben nachhaltig verändert hat. Er kam mit einer Alkoholabhängigkeit und einer schweren Depression in die Reha Fachklinik in Salzgitter-Ringeheim – und geht mit Hoffnung, Zuversicht und einem Selbstbewusstsein, das er lange nicht mehr gespürt hat.

Der Wendepunkt: „Ich wollte nicht so enden“

Bevor Tim B. den Weg in den qualifizierten Entzug fand, war er an einem gefährlichen Punkt angekommen. Die Kontrolle über den Alkohol war ihm entglitten. Wochen ohne Konsum wechselten sich ab mit Tagen extremen Trinkens. „Dann bin ich los und habe mir Whiskey gekauft und hatte im Prinzip keine Kontrolle mehr. Nach vier bis fünf Tagen bin ich dann neben 7-10 Flaschen Whiskey aufgewacht.“ Die Mengen, die er zu sich nahm, seien lebensbedrohlich gewesen – das machte ihm erst die Reaktion seines Arztes richtig bewusst.

„Ich wollte auf gar keinen Fall, dass ich irgendwann tot, vollgekotzt, zwischen leeren Flaschen gefunden werde.“

Dieser Gedanke war der Auslöser. Tim B. entschloss sich selbstständig für einen qualifizierten Entzug – und kam anschließend ohne Unterbrechung direkt in die Fachklinik nach Salzgitter-Ringelheim in die stationäre Rehabilitation.

„Dafür bin ich mir heute dankbar.“ – Die Entscheidung, den Weg zu gehen

Heute sagt Tim B., dass er vor allem eines gelernt hat: Dankbarkeit. Vor allem für die eigene Entscheidung, sich Hilfe zu holen. Darüber hinaus hebt er das Team der Klinik besonders hervor.  „Egal ob Therapeut:innen, Ärzt:innen, Empfang und Sekretariat, Küche und Hauswirtschaft - Alle hier sind freundlich, offen und hilfsbereit. Wenn man bereit ist mitzumachen, wird einem der Aufenthalt so leicht wie möglich gemacht.“

Das Zusammenspiel vieler Bausteine

Für Tim B. war es nicht der eine Kurs oder die eine Therapie, die den Unterschied gemacht hat. Es war die Kombination aus Gruppentherapie und Einzelangeboten in vielen verschiedenen Bereichen. Der Austausch mit anderen Betroffenen hat ihm neue Perspektiven eröffnet, Verbundenheit geschaffen und ihn spüren lassen: Ich bin nicht allein. „Mein Selbstbewusstsein war nicht im Keller – es war im Minus“, sagt er. Umso größer ist der Erfolg: Heute fühlt er sich sicherer, erkennt eigene Fähigkeiten und weiß, wie er mit Stress gesünder umgehen kann.

Anker: Kunst- und Ergotherapie

Unerwartet wurde die Kunst zu einem seiner wichtigsten Anker. Tonarbeiten, Speckstein, Malerei – Ausdrucksformen, die ihm halfen, Ruhe zu finden und sich selbst auf neue Weise wahrzunehmen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals Bilder male, die ich zu Hause aufhängen will.“ Und auch Bewegung wirkte. Ob Nordic Walking, Fitnessraum, Frühsport oder Bogenschießen – auch körperliche Aktivität half ihm, innere Unruhe abzubauen und ein neues Körpergefühl zu entwickeln. Bogenschießen wird er nach der Entlassung in einem Verein weiterführen. Und dank erlernter Entspannungstechniken mit Hilfe von Imagination – innere Bilder, Traumreisen, der Aufbau eines persönlichen „sicheren Ortes“ – hat er wertvolle Ressourcen gegen Unruhe und Stress gefunden.

Ein Blick zurück – und nach vorn

Als Tim B. vor 19 Wochen in den Entzug ging, war er emotional, gesundheitlich und beruflich am Boden. Depressionen, Suizidgedanken und der Verlust der Kontrolle über den Alkohol hatten sein Leben überschattet. Heute blickt er anders auf seine Vergangenheit. Er verurteilt sich nicht länger, sondern akzeptiert seine Geschichte: „Ich habe gelernt, mir selbst zu verzeihen. Und ich bin bereit, einen anderen Weg zu gehen.“ Besonders wichtig: Er lernt, Gefühle wieder wahrzunehmen und offen mitzuteilen – ein Thema, das ihm lange schwerfiel.

Neustart – auch beruflich
Den wohl größten Schritt hat Tim B. schon vor Beginn seines Entzugs gewagt: Er will sich vollständig auf seine Gesundheit konzentrieren und löste sein Arbeitsverhältnis auf. „Ich kenne mich: Ich hätte sonst ständig im Hinterkopf gehabt, so schnell wie möglich zurück zu müssen.“ Jetzt, am Ende der Reha, spürt er neuen Mut und neue Möglichkeiten. Eine Rückkehr in den alten Beruf kommt für ihn nicht mehr infrage. Er plant eine Umschulung oder Weiterbildung – vielleicht im sozialen Bereich oder in Richtung Politik und Verwaltung. „Ich habe Chancen. Ich bin jung genug. Und ich weiß jetzt, was ich kann.“

Familie, Zukunft, Verantwortung

Tim B. lebt in Niedersachsen. Dort wohnen auch seine Eltern, Geschwister und Freunde. Besonders wichtig ist ihm sein zweieinhalbjähriger Sohn, der mit seiner Mutter in einem anderen Bundesland lebt. Die Beziehung zu ihm ist ein Thema, an dem er arbeiten will – mit Zuversicht. Noch zwei Tage hat Tim B. in der Fachklinik Erlengrund. Dann steht seine Entlassung an. Wie Blickt er auf seine 15 Wochen in der Rehabilitationsklinik?

„Ich gehe mit Hoffnung – und einem guten Gefühl, das ich sehr lange nicht hatte.“

Stationäre Behandlung in der Reha-Fachklinik Erlengrund

Eine Abhängigkeitserkrankung ist sehr gut behandelbar. Viele Betroffene versuchen, den Weg aus der Sucht zunächst allein zu gehen. Jedoch bedarf es fast immer professioneller Hilfe dabei, suchtmittelfrei zu leben. Wer diese Hilfe annimmt, findet sie in der Reha-Fachklinik Erlengrund.

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