Lysan Kraft, Auszubildende Kauffrau im Gesundheitswesen

„Mein Highlight: Das Dorf Neuerkerode“

Als angehende Kauffrau im Gesundheitswesen das Abendbrot für Menschen mit Behinderung schnippeln? Unsere Auszubildende Lysan Kraft blickt auf ihr erstes Ausbildungsjahr zurück.

Dass sie einmal beruflich in einer Wohngruppe stehen, das Abendbrot in kleine Häppchen schneiden und es dann Menschen mit Behinderung anreichen würde – damit hatte Lysan Kraft vor einem Jahr nicht gerechnet. „Ich habe schließlich eine Ausbildung in der Verwaltung begonnen“, sagt die angehende Kauffrau im Gesundheitswesen. Eine Ausbildung, die viele administrative Aufgaben beinhaltet, in der Regel mit einem Büroarbeitsplatz mit PC, Taschenrechner und Telefon, an dem Tabellenkalkulation oder Personalsachbearbeitung eine Rolle spielen oder auch die Finanzbuchhaltung erledigt wird.

Mitten drin im Dorf Neuerkerode

„Aber je nachdem, in welcher Abteilung man gerade arbeitet unterscheidet sich das schon sehr“, sagt die 19-Jährige. Im Sekretariat der Wohnen und Betreuen GmbH in Neuerkerode, wo Lysan Kraft die vergangenen Monate verbracht hat, „haben wir viel Kontakt zu den Menschen, die in dem inklusiven Dorf leben und betreut werden. Wir geben die Post an die Bürger:innen raus oder leiten diese weiter, bearbeiten die Entwicklungsberichte für die Kostenträger:innen und helfen den Menschen im Dorf auch immer wieder bei anderen administrativen Tätigkeiten.“

Im Video berichtet Lysan Kraft über ihren Einsatz im Sekretariat der Neuerkeröder Wohnen und Betreuen, also in der Verwaltung im Bereich der Behindertenhilfe, erzählt, was ihr besonders viel Spaß macht und welche Aufgaben sie genau hat.

Ein Großteil der Verwaltung der Evangelischen Stiftung Neuerkerode sitzt im Braunschweiger Stadtteil Riddagshausen. „Natürlich bekommen wir auch dort immer etwas davon mit, was in Neuerkerode passiert. Aber jetzt direkt hier zu sein, ist schon etwas Anderes.“ Da ist die Auszubildende mitten drin, wird gleich morgens bei ihrer Ankunft im Dorf von Bürger:innen begrüßt.

„Das führt einem vor Augen, für wen wir in der Verwaltung arbeiten. Die Zeit hier ist ein Highlight meiner bisherigen Ausbildung.“

Blick hinter die Kulissen

Freiwillig konnte Lysan Kraft auch in verschiedenen Wohngruppen in Neuerkerode hospitieren. Sie hat sich in Absprache mit den Fachkräften mit organisatorischer Verantwortung in Neuerkerode für drei Wohngruppen entschieden, in denen Menschen mit unterschiedlichen Hilfebedarfen leben. Sie lernte Menschen kennen, die sehr eigenständig leben, in sich gekehrte Neuerkeröder:innen mit Autismus-Spektrum-Störungen und auch mehrfachbehinderte Menschen, die mit einem Lifter ins Bett gehoben werden. „In der ersten Wohngruppe habe ich gemeinsam mit den Bürger:innen gekocht und den Abendbrottisch gedeckt, in der nächsten Wohngruppe wurde der Betreuungsbedarf schon größer und in der dritten musste das Abendbrot kleingeschnitten und teilweise auch angereicht werden.“

Lysan Kraft, Auszubildende Kauffrau im Gesundheitswesen

Keine Angst, aber Respekt vor den Gruppenbesuchen habe sie schon gehabt, berichtet Lysan Kraft. „Schließlich hatte ich bis dahin keine direkten Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung.“ Im Rückblick bezeichnet sie die freiwilligen Gruppenbesuche als „wertvolle Erfahrungen, die nicht Teil des Berufsbildes einer Kauffrau im Gesundheitswesen sind, aber spannende Einblicke in die Arbeit von Heilerziehungspfleger:innen ermöglichen.“ Außerdem fördert es das Verständnis, ist sich die 19-Jährige sicher. „Ich kann jetzt viel besser nachvollziehen, warum zum Beispiel jemand vielleicht gerade nicht ans Telefon gehen kann, wenn wir aus der Verwaltung anrufen.“

Lysan Kraft, Auszubildende Kauffrau im Gesundheitswesen

Es wird nicht langweilig

In ihrem ersten Ausbildungsjahr war Lysan Kraft bereits in der Leistungsabrechnung, der Finanzbuchhaltung, im Personalmanagement und zuletzt im Sekretariat der Wohnen und Betreuen GmbH im Einsatz. „Das Jahr war unglaublich abwechslungsreich und die Zeit verging wie im Fluge.“ Sie hat viele Abteilungen und Kollegen:innen und die gesamte Unternehmensgruppe aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt. Ihre Erkenntnis: „Mir liegen vor allem die Abteilungen, in denen es mehr um Menschen und weniger um Zahlen geht.“ Dennoch sei es gut, alle Bereiche zu durchlaufen. „Das gehört zur Ausbildung dazu. Und Sinn und Zweck der Abteilungswechsel ist es auch, herauszufinden, was einem liegt.“

In den kommenden zwei Jahren wird sie weitere neue Bereiche erkunden, die Unternehmenskommunikation beispielsweise, die IT, das Bau- und Liegenschaftsmanagement, die Verwaltung im Krankenhaus Marienstift in Braunschweig. Und sie wird mit mehr Fachkenntnissen in Abteilungen zurückkehren, die sie bereits kennt, um die Kollegen:innen noch besser unterstützen zu können. „Es wird nicht langweilig. Ich bin gespannt, was noch auf mich zukommt.“

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